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Im Brennpunkt

Vollkommen verwandelt

Schmal, blass, zurückhaltend, in sich gekehrt - dieser Tage erlebt die Öffentlichkeit einen ganz anderen Guido Westerwelle. Früher war der Ex-FDP-Chef und Außenminister als Hansdampf in allen Gassen bekannt, ein bunter Hund mit viel Hang zu Arroganz und Großmäuligkeit.

14.11.2015
  • DIETER KELLER

Der Krebs hat ihn total verwandelt.

Seit der 53-Jährige im Frühsommer 2014 erfuhr, dass er an einer besonders aggressiven Form von Leukämie leidet, hat sich sein Leben völlig verändert. Politik, Macht und Ansehen sind nicht mehr wichtig, sondern das nackte Überleben und scheinbar kleine Dinge wie ein Sonnenaufgang oder die Blätter an den Bäumen, die sich in diesem Herbst besonders bunt färben.

Nur eines war ganz wie früher: Mit welcher Macht er - oder der Verlag Hoffmann und Campe - die Werbetrommel für sein Buch "Zwischen zwei Leben - Von Liebe, Tod und Zuversicht" gerührt haben, in dem er sich seine Erfahrungen von der Seele geschrieben hat. Musste es wirklich so laut sein? Erst die "Bild"-Zeitung mit einem Vorabdruck samt Selfie während der Chemotherapie. Dann der "Spiegel" mit einem episch langen Interview samt Titelbild. Eine Präsentation im Berliner Ensemble, wobei auffiel, dass zur gleichen Zeit nur wenige hundert Meter entfernt die FDP in ihrer Parteizentrale einen "Freiheitskonvent" durchführte. Rücksichten nimmt er da offenbar nicht mehr. Schließlich Günther Jauch, der seine Talkshow in der ARD nur ihm widmete. Eigentlich soll sie ja eine politische Talkshow sein. Doch genau dazu äußerte sich Westerwelle mit keinem Wort. Er hat verständlicherweise andere Sorgen.

Im Buch ist das etwas anderes. Das beginnt mit seinem ersten Leben in der Außenpolitik und seinen Erfahrungen im Umgang mit seiner Homosexualität. Weniger dafür bekam er viel Lob von den Kritikern als für die Schilderung seiner Erfahrungen mit der Leukämie und ihrer Behandlung, mit Erfolgen, Rückschlägen und Freundschaften.

So ganz hat Westerwelle das Sendungsbewusstsein nicht verloren. Warum sonst hätte er sein Tagebuch - mit Unterstützung eines Journalisten - zu einem Buch verarbeitet. Das mag manchem Mut machen, der selbst in die Situation kommt. Und es ist eine Werbung dafür, sich als Knochenmark-Spender registrieren zu lassen.

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14.11.2015, 12:00 Uhr

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