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Kommentar

Von Antisemitismus und Jubel-Solidarität

In Wuppertal werden Molotowcocktails auf eine Synagoge geworfen, in Berlin wird ein Ehepaar aus Jerusalem, das zufällig den Weg einer Pro-Palästina-Demo kreuzt, von Teilnehmern bedroht. Auf mehreren Kundgebungen, die bundesweit gegen die israelische Bombardierung von Gaza durch die Straßen ziehen, werden antisemitische Parolen skandiert.

01.08.2014
  • Volker Rekittke

Eine ganze Liste solcher Vorfälle aus den vergangenen Wochen, in denen der Gaza-Konflikt eskalierte, ist unter www.amadeu-antonio-stiftung.de dokumentiert. Und wie sieht es in Stadt und Kreis Tübingen aus? Laut Polizei gab es bislang keine antisemitischen Sprüche, Schmierereien oder gar Übergriffe im Zusammenhang mit Protesten gegen den Gaza-Krieg.

Laut der Antisemitismusstudie von 2012, die der Bundestag in Auftrag gegeben hatte, pflegen 20 Prozent der Deutschen einen manifesten Antisemitismus. Das zeigt: Antisemitismus ist weit mehr als ein aktuelles Problem, das sich auf Anti-Kriegs- oder Pro-Palästina-Kundgebungen austobt – an den wahlweise islamistischen, rechten oder auch linken Rändern der Gesellschaft. Antisemitismus kommt aus der Mitte der deutschen Gesellschaft.

Gerade Linke und Antifaschisten, die die unsägliche Politik der Rechts(außen)-Regierung Netanjahu/Lieberman kritisieren, tun gut daran, sich klar gegen Antisemitismus und rechte Vereinnahmungsversuche zu wehren. Und viele tun das auch.

Dem Aufruf des „Aktionsbündnis Solidarität mit Israel“ folgten am Donnerstag 600 Menschen aus dem ganzen Landkreis Tübingen und auch von außerhalb. Die allermeisten hatten keinen linken, sondern einen christlichen Hintergrund, etliche gaben sich als TOS-Mitglieder zu erkennen. Kein Wunder: Hinter dem Bündnis steht der „Marsch des Lebens“ – eine Initiative der TOS, die einst „Tübinger Offensive Stadtmission“ hieß. Nun taucht ausgerechnet die TOS nicht unter dem Aufruf zur Kundgebung auf, was Gemeindemitglied und Demo-Organisator Heinz Reuss so begründet: Man habe die Kontroversen um die TOS nicht mit den Anliegen der Kundgebung vermischen wollen.

„Wir wurden hereingelegt“, sagt hingegen Michael Kuckenburg vom Förderverein für jüdische Kultur in Tübingen. Er nennt die Demo eine „hochorganisierte Jubelveranstaltung“ der TOS, bei der hunderte weiße und blaue Ballons professionell verteilt wurden (siehe dritte Lokalseite). Sein Verein sei gefragt worden, ob er eine Demonstration unterstützt, die sich gegen „antisemitische Parolen“ richtet – und zwar „unabhängig davon, was man von einem militärischen Einsatz Israels hält“. Auf dem Marktplatz wurde Kuckenburg dann klar: „Das war eine Zustimmungsveranstaltung zur aktuellen israelischen Politik – also der Bombardierung von Gaza.“ Die TOS spielte mit verdeckten Karten.

Den Beschuss von Schulen, Hospitälern, Flüchtlingslagern nennt übrigens auch die Uno mittlerweile: Kriegsverbrechen.

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01.08.2014, 12:00 Uhr

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