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Vom Zorn der Straße aus dem Amt gefegt
Islands Ministerpräsident Sigmundur David Gunnlaugsson will zurücktreten. Foto: afp
Sigmundur David Gunnlaugsson

Vom Zorn der Straße aus dem Amt gefegt

Die Wut der Menschen war zu groß: Einst gewählt als Kämpfer gegen Ungerechtigkeit konnte sich Islands Regierungschef nicht im Amt halten.

06.04.2016
  • DPA

Es waren die größten Proteste in der Geschichte Islands, da ist die Polizei sicher. Rund 12 000 Menschen versammeln sich am Montagabend vor dem Parlament in Reykjavik, werfen mit Bananen und Eiern. Die Menschen in dem Inselstaat mit nur 330 000 Einwohnern kochen vor Wut auf ihren Regierungschef. Als schließlich der Rückhalt in den eigenen Reihen schwindet, zieht Sigmundur David Gunnlaugsson die Konsequenzen und kündigt seinen Rücktritt an.

Der Geduldsfaden reißt den Isländern, als sie ihren Regierungschef am Sonntagabend im Fernsehen dabei beobachten müssen, wie er aus einem Interview hinausstürmt. Vorher faucht er den Reporter an. Eine dumme Reaktion, das gibt Gunnlaugsson hinterher zu.

Es ist eine aufgezeichnete Sendung vom März, es geht um Enthüllungen in den "Panama Papers". Der Journalist hatte Gunnlaugsson auf eine Briefkastenfirma auf den Britischen Jungferninseln angesprochen, die Gunnlaugssons Frau gehört und einst auch ihm gehört haben soll. Gunnlaugsson bestreitet die Vorwürfe. Nun kennt der Zorn der Isländer keine Grenze mehr. Selbst nach dem Bankenkollaps 2008 gingen nicht so viele auf die Straße. Schon damals machten die Isländer mit ihrer Wut auf sich aufmerksam.

2013 wählten die Isländer Gunnlaugsson, den jungen Mann aus wohlhabendem Elternhaus, als Kämpfer gegen soziale Ungerechtigkeit - wohl vor allem, weil sie unzufrieden mit der Verteilung der Krisenlasten waren. Damals war der Liberale mit seinen 38 Jahren ein politischer Jungspund, der sein Land in die Zukunft führen sollte. Jetzt fühlen sich die Isländer von ihm betrogen. "Wäre er Ministerpräsident in einem anderen Land, wäre er vor langer Zeit zurückgetreten", meint die Isländerin Margret Buhl.

Drinnen im Parlament werden die Protestierer gehört. Erst stellt die Opposition am Montag einen Misstrauensantrag. Dann kommt Gunnlaugsson dem am Dienstag zuvor und bittet Islands Präsidenten Ólafur Ragnar Grímsson um die Erlaubnis, das Parlament aufzulösen und Neuwahlen auszurufen. Grímsson will zwar nicht Ja sagen, bevor er mit Gunnlaugssons Regierungspartner gesprochen hat. Doch das Schicksal des Ministerpräsidenten und der Koalition aus seiner Fortschrittspartei und der Unabhängigkeitspartei ist besiegelt.

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06.04.2016, 06:00 Uhr

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