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Vom Drachen zum Roboter
Cécile B. Evans arbeitet in „Sprung a Leak“ mit humanoiden Robotern. Foto: Maximilian Geuter
Ausstellung

Vom Drachen zum Roboter

28 Künstlerinnen und Künstler zeigen im Münchner Haus der Kunst Werke unter dem Titel „Blind Faith“. In Wahrheit geht es um den Körper.

15.03.2018
  • LENA GRUNDHUBER

München. Na gut, irgendeinen Titel braucht es wohl. Warum nicht den: „Blind Faith“ klingt nach Fake News und Digitalzeitalter und also hinreichend kritisch. Dazu der herrlich verwaschene Untertitel „Zeitgenössische Kunst zwischen Intuition und Reflexion“ – wir raten: Vergessen Sie sofort Titel und Untertitel, gehen Sie los und schauen sich die neue Ausstellung im Münchner Haus der Kunst einfach an. Die kann wunderbar selbst erklären, worum es ihr geht: in erster Linie und im weitesten Sinne um den Körper.

Als Körpererfahrung ist ja bereits, und zwar wirklich toll, der Eintritt in die Schau inszeniert. Mariechen Danz' Rauminstallation „Womb Tomb“ hüllt den Besucher in ein warmes, mildes Licht, als schwimme er in einer Gebärmutter. Drumrum hängt Danz Organe an die Wand – unhierarchisch ungeordnet und durch ein eigenes Zeichen-System in einen neuen, provisorischen Zusammenhang gebracht.

Soziologie und Selbsterfahrung

Das packt unmittelbar an den Eingeweiden und erinnert daran, unbedingt noch einmal den Besuch der Kiki-Smith-Retrospektive im ersten Stock desselben Hauses zu empfehlen. Denn die 28 vergleichsweise jungen internationalen Künstlerinnen und Künstler, die hier im Erdgeschoss präsentiert werden, stehen auch auf den Schultern feministischer Riesinnen wie Kiki Smith oder Louise Bourgeois.

Davon kündet schon Nicholas Hlobos langer Tatzelwurm im schwarzen Gummischlauch, der sich subversiv durch die große Halle des faschistischen Monumentalbaus auf dem Boden windet. Irgendwo zwischen Schlauchboot, Fitnessgerät, Darm und Drache bewegt sich das Monstrum – uneindeutig, aber assoziations- schwanger. Das passt zu den daneben hängenden Gemälden Benedikt Hipps, der aus der Kombination schillernder Farbflächen und sedimentärer Faltenköpfe neue Wesenheiten erstehen lässt. Oder zu Wangechi Mutu, deren Fabelwesen aus afrikanischem Mythos und moderner Science Fiction collagiert scheinen. Letztere ist übrigens schon dabei, Realität zu werden: Cécile B. Evans erzählt ihre Story mit humanoiden Robotern.

Die Ausstellung geht der Selbsterfahrung im Kollektiv-Rausch (Jeremy Shaw) nach, bei der Masturbation (Andrea Éva Györi), in der Musik (David Zink Yi) und ja: auch in pervertierter Form als terroristisches Selbstmordattentat (Raphael Sbrzesny). Die Spannweite geht vom soziologisch reflektierten Blick Kader Attias auf die kulturell verschiedenen Beurteilungen dessen, was als psychisch krank gilt, bis hin zu den bunt leuchtenden Felsbrocken von Naufus Ramírez-Figueroa. Die nehmen zwar mal explizit Bezug auf krude Theorien, abzüglich dieser Erklärung wirken sie aber wie aus dem mineralogischen Kindermuseum.

Man kann sich gruseln auf Jon Rafmans Horrortrip durchs Innere, und man kann bei Ed Atkins lernen, wie Videoinstallation richtig geht. Er lässt einen Avatar den Flughafen-Sicherheitscheck durchlaufen. Schlotternd zieht sich der Mann das Gesicht ab, um den „Safe Conduct“ zu gewährleisten, Körperteile fallen in die Hartplastikschale und werden durch den Scanner gezogen, bis das Flugzeug zum ohrenbetäubenden „Boléro“ abhebt – ein Sound, der einen bis draußen vors Museum verfolgen wird. Und noch ein Stückchen weiter.

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15.03.2018, 06:00 Uhr

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