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Kultur

Von All umgeben

Trotz des Wintereinbruchs locken bei der Stuttgarter Museumsnacht mehr als 80 Einrichtungen rund 20 000 Besucher an. Ein Rundgang.

19.03.2018
  • TILMAN BAUR

Stuttgart. Pünktlich zur Langen Nacht der Museen hält in Stuttgart der Winter Einzug. Am Samstagabend ist es kalt und windig. Die Besucher der Kulturveranstaltung beeindruckt das scheinbar wenig: Die Schlange vor dem Wilhelmspalais am Charlottenplatz zieht sich bereits zehn Minuten vor Einlass meterlang hin.

Der Run auf das Palais war zu erwarten. Zum ersten Mal nimmt die Einrichtung, die das neue Stadtmuseum beherbergt, an der Langen Nacht teil. Erst am 14. April öffnet das Stadtpalais offiziell, die Dauerausstellung ist noch nicht zu sehen. Dafür vieles anderes: Von der Decke des runderneuerten Foyers baumeln riesige Diskokugeln, eine großzügige DJ-Box kündigt die später beginnende Party an, die drei DJs bis um 4 Uhr morgens anheizen werden.

VfB-Trikot und Bierkrug

Stündliche Führungen geben Einblicke in die architektonische Geschichte des Wilhelmspalais. So erfahren die Besucher, dass Hofbaumeister Giovanni Salucci im 19. Jahrhundert großen Wert auf eine Blickachse vom Palais hinüber zum Neuen Schloss legte, diese aber verloren ging, als sein Nachfolger Wilhelm Tiedje im Zuge des Wiederaufbaus nach 1945 den Eingang auf die Hinterseite verlegte.

Ein bisschen Stadtmuseum ist das Palais schon jetzt: ein altes VfB-Stuttgart-Trikot, ein Bad Cannstatter Bierkrug und ein altes Ortsschild des Bezirks Degerloch sorgen für Lokalkolorit. Aus dem Korridor nebenan schallen Hip-Hop-Beats. Dort scratcht sich ein Junge an einer Schallplatte die Finger wund. Die DJ-Station „In The Mix“ findet regen Zulauf.

82 kulturelle Einrichtungen, darunter Museen, Galerien und Industriedenkmäler haben am Samstag an der Langen Nacht der Museen teilgenommen, die seit mehr als 20 Jahren stattfindet und vom Stadtmagazin Lift veranstaltet wird. 20 000 Besucher kamen und damit etwa 6000 weniger als im vergangenen Jahr, als die Veranstaltung bei frühlingshaften Temperaturen über die Bühne ging.

Trotz des Wintereinbruchs herrscht an diesem Abend aber auch auf dem Schlossplatz, dem Zentrum von Stadt und Langer Nacht, reger Betrieb. Auf kleinem Raum sind hier einige der größten Magneten vereint: das Kunstmuseum, das Alte Schloss, das Neue Schloss sowie das Rollende Museum im Ehrenhof des Neuen Schlosses, dessen voll besetzte Oldtimer elegant über den Pflasterstein gleiten. Letztes Jahr mussten sie noch wegen Feinstaubalarm pausieren – diesmal gab es eine Sondergenehmigung.

Nicht Grün wie der Königsbau, der zum irischen Nationalfeiertag angestrahlt wird (siehe Infobox), sondern Blau und Rot ist das dampfende Zirkuszelt nur wenige Meter entfernt. Es ist das Frischluftzelt des Künstlers Erik Sturm, der sich mit der Feinstaubdebatte auseinandersetzt. Alle 15 Minuten wird Frischluftalarm ausgelöst, es strömt gereinigte Luft ins Zelt. Dazu laufen thematisch passende Songs wie „Dust in the Wind“ oder eine düstere Coverversion von Reinhard Meys „Über den Wolken“ vom Band. Vergrößerte Schwarz-weiß-Aufnahmen von Feinstaubpartikeln hängen an den Zeltwänden. Bei Petra Maisenbacher, die für den Künstler arbeitet, gibt es 50 Feinstaub-Boxen zum Preis von je 50 Euro zu kaufen. Sie bestehen aus zwei Einmachgläsern. „Das eine enthält Moos, wie es an der Mooswand am Neckartor hängt, das andere am Neckartor gesammelten Feinstaub“, so Maisenbacher.

Mit komplexen Fragen von Umwelt und Politik müssen sich die Besucher des Planetariums nicht auseinandersetzen. Zwischen 3000 und 4000 Menschen strömen Jahr für Jahr an der Langen Nacht in den Oberen Schlossgarten, um die Sterne zu sehen – trotz Dauerpräsenz der S-21-Baustelle.

Von Kopernikus bis Newton

„Die Menschen fasziniert das Ungewöhnliche, Dinge, die jenseits des eigenen Horizonts liegen“, sagt Planetariumsleiter Uwe Lemmer. Im Planetarium sei man mittendrin, umgeben vom All, und verlasse zumindest für ein paar Minuten den Alltag. Einen Lerneffekt gebe es obendrein: „Heute können wir wissenschaftliche Erkenntnisse leicht in Bilder umsetzen“, erklärt Uwe Lemmer.

In der Langen Nacht der Museen gibt es sieben Stunden lang Kostproben davon: Die Filme des Planetariums laufen in abgespeckten 20-Minuten-Versionen. So erzählt der Film „Stars – Jeder Stern eine Geschichte“ vom Leben und Sterben der Sterne und enthält außerdem einen leicht verdaulichen Einblick in die Erkenntnisse von Wissenschaftlern wie Kopernikus, Galileo, Newton und Einstein, die uns die Gesetze des Universums nähergebracht haben.

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19.03.2018, 06:00 Uhr

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