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Vom Überleben in Gaziantep
Syrische Flüchtlinge in Gaziantep: In der türkischen Stadt wird am Samstag Angela Merkel erwartet. Foto: dpa
Die Provinz in der Südosttürkei beherbergt hunderttausende Syrer

Vom Überleben in Gaziantep

Kanzlerin Merkel reist am Samstag in die Türkei - aber nicht in die Machtzentralen Istanbul oder Ankara, sondern nach Gaziantep. Dort kämpfen syrische Flüchtlinge mit den Folgen des Krieges in ihrer Heimat.

22.04.2016
  • CAN MEREY, DPA

Gaziantep. Der "Wolken-Markt" in der südosttürkischen Stadt Gaziantep ist ganz auf die Bedürfnisse von Syrern ausgerichtet. Die meisten Kunden sind Flüchtlinge aus dem nahen Nachbarland. In dem Gemischtwarenladen gibt es Wasserpfeifen ebenso wie spezielle Sesamkörner und arabisch beschriftete Brühwürfel. Das Geschäft laufe schlecht, sagen die ebenfalls syrischen Verkäufer - was nicht am Mangel an Flüchtlingen liegt, sondern an deren Mangel an Geld.

Bundeskanzlerin Angela Merkel will am Samstag Gaziantep besuchen. Jeder im "Wolken-Markt" hat davon schon gehört. Die vier Angestellten in dem Laden wissen auch Bescheid über den Flüchtlingspakt der EU mit der Türkei, der Menschen wie ihnen den Weg nach Europa versperren soll. Kritik oder Wut darüber äußert keiner der resigniert erscheinenden Syrer. Aber an die große Wirkung glauben sie auch nicht, selbst wenn derzeit deutlich weniger Flüchtlinge auf den griechischen Inseln ankommen.

"Viele Leute warten in Izmir darauf, einen Weg zu finden, um nach Deutschland und Europa zu kommen", sagt der 24-jährige Mohammed Dibo. "Sie werden nicht aufgeben. Sie werden Schmugglern mehr Geld zahlen." Dibos Vater hat es noch vor dem Deal nach Deutschland geschafft. Wo der Vater jetzt lebe? "Hertha Berlin", sagt Dibo.

Die Geschichten, die in dem Markt erzählt werden, zeugen von dem Drama, das der nicht endende Krieg über die Menschen gebracht hat. Doch nicht nur ihre persönlichen Tragödien müssen die Syrer in Gaziantep bewältigen, sondern auch das tägliche Überleben. Viele klagen, dass es immer schwerer werde, von den Behörden das "Ausweisdokument zum temporären Schutz" zu bekommen - und dass Mittelsmänner Geld verlangten, um dabei zu "helfen". Mit diesem Ausweis sind Syrer offiziell registriert. Nur dann können sie sich kostenlos medizinisch behandeln lassen und Kinder zur Schule schicken.

Registrierte Syrer können inzwischen eine Arbeitserlaubnis beantragen, die Hürden sind aber extrem hoch. Die meisten Flüchtlinge halten sich daher mit Schwarzarbeit über Wasser. Das dulden die Behörden, die Bezahlung ist aber oft minimal. Gleichzeitig sind in Gaziantep die Mieten durch den Flüchtlingszuzug stark gestiegen.

Auf knapp zwei Millionen Türken in der Provinz kommen derzeit mindestens 340 000 syrische Flüchtlinge, von denen nur 50 000 in Camps leben. Es gibt Spannungen, aber die Solidarität der Türken mit den Syrern überwiegt. "Es ist schwierig für uns", sagt die Türkin Inci Kilinc, die einen Frisiersalon betreibt. "Aber ich weiß, dass es auch für sie schwierig ist. Man muss ihnen helfen." Im "Wolken-Markt" weiß man dies zu schätzen. "Nicht einmal die Araber haben ihre Türen für uns geöffnet", sagt Verkäufer Mohammed Sahid. "Aber die Türken haben uns aufgenommen." Der Mann aus Aleppo will weder in der Türkei bleiben noch in die EU fliehen. "Ich will zurück nach Hause."

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22.04.2016, 06:00 Uhr

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