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Kommentar

Vom Machtkampf zur Gestaltung

Roberto Nedorna, der Stimmenkönig im neuen Vorstand des Tübinger Handel- und Gewerbevereins, ist mit einer bewundernswerten positiven Weltsicht ausgestattet. „Ein verständliches Bedürfnis, noch mehr mitzugestalten“ sei der Antrag von Einzelhändlerin Sabine Lüllich gewesen, mit einer Satzungsänderung den Vorstand zu entmachten. Es ehrt den frisch Gewählten, dass er auf Ausgleich bedacht ist. Doch einen Richtungskampf kann und sollte man auch als solchen benennen.

25.10.2012
  • Gernot Stegert

Natürlich war der Antrag ein Misstrauensvotum gegen die anderen beiden HGV-Vorstände, Christian Riethmüller und Jörg Romanowski, und gegen deren angekündigte Verkehrswende. Sonst hätte die CDU-Stadträtin nicht ausgerechnet Verkehrsthemen als besonders wichtige Punkte genannt. Ein Richtungskampf ist ja auch nichts Ehrenrühriges. Es ist völlig legitim, seine Interessen zu vertreten. Auch Emotionen sind nachvollziehbar, wenn es um die Zukunft der eigenen beruflichen Existenz geht. Aber: Es kommt wie schon bei der Plakataktion der Altstadt-Initiative auf die Form an. Lüllich hielt gegen den Rat des HGV-Anwalts und gegen eine ausdrückliche Stellungnahme des alten Vorstands und Beirats an ihrem Antrag fest. Sie hätte auch selbst kandidieren können. Nun sollte sie beherzigen, was sie gesagt hat: „Die Sache ist entschieden, das ist Demokratie.“ Oder mit den Worten Nedornas: „Alle sollten jetzt an einem Strang ziehen.“ Das wollen auch Riethmüller und Romanowski. Gute Voraussetzungen dafür, dass der Handel- kein Händelverein wird. Das ist wichtig. Denn Einzelhändler und Einkaufende, Einwohner und Einpendler haben ein Interesse daran, dass die außergewöhnlich große Vielfalt der Tübinger Geschäftswelt erhalten bleibt.

Der erste Teil der HGV-Versammlung bietet reichlich Anknüpfungspunkte. Da belegte Professor Dennis De, dass der Grund für Umsatzrückgänge die Onlinekonkurrenz ist und nicht der fehlende Autoparkplatz. Gleichwohl muss eine Innenstadt mit allen Verkehrsmitteln zu erreichen sein, auch mit dem Pkw. Für Tübingen bedeutet das konkret: mehr Parkhäuser am Rand und Busse ins Zentrum. Die (Kompromiss-)Lösungen liegen längst auf dem Tisch, man muss nur die alten Frontstellungen von Autofreund und -feind verlassen und hinschauen. Vor allem aber schadet die Fixierung auf Verkehrsthemen allen.

Die Stadtverwaltung hat mehrfach beteuert, den Verkehr so zu beruhigen, dass es dem Handel nutzt, und den Europaplatz so zu gestalten, dass es der Altstadt nicht schadet. Die Mehrheit der HGV-Mitglieder nimmt diese ausgestreckte Hand an, die übrigen sollten es auch tun. Das schließt mit ein, der Politik weiter kritisch auf die Finger zu sehen. Die Chancen aber, Tübingen zu gestalten, sind so gut wie lange nicht mehr. Das ist nicht bloß für Positivdenker Grund zur Zuversicht.


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