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Blaualgen im Baggersee

Vom Baden wird derzeit abgeraten – Landratsamt warnt vor Cyanobakterien

Wenn am Wochenende die Baggersee-Badegäste-Welle aus Stuttgart anrollt, werden etliche verschwitzte Großstädter in Kirchentellinsfurt sicher enttäuscht beidrehen: Vom Baden wird derzeit eher abgeraten. Gelbe Warnzettel hängen an den Schildern. Blaualgen haben sich am Seeufer breit gemacht.

08.08.2015
  • Ernst Bauer

Kirchentellinsfurt.Nicht der ganze Baggersee – immerhin 1,2 Kilometer lang und bis zu 250 Meter breit – ist betroffen. Badestellen mit „sichtbarem Blaualgen-Befall“ sollten aber auf jeden Fall gemieden werden, heißt es in einer Pressemitteilung, die gestern das Landratsamt herausgab. „Säuglinge und Kleinkinder sollten grundsätzlich nicht im Baggersee baden“, so Gabriel Wehle vom Öffentlichkeitsreferat. Wenn jemand Haut- oder Schleimhautrötungen habe oder Reizungen spüre, werde empfohlen, das Wasser sofort zu verlassen.

Bei den regelmäßigen Messungen, den Untersuchungen der Wasserqualität im Baggersee wurden die Übeltäter entdeckt: Cyanobakterien, auch Blaualgen genannt. Eine mikroskopische Untersuchung und eine Microcystinbestimmung bestätigten ein „vermehrtes Wachstum“ dieser Bakterien im Uferbereich – „jahreszeitlich bedingt“. Die anhaltende Hitze und Trockenheit haben die im Sommer eh meist vermehrten Blaualgen offenbar noch mehr ins Kraut schießen lassen. „Eine weitere Vermehrung“ sei jedenfalls nicht auszuschließen, heißt es in der landratsamtlichen Pressemitteilung. Einige Gattungen der Cyanobakterien könnten unter bestimmten Voraussetzungen auch Toxine bilden, giftige Substanzen. Im Moment liege der Toxingehalt allerdings noch nicht in einem kritischen Bereich, so Landratsamtssprecher Wehle.

Weitere Untersuchung kommenden Montag

Kommenden Montag, 10. August, ist eine weitere Untersuchung des Badewassers vorgesehen. Je nach Ergebnis will man entscheiden, ob „gegebenenfalls weitere Maßnahmen“ nötig sind. Vorerst hat es das Landratsamt „nur“ bei seiner Warnung vor dem Badebetrieb belassen und entsprechende Hinweise am See anbringen lassen.

Es sei bisher, so bestätigte gestern Rainer Waidmann, Leiter der Abteilung Gesundheit im Tübinger Landratsamt, „keine dramatische Geschichte“ – die dann etwa auch Tag- und Nachtbereitschaft erfordere. Es sei eine Vorsichtsmaßnahme, noch keine Gefahrenabwehr. „Man warnt vorsorglich.“ Der Experte klärte bei der Gelegenheit auch gleich darüber auf, dass es sich bei diesen so genannten „Blaualgen“ um keine Algen im landläufigen Sinn handelt. „Sie werden nur so bezeichnet wegen der Blaufärbung – es sind Bakterien.“ In der Bodensee-Gegend habe es am vorgelagerten kleinen Böhringer See bei Radolfzell mehrere Jahre Probleme mit diesen Cyanobakterien gegeben.

Hier am See ist die Algenblüte eher selten

Am Baggersee in Kirchentellinsfurt seien sie bisher nur vereinzelt aufgetreten. Zuletzt habe man hier 2011 eine „Algenblüte“ erlebt, seither nicht mehr. Es habe damals auch niemand gesundheitliche Schäden erlitten. Waidmann bestätigt auch, dass der Baggersee zuletzt immer relativ gute Werte bei den regelmäßigen Messungen aufwies: „Die Wasserqualität ist gut – nur bei so extremer Wettlage wird das Algenwachstum gefördert.“

Vom Baden wird derzeit abgeraten – Landratsamt warnt vor Cyanobakterien
Einer der gelben Warnschild-Hinweise am Kirchentellinsfurter Baggersee – eigentlich nicht zu übersehen.Bild: Sommer

Der Kirchentellinsfurter Baggersee ist durch den Kiestagebau der Firma Epple in den Jahren 1929 bis 1984 entstanden. Rund 100 000 Besucher auch aus dem Großraum Stuttgart strömen jedes Jahr an den See zum Baden, Angeln, Surfen und Segeln.
Die Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz (www.lubw.baden-wuerttemberg.de) informiert laufend über die Qualität der Badegewässer. Der Kirchentellinsfurter Baggersee bekam in den letzten vier Jahren „ausgezeichnete Qualität“ attestiert, ebenso der Hirschauer Baggersee. Die aktuelle Algenwarnung ist in der langen LUBW-Liste von Seen auch schon drin.

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08.08.2015, 12:00 Uhr

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