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Jetzt in der Seminargasse

Volle Regale gab es bei der Rottenburger Tafel nur am ersten Tag nach den Ferien

Anfang September öffnete sich nach vier Wochen Sommerpause wieder die Türe der Rottenburger Tafel – nach dreizehn Jahren in der alten Domsingschule Dom ist sie inzwischen nahe dem Priesterseminar.

12.09.2010
  • WALTHER PUZA

Rottenburg. Anfang des Jahres bauten gut 25 von insgesamt 70 freiwilligen Helfern der Tafel neben dem laufenden Betrieb im Laden am Dom her innerhalb von zwei Monaten einen neuen Laden in der Seminargasse auf. Untergebracht ist er dort im Haus mit der Nummer sechs, der ehemaligen Schlosserei Heilig.

Über 100 Menschen werden versorgt

Anfang März zog die Tafel bereits in ihr neues Domizil, bemerkt fast nur von den Kunden. Denn 1997 wurde die Tafel – als erste Einrichtung dieser Art in einer Kleinstadt – gegründet, um armen Menschen die Möglichkeit zu eröffnen, günstig Lebensmittel zu kaufen. Meist nur ein Zehntel des Ladenpreises muss für Grundnahrungsmittel hier bezahlt werden. „Wir versorgen mit Sicherheit weit über 1000 Leute“, meint Regina Wolf, die Leiterin der Einrichtung. Stetig sei der Kundenkreis in den letzten Jahren gestiegen. 200 Einkaufskarten seien vergeben, mal an bedürftige Einzelpersonen, mal an zehnköpfige Familien.

Dass die Tafel nun in der Seminargasse beheimatet ist, nennt Wolf eine Interimslösung: „Dem Bischof ist es wichtig, dass wir in der Stadt bleiben und in der Nähe des Doms.“ Allerdings soll der marode ehemalige Tafelladen abgebrochen und durch einen Neubau ersetzt werden. Wolf hofft, nach dem Abriss in zwölf bis achtzehn Monaten wieder umziehen zu können. „Wir haben hier umbauen müssen und das selbst gemacht“, sagt sie deshalb: Aber wir haben es eher provisorisch gemacht.“

Warteraum sorgt für Diskretion

Wie gehabt gibt es einen Warteraum, in dem sich die Kunden aufhalten können, bevor Ihre Einkaufsnummer aufgerufen wird. Wolf: „Es gibt Leute, die wollen hier nicht gesehen werden, die huschen zu ihrer Zeit rein, andere, wie Rentner, freuen sich, dass sie hier eine Ansprache haben.“ So erfüllt die Tafel verschiedene Bedürfnisse. Wichtig ist es Wolf auch, dass die Mitarbeiter – sie arbeiten alle ehrenamtlich – einen Bereich haben, in dem sie gemeinsam Kaffee trinken können. Im Lauf der Jahre hätten sich unter den Helfern feste Teams etabliert und Freundschaften gebildet.

Siebzig Helfer Tag für Tag

70 sind es an der Zahl, die sich Tag für Tag bemühen, Ware bei Betrieben im Stadtgebiet („Früher waren wir die einzige Tafel und das Einzugsgebiet viel größer, und jetzt sind mehr Kunden da“) abzuholen, zu sortieren und zu verkaufen. „Jeden Morgen ist eine Telefonistin da“, sagt Wolf, die sich um die Organisation von Waren kümmert. Wenn beispielsweise am Montagnachmittag noch die vormittags vorbereiteten Sachen verkauft würden, kämen schon die Helfer, die neu angelieferte Ware für den Verkauf am Dienstagvormittag vorzubereiten – ein ausgeklügeltes System. Aber trotz der groß erscheinenden Zahl von Helfern sucht Wolf gerade händeringend nach einem Fahrerteam für den Freitagvormittag.

Am ersten Tag nach den Ferien zeigten sich die Regale gut gefüllt. „Das gibt es sehr, sehr selten“, so Wolf. Haltbare Ware in Konserven gebe es für gewöhnlich nicht. Um so größer war die Freude bei den Kunden, die die Wiedereröffnung herbeigesehnt hatten, weil die Tafel ihren Geldbeutel sehr schont. Die Wertschätzung steige über die Ferien immer, meint Wolf. Einer habe ihr gesagt: „Gott sei Dank habt Ihr wieder geöffnet. Jetzt habe ich endlich gemerkt, was das heißt.“

„Eins mehr“ einkaufen hilft der Tafel

Tatsächlich tun sich die Helfer immer schwerer, genügend Waren für die Bedürftigen zu bekommen, weil es in beinahe allen Städten inzwischen ähnliche Einrichtungen gibt und die Zahl der Kunden zusätzlich immer weiter steigt. Deswegen wünscht sich Wolf einen Erfolg des Projekts „eins mehr“. Wer bei seinen Einkäufen vom Zucker, Mehl oder Reis ein Päckle mehr kauft, und dieses dann bei der Tafel abliefert, würde ein sehr gutes Werk verrichten. Auch Konserven mit haltbarem Gemüse sind sehr gefragt.

Info: Abgegeben werden können die mehr getätigten Einkäufe werktags von 9 bis 11 Uhr oder zu den Öffnungszeiten (siehe www.rottenburgertafel.de). Möglich ist auch telefonischer Vereinbarung unter der Nummer (07472 915305).

Volle Regale gab es bei der Rottenburger Tafel nur am ersten Tag nach den Ferien
In ihren neuen, provisorischen Räumen in der alten Schlosserei Heilig hatte zuletzt ein türkisches Lebensmittelgeschäft residiert: die Rottenburger Tafel in der Seminargasse 6.Bild: Faden

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12.09.2010, 12:00 Uhr

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