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Vatikan

„Volk Gottes schaut auf uns“

Papst Franziskus fordert zu Beginn des Gipfeltreffens zum Thema Missbrauch von den Teilnehmern Mut.

22.02.2019

Von DPA

Rom. Papst Franziskus hat von den Spitzen der katholischen Kirche zu Beginn des Anti-Missbrauchsgipfels „konkrete und wirksame Maßnahmen“ gefordert. „Das Volk Gottes schaut auf uns und erwartet von uns keine einfachen und vorhersehbaren Verurteilungen“, sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche am Donnerstag in der Synodenaula des Vatikans. „Hören wir den Schrei der Kleinen, die Gerechtigkeit verlangen.“ Der Papst erinnerte die Chefs der Bischofskonferenzen der Welt an ihre Verantwortung und verlangte „Mut und Konkretheit“, um das „Übel“ des sexuellen Missbrauchs zu bekämpfen.

An dem historischen Treffen nehmen bis Sonntag neben den etwa 110 Chefs der nationalen Bischofskonferenzen auch Vertreter der römischen Kurie und von Orden teil. „Die Jungfrau Maria möge uns erleuchten, um diese schweren Wunden zu heilen, die der Skandal der Pädophilie sowohl den Kleinen als auch den Gläubigen zugefügt hat“, sagte der Papst.

Schon in den 1980er Jahren kamen erste Missbrauchsfälle durch Geistliche ans Licht. In den vergangenen Jahren wurde der Druck auf die Kirche und den Papst nach Skandalen in Deutschland, Irland, Chile und den USA immer größer. Viele Gläubige haben sich deshalb von der Kirche abgewandt, viele Opfer leiden zusätzlich an der Vertuschung nach dem Missbrauch.

Ruf nach Null-Toleranz-Politik

Die Erwartungen sind hoch, dass Franziskus endlich einen Weg aus der Krise findet. Der deutsche Kardinal Reinhard Marx erhofft sich von dem Treffen Impulse nicht nur für die Kirche, sondern für die gesamte Gesellschaft. „Ein Ziel muss sein, dass alle Bischöfe begreifen, das ist eine Herausforderung, der wir uns alle stellen müssen. Überall, in der Kirche und in der Gesellschaft natürlich auch“, sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz in Rom. Das „furchtbare Übel des sexuellen Missbrauchs“ müsse überwunden werden.

Opferverbände verlangen, dass der Papst seine immer wieder angekündigte Null-Toleranz-Politik jetzt wirklich durchsetzt. Gefordert wird eine Änderung des Kirchenrechts dahingehend, dass pädophile Geistliche nicht mehr als Priester arbeiten dürfen. Kritische Theologen sprechen sich darüber hinaus für eine Gewaltenteilung und mehr Kooperation mit staatlichen Ermittlern aus.

In der Kirche gebe es keine unabhängige Verwaltungsinstanz, die Priester oder Bischöfe kontrolliere, kritisierte der Rektor der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt, Ansgar Wucherpfennig, im Deutschlandfunk. Er sprach sich für die Einrichtung einer Wahrheitskommission und für unabhängige Berater an der Seite der Bischöfe aus, die Fälle an die Staatsanwaltschaft weiterleiten könnten. dpa

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Erstellt:
22. Februar 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
22. Februar 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 22. Februar 2019, 06:00 Uhr

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