Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Ganz unten

Vom Picknick und seinen Folgen

Neulich beobachtete ich, wie ein junger Mann auf dem Platz am Straßenrand einen Papierkorb suchte, um eine Lebensmittelverpackung loszuwerden. „Aber nicht hier!“, werden Sie spontan sagen. Richtig. Es war in Frankreich. Wir sahen dort noch mehr Menschen, die sich so verhielten.

20.08.2012

Franzosen machen bekanntlich gern Picknick. Wir fuhren quer durchs Land an den Atlantik und zurück fast ganz ohne Autobahn. Picknick-Plätze gibt es neben den Straßen, an Raststätten, an den Dorfrändern, an Fluss- und Seeufern. Mit reichlich festen Tischen und Bänken. Es ist lustig zuzusehen, wie französische Familien ihr Picknick vorbereiten. Ohne Tischdecke geht nichts. Und nichts geht mittags ohne die Flasche Wein mit auf dem Tisch. Aber es geht, ohne dass die Picknicke die Stätte ihrer kulinarischen Rast zurücklassen, als wäre ein Gelber Sack geplatzt.

Häufig fand ich es übertrieben, wie blumenbunt sich viele französische Gemeinden herausgeputzt haben. Da wachsen zwischen Straße und Gehweg sogar edle Lilien! Wenn Sie unter „ville fleurie“ in Google mal bei den Bildern nachsehen, verstehen Sie, was ich meine. Gänzlich ungewohnt war für uns, dass sich weder zwischen den Stauden noch auf dem gepflegten Rasen noch neben dem Bordstein Becher, Behälter, Büchsen, Flaschen fanden.

Weshalb ist das so? Und weshalb breiten sich überall dort, wo Autos eine Weile anhalten müssen, vor Ampeln oder Schranken, nicht auch Halden von Zigarettenkippen aus am linken Fahrbahnrand? Und das in dem Land, das mich einst mit Gitanes und Gauloises päppelte? Da lob’ ich mir doch meine Heimat, wo an jedem Taxistand mehr Kippen liegen als dort in einer ganzen Kleinstadt.

Hätte ich gewusst, dass ich dieses ÜBRIGENS schreibe, wäre ich auch mal mit zwei, drei französischen Vorort-Zügen gefahren. Nach Bordeaux rein oder nach Poitiers oder nach Bayonne. Nach all dem, was ich sonst in der Gegend beobachtet habe, fürchte ich, dass die Nachbarn nicht die innere Abgeklärtheit besitzen, ihre Croissants auf die Sitzplätze zu krümeln, Butter und Marmelade in die Polster zu schmieren und den Café au lait zu verschwappen.

Der französische Nachwuchs, das war eine überraschende Erfahrung, ist noch nicht so weit wie der hiesige, eigene Beiträge zur Urbanität zu liefern. Weder fanden wir fettdurchtränkte, halbleere Pizzaschachteln auf Treppen, Mauern und sonstigem städtischen Mobiliar noch zerlatschte Patates frites auf dem Asphalt. Von zersplitterter Flaschen als Nachweis souveräner Gestik ganz zu schweigen.

Dass wildfremde Menschen uns im Restaurant grüßten, dass uns junge Menschen auf dem schmalen Gehweg Platz machten – ich könnte noch mehr solcher seltsamen Urlaubserlebnisse aufzählen. Sie belegen nur, wieviel moderner Deutschland doch ist.

Das kommt von der Dressur. Sagte ein Kollege. In Frankreich würden junge Menschen nicht erzogen, sondern dressiert.

Hmm. Gert Fleischer

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

20.08.2012, 12:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Wirtschaft im Profil

Die aktuelle Ausgabe unseres Business-Magazins Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball