Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Reutlingen einfach, bitte!

Vom schwierigen Fortkommen auf dem Wannweiler Bahnhof

Eigentlich hatte ich mir die Begegnung mit dem neuen Fahrscheinautomaten, der während unseres Urlaubs aufgestellt worden war, etwas anders vorgestellt. Vorgewarnt durch entsprechende Erfahrungsberichte, wollte ich mir für mein erstes Billettle im Wannweiler Touchscreen-Zeitalter richtig Zeit lassen.

04.09.2010
  • uschi kurz

Auch das Fahrziel war mit Bedacht gewählt: Reutlingen, Abfahrt auf Gleis zwei. Wer von Wannweil aus nach Tübingen möchte, tut sich neuerdings nämlich ungleich schwerer: Der Fahrkarten-Automat auf Gleis eins wurde von der Deutschen Bahn ersatzlos abgebaut. Jede(r), der nach Tübingen möchte, muss erst durch die Unterführung und dann über 24 Stufen das Gleis zwei erklimmen. Und dann das ganze Retour. Menschen, die schlecht zu Fuß sind und keine Treppen steigen können, müssen einen gefährlichen Hin- und Rückweg über den Bahnübergang in Kauf nehmen. Soviel zum Thema Kundenfreundlichkeit. Weil, wie ich mir sagen ließ, der einzige Fahrkartenautomat auf Gleis zwei zudem so aufgestellt ist, dass man spätnachmittags an sonnigen Tagen die Bedienungsanweisungen auf dem Bildschirm gar nicht lesen kann, habe ich die Reisezeit auf den Vormittag gelegt.

Dass der Himmel den ganzen Tag wolkenverhangen war, konnte ich vorher nun wirklich nicht wissen. Schon eher, dass ich in den Ferien morgens nicht in die Puschen komme. Um mein Date mit dem neuen Fahrkartenautomaten einzuhalten, bin ich dann ausnahmsweise mit dem Auto zum Bahnhof gefahren. Leider war ich offensichtlich nicht die einzige, die sich für Park-and-ride entschieden hatte. Lediglich ein Parkplatz war nicht belegt, doch der wurde durch einen Lastwagen blockiert. Als der endlich wegfuhr, war mein Zeitpuffer auf das übliche „jetztreichtesfastnichtmehraufdenzug“-Budget zusammengeschmolzen. Nichts wie raus aus dem Auto und auf den Bahnsteig gehastet, wo gerade eine arabisch sprechendes junge Frau ihrer Freundin beim Lösen des Tickets behilflich war. Mit flinken Fingern fuhr sie über den Bildschirm und der Automat spukte die gewünschte Fahrkarte aus. Das ging so schnell, ich habe nur Bahnhof verstanden.

Dann startete ich meinen ersten Versuch. Ich bin freilich über die Sprachwahl (dass man dazu die deutsche Flagge drücken muss, konnte ich mir gerade noch zusammenreimen) nicht hinausgekommen. Bedienungshinweise: Fehlanzeige. Learning by Doing lautet offensichtlich bei der DB die Devise. Weil mir für derlei Experiment nun freilich die Zeit fehlte, habe ich die freundliche Muslima um Hilfe gebeten.

Leider wusste sie auch nicht, wie man den Naldo-Bonus erhält, der mir eigentlich vergönnt ist. Wir haben es dann aber mit vereinten Kräften gerade noch geschafft, bevor der Zug eingefahren ist. Was waren das noch für Zeiten, als man in Wannweil einfach auf dem Bahnhof mit den Worten an den Schalter treten konnte: „Einmal Reutlingen, einfach bitte!“ und danach tatsächlich den passenden gültigen Fahrschein in der Hand hatte. Und das sogar, wenn man den ganz und gar ungebührlichen Wunsch äußerte, nach Tübingen fahren zu wollen . . .

Vom schwierigen Fortkommen auf dem Wannweiler Bahnhof
Moderne Zeiten in Wannweil? Lediglich auf Gleis zwei hat die Deutsche Bahn einen der neuen Fahrscheinautomaten aufgestellt. Wer von Gleis eins Richtung Tübingen fahren möchte, muss einen Umweg machen oder schwarz fahren.Bild: ST

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

04.09.2010, 12:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball