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Superklicks für Supergeil vom Superstar aus Hirschau

Vom Abiball ins Weltall - ein Video macht die Runde

„Supergeil“, dieses Wort hat der Berliner Künstler Friedrich Liechtenstein neu erfunden. Jetzt hat die Region auch ihren ganz eigenen Liechtenstein-Darsteller: Er heißt Martin Sack-Duvernoy, wohnt in Hirschau und ist der Protagonist eines Videos, das eigentlich für den internen Schulgebrauch gedacht war und nun auf fast 400 000 Klicks im Netz kommt.

11.07.2014
  • Ulla Steuernagel

Vom Abiball ins Weltall - ein Video macht die Runde

Hirschau. Es begann damit, dass das Duo Der Tourist seinen Elektropophit „Supergeil“ zur allgemeinen Verwendung freigab. Das Goldberg-Gymnasium in Sindelfingen wurde nun damit berühmt und sein Lehrer Martin Sack-Duvernoy zum Star. Und zwar nicht nur für die von Popkünstler Andy Warhol prognostizierten 15 Minuten, die jeder es mal sein könne. Sack ist schon seit dem 28. Juni, dem Abiball an seiner Schule, ein Star.

Vom Abiball ins Weltall - ein Video macht die Runde

Da nämlich war Premiere des Videos „Supergeil“, das die beiden Abiturientinnen Melanie Schray und Nina Stratil sich ausdachten und zusammen mit dem Zehntklässler Oliver Weiss produzierten. Kameramann Weiss konnte für den Schnitt ein Stuttgarter Filmstudio in Anspruch nehmen, weil er dort gerade zum Praktikum war.

Seit dem Abiball macht das Video die Runde. Nicht nur im Netz, auch die Medien geben sich im Goldberg-Gymnasium die Klinke in die Hand. Außer den lokalen Zeitungen waren auch schon „Bild“ und „Stern“ zur Stelle. Der SWR rückte mit Filmteam an, das Radio war vor Ort, alle Welt interessiert sich für den Abigag.

Dabei ist der Film eigentlich eine Dokumentation grauen schulischen Alltags. Der Kunstlehrer wandert vom „Superparkplatz“ zum „Superaltbau“, über die „Supertreppe“, wird mit kreiselndem Band „supersportlich“, öffnet ein „Supermäppchen“ mit „Superfüller“ und „Superkiller“ und findet eben alles „supergeil“. Während er durch einen typisch kalten Schulflur tänzelt, schwärmt er von „Superlehrer“, auf dem Jungsklo lobt er zwei Mädchen: „Superschüler“. Seinen Höhepunkt erlebt das Dreieinhalb-Minuten-Werk mit der Feier technischer Fossile: „sehr, sehr geiler Tageslichtprojektor“, singt Sack und auch das einfallende Licht ist „sehr sehr geil“.

Vom Abiball ins Weltall - ein Video macht die Runde

Stimmlich und optisch ist der Hirschauer mit seiner speziellen Mischung aus markant tiefem Sprechgesang und minimalistischen Ausdruckstanz ein sehr sehr gut gecastetes Liechtenstein-Double. Der Song ist eine liebevolle Vergackeierung der Schule, mit viel Ironie und leichter Hand produziert.

Vom Abiball ins Weltall - ein Video macht die Runde

„Das war eine Sternstunde“, sagt Sack-Duvernoy. Der Streifen wurde in denkbar kurzer Zeit und mit nur wenigen Takes gedreht. Er selber ist zwar der Protagonist des Videos und er steuerte als Requisite seine einzige Krawatte (mit Blumendekor) bei. Idee, Text und Regie lagen jedoch in den Händen der Abiturientinnen Melanie Schray und Nina Stratil. Die beiden hatten sich den Songtext in einer Abendsession ausgedacht.

Er macht nur den Tanzbär

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Der Lehrer zögerte nicht lange, als die Schülerinnen ihm ihr Projekt vorstellten. Vermutlich habe seine markante Stimme gezogen, so der 62-Jährige, der seine darstellerischen Fähigkeiten eher bescheiden einschätzt: „Man kann viel viel besser tanzen als ich! Ich mach nur den Tanzbär.“

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Doch wie Vormacher Liechtenstein überzeugt auch Lehrer Sack-Duvernoy mit Bühnen- oder besser Videopräsenz. Zwar sei er über sein „beträchtliches Gewicht“ nicht gerade glücklich, so verrät der Lehrer, aber eins bereite ihm niemals Kopfschmerzen: „Mit Sich-Trauen habe ich keine Probleme!“

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Den Ruf, ein cooler Lehrer zu sein, hat der Hirschauer an seiner Schule ohnehin weg. Sein Credo für den Unterricht kommt seinem „Supergeil“-Auftritt sehr nahe: „Bleib authentisch“, sage er sich. Er will sich nicht verbiegen, macht nicht den Schmuselehrer. Nicht immer komme das nur gut bei den Schülern an. Wenn Schüler das Fach Kunst nicht ernst genug nähmen, der Lärmpegel in der Klasse steigt, dann verstehe er keinen Spaß. „Ich schrei auch mal herum.“

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Andererseits zeigt er sich offen gegenüber den Gedanken und Ideen seiner Schüler. „Ich habe schon ganz oft von Schülern gelernt“, sagt er. Den Kunstzug des Gymnasiums machen meist Mädchen, was Sack-Duvernoy auch recht ist. „Die Mädchen sind meist offener, nicht so zielgerichtet wie die Jungen.“

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Ein wenig befremdlich ist es für ihn schon, dass das Video so viel Furore macht, während andere Projekte der Schule („Wir sind eine gute Schule!“), die es seiner Meinung nach noch mehr verdient hätten, im Dunkeln bleiben. Aber er würde lügen, wenn er nicht zugäbe, dass er die unerwartete Aufmerksamkeit nicht auch genießt.

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11.07.2014, 12:00 Uhr

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