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Vom Azubi zum Teamleiter
Eric Schweitzer, Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, hat Sebastian Maar (li.) in Berlin jüngst als einem der besten Azubis einen Pokal überreicht. Der 25-Jährige arbeitet als Sicherheitskraft bei einer Winterbacher Firma. Foto: DIHK/Jens Schicke
Ausgezeichnet

Vom Azubi zum Teamleiter

Die Stuttgarter IHK würdigt ihre besten Absolventen mit einem „Walk of Fame“. Sebastian Maar gehört zu den ersten, die einen Stern erhalten.

14.12.2016
  • UWE ROTH

Stuttgart. Die Sicherheitsbranche hat nicht unbedingt den besten Ruf. Sebastian Maar könnte das ändern. Ihn kann man sich als Botschafter seines Berufsstands vorstellen, der in Veranstaltungen Überzeugungsarbeit leistet, obwohl er erst am Anfang seiner Karriere steht. Wenn er voller Begeisterung über seine Ausbildung zur Fachkraft für Schutz und Sicherheit berichtet, ist man am Ende überzeugt, dass er den für sich spannendsten Beruf der Welt gewählt hat.

Und man hat nach dem Gespräch mit dem 25-Jährigen verstanden, dass dieser Beruf eine Menge Sachverstand abverlangt und nicht nur eine Eselsgeduld, wenn man nächtelang Wache an einem Werkstor schiebt. „Schutz und Sicherheit umfassen so viele Dinge, das glaubt man gar nicht“, kürzt er die Aufzählung der wichtigsten Themen seiner Ausbildung ab. Auszubildende betrachten die Berufsschule oftmals als notwendiges Übel. Nicht so Sebastian Maar. Der berufsbezogene Unterricht in der Max-Eyth-Schule am Rotebühlplatz in Stuttgart war für ihn total spannend, betont er. „Was ich über Sicherheitstechnik erfahren habe, fand ich hoch interessant. Manches war schon fast Science Fiction.“ Vieles davon habe er in seinem Ausbildungsbetrieb unmittelbar praktisch umsetzen können. Seine Zufriedenheit ist zugleich ein Loblied auf die duale Ausbildung.

Seine Begeisterung hat ihn zu schulischen Höchstleistungen angetrieben. Im Abschlusszeugnis der Berufsschule erreichte der 25-Jährige 99 von 100 Punkten. Mit dieser Note wurde er bereits auf Landesebene ausgezeichnet. Nun folgte in Berlin die nationale Bestenehrung durch den Deutschen Industrie- und Handelstag (DIHK), der den Backnanger mit einer Urkunde und einem Pokal auszeichnete Bundesministerin Manuela Schwesig (SPD) hielt die Festrede. Insgesamt 219 Bundesbeste, davon vier aus der Region Stuttgart, standen auf der Bühne und wurden von den Arbeitgebern als Hoffnungsträger bezeichnet. Über junge Menschen, die sich während einer Ausbildung schwertun und kaum motivieren lassen, wird ansonsten mehr berichtet. Da war diese Veranstaltung Balsam auf der Seele der Ausbilder.

Die IHK Region Stuttgart will es deshalb mit der Auszeichnung in Berlin nicht bewenden lassen. An diesem Freitag weiht sie ihren eigenen „Walk of Fame“ nach dem Vorbild Hollywoods vor der Zentrale in der Jägerstraße ein. Sebastian Maar und seine drei Mitstreiter aus der Region erhalten dort die ersten Sterne, die ins Pflaster eingelassen werden. Im Laufe der Jahre soll laut IHK eine Sternen-Strecke entstehen, die die besonderen Leistungen der Auszubildenden dokumentiert und auf die Bedeutung der dualen Ausbildung und des Engagements der Betriebe hinweist.

Sebastian Maar brauchte ein paar Jahre, um seinen Traumberuf über Umwege zu finden. Nach der Mittleren Reife besuchte er in Backnang die Anna-Haag-Schule, um im Bereich Gesundheit und Pflege die Fachhochschulreife zu erhalten. Mit dieser ging er als Sanitäter zwei Jahre zur Bundeswehr. Dauerhaft, wie er vorhatte, kam er dort allerdings nicht unter. Anschließend sattelte er komplett um und begann ein Studium der Medieninformatik. Nach zwei Semestern brach er das jedoch ab, weil er merkte, „es war nicht wirklich das, was ich die nächsten 40 Jahre machen will“.

Sicherheit sei ihm schon als Kind irgendwie wichtig gewesen, erinnert sich der junge Mann. An Fasching war er gern Polizist. Auch bei der Bundeswehr hat ihn das Wacheschieben nicht genervt wie viele seiner Kameraden. Also folgte die Ausbildung zur Fachkraft für Schutz und Sicherheit. Diese absolvierte Maar in Windeseile und stieg danach gleich auf: Maar ist bei der Firma WSD Security in Winterbach (Rems-Murr-Kreis) Objektleiter Werkschutz. 15 Beschäftigte hat er unter sich. Die meisten dürften älter als er sein. Gemeinsam betreuen sie einen Industriebetrieb – rund um die Uhr. Gemeinsam bedeutet für den 25-Jährigen auch gemeinsam. Der junge Teamchef schreibt nicht nur Dienstpläne und Dienstanweisungen, sondern übernimmt auch selbst Dienste, egal ob tagsüber oder nachts. Ohne die Außeneinsätze wäre er wahrscheinlich weniger zufrieden. Langeweile kenne er nicht, auch nicht in den stillsten Nächten. „Grundsätzlich muss ich davon ausgehen, dass etwas passieren kann“, sagt er.

Bei aller Zufriedenheit, etwas Grundlegendes stört Maar dann doch: die Bezahlung. 15 Euro die Stunde sind es für eine Fachkraft wie ihn. 9,74 Euro bekommen die einfachen Wachleute. Maar gibt nicht seinem Arbeitgeber die Schuld, sondern der mangelnden Bereitschaft von Auftraggebern, die Dienstleistungen angemessen zu bezahlen. „Sicherheit wird von den Firmen als reiner Kostenfaktor betrachtet. Doch Prävention kann man nicht allein an Zahlen bemessen“, sagt er. Auf Fremdes aufzupassen, sei nur ein Teil des Geschäfts. Maar sieht sich vor allem als Berater für Sicherheitskonzepte.

Rizziero Rizzo, der für Maars Ausbildung zuständig war, ist das Engagement seines Schützlings manchmal fast zu viel: „Ich habe ihm gesagt, er soll mal einen Gang zurückschalten und sich mehr um sein Privatleben kümmern, vielleicht auch über eine Familie nachdenken. Er hat geantwortet: Dafür habe ich keine Zeit.“

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14.12.2016, 06:00 Uhr

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