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Kommentar

Von Brücken und trügerischer Sicherheit

Am Samstag gehen Atomkraftgegner in Berlin gegen längere Laufzeiten für Atomkraftwerke auf die Straße. Die Großdemonstration wird zeigen, auf welches Minenfeld sich die schwarz-gelbe Bundesregierung begibt, wenn sie den im Jahr 2000 mühsam ausgehandelten Kompromiss – einen von breiter Bevölkerungsmehrheit akzeptierten Konsens – in der Luft zerreißt.

15.09.2010
  • Eckhard Ströbel

Man wird ihr mit Fug und Recht um die Ohren hauen, dass seither kein einziges Argument pro AKW dazugekommen ist, dass ganz im Gegenteil Atomtechnik immer noch zu teuer und viel zu riskant ist. Und dass es keine Deponie gibt für den giftigsten Müll aller Zeiten.

Vor allem aber werden sich die Regierung und ihre Ratgeber anhören müssen, dass der Strommarkt keinen Grund liefert, das von Industrie und Politik geschlossene Fass wieder aufzumachen. Im Gegenteil: Die Entwicklung erneuerbarer Energien hat viele zusätzliche Arbeitsplätze entstehen lassen und die steigende Produktion bringt mehr Spannung ins Netz.

Im Juli des vergangenen Jahres, als sieben von 17 deutschen Atommeilern wegen Reparaturen oder aus anderen Gründen vom Netz waren, ließ Frankreich seiner nachlassenden Spannung vom deutschen Stromnetz aufhelfen. Warum? Weil Niedrigwasser an Loire und anderen Flüssen nicht ausreichten, gallische Nuklearzentralen zu kühlen. So steht es um die Versorgungssicherheit, so tragfähig ist das, was Begriffs-Erfinder und Stimmungsmacher „Brückentechnologie“ nennen, damit wir uns darauf begeben und auf der sicheren Seite wähnen sollen.

Muss man noch betonen, dass Atomtechnik selbst nach obiger Terminologie keine Zukunft hat? Was dürfen Forschungseinrichtungen, innovative Mittelständler und Weltmarktführer bei Effizienz-Technologien von einer Regierung erwarten, die lieber im alten, stinkenden Karren fährt? In Sonntagsreden verantwortungsvolles Unternehmertum und weitsichtige Beschäftigungssicherung rühmen und montags Subventionen an Großkonzerne verschieben – so gewinnt christlich-liberale Politik auch in gemeinwirtschaftlichen und öffentlichen Unternehmen keine Freunde.

Die Stadtwerke zum Beispiel sind nicht Herrscher über Pipelines und Hochspannungs-Autobahnen. Sie sind mit dünnen Leitungen mit vielen Haushalten verbunden und müssen einzelne Kunden überzeugen. Das wird ihnen im umweltbewussten Tübingen besser gelingen, je dezentraler – also übergeordnetem politischen Zugriff entzogen – ihre Lösungen sind.

Mit der Kohle-Großtechnologie Atommeiler aus dem Markt zu drängen, ist höchst ungesund und wirtschaftlich zunehmend riskant. Solange die Regierung nicht am Vorrang für erneuerbare Energien rüttelt, sind das die verlässlicheren Energiequellen. Gut, dass mit dem Windpark in der Nordsee die Südweststrom die auch im Angebot hat.

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15.09.2010, 12:00 Uhr

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