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Fünf magische Minuten

Volleyball: Tom Strohbach gibt dem TVR im vierten Satz das entscheidende Momentum

Von 6:4 auf 13:4 binnen fünf Minuten. Die Aufschläge von Rottenburgs Tom Strohbach im vierten Satz waren Wirkungstreffer: Als der 22-Jährige fünf direkte Aufschlagpunkte erzielt hatte, war der Gegner am Boden. Und deren Libero Blair Bann sogar aus dem Spiel.

16.11.2014
  • moritz hagemann

Tübingen. Der erste Satz war gewiss nicht seiner. Tom Strohbach hatte Probleme, ins Spiel zu finden, leistete sich Fehler, die vom 22-Jährigen in dieser Saison bislang kaum zu sehen waren. Im dritten Durchgang, den der TVR ebenfalls klar abgab, das gleiche Bild. Doch plötzlich explodierte er, „einer der talentiertesten Außenspieler, die wir in Deutschland haben“, wie es Teamkollege Federico Cipollone ausdrückte.

Zunächst war etwas Glück dabei, ein Netzroller half. Dann brachten die Dürener manchmal zwar noch eine Hand dran, den Aufschlag aber nicht zurück. Und zwei Mal in der Serie von fünf Aufschlägen hintereinander klatschte der Ball direkt auf den rosaroten Boden der Paul Horn-Arena – fünf Aufschläge, fünf Punkte, fünf Mal Verzweiflung beim Gegner. Tom Strohbach hatte sich ein Herz genommen, etwas riskiert, eben das gemacht, „was Düren speziell im ersten Satz sehr gut gemacht hat“, sagte TVR-Libero Willy Belizer. Nämlich die Aufschläge flach und hart über das Netz gebracht und sich so schnelle, aber wertvolle Punkte erspielt.

Rottenburg setzte sich ab, die Halle tobte, Düren half auch eine Auszeit nicht. Der TVR spielte sich fast in einen kleinen Rausch, während den Dürenern nichts mehr gelang. „Diese Phase war ausschlaggebend“, befand auch Dürens Trainer Michael Mücke: „Wir hatten Schwierigkeiten das Tempo mitzugehen.“ Beflügelt vom Publikum, welches stand und Schals wedelte, dachten die Rottenburger weniger nach und konnten ihr Spiel durchziehen.

Dürens Libero sieht auf einem Auge nichts mehr

So auch Tom Strohbach. „Ich gönne ihm das ungemein“, sagte TVR-Trainer Hans Peter Müller-Angstenberger, der schon gemerkt hatte, dass sein Außenspieler etwas ins Grübeln gekommen sei. „Er hat sich komplett freigeschwommen“, bewertete Müller-Angstenberger die entscheidenden Szenen in jenem vierten Satz. So ähnlich lautete auch die Bewertung von Strohbach selbst, der sich darüber freute, dass der „Knoten einfach geplatzt“ sei. Er habe nicht eigens Aufschläge trainiert, „das kann ich eigentlich schon immer ganz gut“, schmunzelte der 22-Jährige.

Und als hätten die Aufschläge von Strohbach den Volleys aus Düren nicht schon genug weh getan, so wurde dessen Schmetterball zum 13:4 in Satz vier auch noch zum Knockout für Dürens Libero Blair Bann. Der Ball titschte auf und traf den kanadischen Nationalspieler im Gesicht. Der wirkte sichtlich benommen, wankte von Betreuern gestützt zunächst zur Bank, dann in die Kabine. „Er sieht auf einem Auge nichts mehr“, erklärte der Ex-Rottenburger Matthias Pompe, der sich wenig später das weiße Trikot überstreifte und den Dürener Libero gab (siehe Kasten). TVR-Libero Willy Belizer bewertete den Auftritt seines alten Teamkollegen in der ungewohnten Libero-Rolle durchaus positiv: „Ich habe keinen Qualitätsverlust festgestellt, als der eigentliche Libero ausfiel.“

Am Ende fragten sich viele Zuschauer in der Paul Horn-Arena eigentlich nur, warum nicht Strohbach von Dürens Trainer Mücke als bester Rottenburger ausgezeichnet wurde? Diesen Preis räumte Willy Belizer ab – aber Tom Strohbach konnte es verkraften: „Es ist doch ganz egal, wer die Goldmedaille abräumt, wichtig ist es nur, dass sie in unserem Team bleibt.“ Lob erhielt der ehemalige Hachinger und elfmalige Nationalspieler von allen Seiten, auch von seinem Mitspieler Federico Cipollone: „Tom war genau das, was wir gebraucht haben!“

Volleyball: Tom Strohbach gibt dem TVR im vierten Satz das entscheidende Momentum
Führte den TVR im vierten Satz: Tom Strohbach. Bild: Ulmer

Weil sich Blair Bann am Auge verletzte, musste Matthias Pompe mal wieder als Libero ran. In der Saisonvorbereitung hatte der 30-Jährige dies zuletzt getan, als sein Dürener Teamkollege Bann noch bei der Nationalmannschaft weilte. „Man muss in diese Position reinwachsen“, sagte Pompe, der zunächst ein paar Probleme hatte, sich dann aber steigerte. „Ich finde, dass er das gut gemacht hat“, sagte Dürens Trainer Michael Mücke über Pompes Auftritt. Der wiederum antwortete auf die Frage, warum ihn sein Trainer nach gutem Beginn im zweiten Satz schnell auf die Bank beorderte, mit: „Kein Kommentar!“ Mit seinem Kind auf dem Arm wirkte Pompe nach dem Spiel durchaus leicht angesäuert, da er auch betonte, dass er die Liberorolle gerne angenommen habe, „denn so habe ich immerhin gespielt“. Die Rückkehr nach Rottenburg (Pompe spielte von 2005 bis 2011 beim TVR) sei trotz der Niederlage ein tolles Gefühl gewesen: „Das hat unglaublich Spaß gemacht!“ Pompe bewertete die Entwicklung des TVR sehr positiv, denn „wenn man sich hier umschaut ist es toll, dass immer mehr Leute kommen“.

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16.11.2014, 12:00 Uhr

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