Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Vom Pegida-Redner zum mutmaßlichen Bombenleger
Spuren der Explosion an der Dresdner Fatih Camii Moschee. Foto: dpa
Dresden

Vom Pegida-Redner zum mutmaßlichen Bombenleger

Die Polizei hat einen Verdächtigen festgenommen, der Ende September zwei Sprengsätze gezündet haben soll. In Sachsens Landeshauptstadt kennt man ihn als Demonstrationshetzer.

10.12.2016
  • MARTIN FISCHER, DPA

Dresden. Im Fall der Sprengstoffanschläge gegen eine Moschee und das Kongresszentrum in Dresden hat die Polizei einen Verdächtigen gefasst. Die Ermittler nahmen einen 30 Jahre alten Mann aus Dresden fest, wie das Operative Abwehrzentrum (OAZ) und die Generalstaatsanwaltschaft am Freitag mitteilten.

Die Beweise wiegen schwer: Laut Staatsanwaltschaft belasten ihn DNA-Spuren, bei Durchsuchungen seien zudem Gegenstände sichergestellt worden, mit denen sich Brand- und Sprengsätze herstellen ließen. In Hessen auf Montage festgenommen, sitzt der Tatverdächtige nun in Untersuchungshaft. Verantworten soll er sich wegen des „Herbeiführens von Sprengstoffexplosionen“. Auch eine kurz vor den Einheitsfeiern gefundene Bombenattrappe soll er gelegt haben. „Wir gehen davon aus, dass er allein gehandelt hat“, sagt Oberstaatsanwalt Wolfgang Klein. Hinweise auf Helfer oder eine Gruppenzugehörigkeit gebe es nicht.

Wie das OAZ bestätigte, trat der 30-Jährige als Redner bei Pegida in Dresden auf. „Wir haben davon auch Kenntnis“, sagte Behördenchef Bernd Merbitz, ohne Details zu nennen. Ein Mitschnitt steht im Internet. Er „gehöre laut ,Spiegel' zum harten Kern der Pegida“, sagt der damals 28-Jährige darin sichtlich stolz vor rund 2500 vor ihm versammelten Menschen auf dem Dresdner Altmarkt. In einem von ihm verlesenen Brief wendet er sich an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU): „Sie lassen kriminelle Ausländer Drogen verkaufen. Sie lassen faule Afrikaner, anstatt ihre Länder aufzubauen, unsere Sozialkassen plündern“, poltert er. Der Islam sei die „größte Massenvernichtungswaffe“. Schon damals droht er mit Gewalt: „Wenn Sie wollen, dass es in Deutschland und in Europa zum Bürgerkrieg kommt, dann machen Sie nur so weiter. Aber dann Gnade Ihnen Gott, denn von uns werden Sie keine Gnade erhalten.“

Pegida-Chef Lutz Bachmann geht am Freitag auf Distanz. „Wenn er es war, dann bitte einsperren und Schlüssel wegwerfen“, schreibt er bei Facebook - aber nicht, ohne die Tat zu relativieren: „Egal ob da nur etwas Ruß an die Wand geschmiert wurde oder ein Böller gezündet!“

In der Fatih Camii-Moschee im Stadtteil Cotta bereitet sich Imam Hamza Turan auf das Freitagsgebet vor, als Reporter ihn umlagern und wissen wollen, was er von der Festnahme hält. Glücklich sei er, lässt er von einem per Handy zugeschalteten Dolmetscher aus dem Türkischen übersetzen.

Viel mehr will Hamza Turan zu dem Vorgang nicht sagen. Zu viele Anfeindungen habe er erleben müssen, als er sich öffentlich zeigte, nachdem Ende September der Sprengsatz vor der Tür explodiert war, hinter der er mit seiner Frau und den beiden Söhnen lebt. Und nicht nur gegen ihn: Auch sein Sohn werde deshalb in der Schule gemobbt.

Martin Fischer, dpa

Kommentar

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

10.12.2016, 06:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball