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Von Engelshaar und Florentiner Mustern
Manche zahlen mehr fürs Papier als für den Inhalt. Foto: Bildquelle
Geschenkpapier

Von Engelshaar und Florentiner Mustern

Vor Weihnachten muss man Präsente einwickeln. Hersteller, Buchhändler und ein Künstler erzählen von ihrem Umgang mit dem Einpacken.

16.12.2016
  • CAROLINE STRANG

Schopfheim. Er selbst packe Geschenke ein bisschen „barbarisch“ ein, nicht mit der Sorgfalt einer Frau, sagt Peter Giovanazzi. Dabei hat er massenhaft schönes Papier zur Verfügung. Besonders die Florentiner Geschenkpapiere gefallen ihm. Sie tragen verschnörkelte Muster mit Gold. „Da gibt es ein paar, die könnte man gar nicht aus dem Sortiment wegdenken“, sagt er. Giovanazzi ist Geschäftsführer von Papeteria in Schopfheim bei Lörrach.

Hier gibt es Papiere aus dem hochwertigen Bereich, wie er sagt. „Die sind dann etwas teurer verglichen mit den 0-8-15-Papieren“, dafür seien sie auch exklusiv und von der Qualität nicht vergleichbar mit den „Verbraucherröllchen“, die man in Baumärkten oder im Supermarkt bekomme. Papeteria fülle schon eher eine Nische für Liebhaber, sagt Giovanazzi nicht ohne Stolz. Die Papiere gibt es in Bögen, von denen einer durchaus über 2 EUR kosten kann. Man findet sie im „inhabergeführten Fachhandel“, wie der Geschäftsführer sagt. Die Holzklappleitern mit den geschmackvollen Papieren seien vor allem in kleineren Buch- Schreibwaren- und Geschenkartikelläden zu finden.

Doppelter Nutzen

Der Preis sei durchaus gerechtfertigt, findet er. Denn schließlich habe man einen doppelten Nutzen. Man könne Geschenke geschmackvoll einpacken und das Papier aber auch anders nutzen. Zum Beispiel zum Bucheinbinden oder auch für Origami.

Der Schwerpunkt bei Papeteria liegt auf italienischen Papieren mit ihren besonderen Mustern. 600 bis 800 Motive hat das Unternehmen im Sortiment, davon werden die meisten nur vertrieben, einige werden seit vier Jahren aber auch selbst designt und bei einer örtlichen Großruckerei produziert. „Für die Florentiner Papiere mit ihrem Gold haben wir praktisch die Vertriebsrechte im deutschsprachigen Raum“, erzählt Giovanazzi. Besonders begeistern ihn die eigenen Neuentwicklungen. „Wir arbeiten da mit einer italienischen Designerin zusammen. Da ist mein Herz voll dabei.“ Zurzeit hat er besonders viel zu tun, direkt vor Weihnachten. Die Bestellungen für Weihnachspapiere kommen schon auf den Sommermessen, sagt er. Die Lieferungen erfolgen dann Ende Oktober oder im November. Als Verpackungsmaterial für den Einzelhandel sei das Papier allerdings zu teuer, Rollen für den schnellen Gebrauch praktikabler.

Deshalb rechnet Christian Riethmüller, Geschäftsführer der Osiander-Buchhandlungen, in Rollen. Ungefähr 200 dieser großen Rollen werden in den 39 Buchhandlungen übers Jahr verbraucht, davon vor Weihnachten 50. Die Motive des Geschenkpapiers werden übrigens von den Mitgliedern der Inhaberfamilie ausgesucht. Und ja, es gebe eindeutig geschlechtertypische Vorlieben der Kunden. „Motive mit Blumen gefallen eher Frauen, einfarbige Papiere in blau eher Männern.“ Es gebe aber auch Papiere, die neutral und trotzdem sehr schön seien. Damit es nach dem Bezahlen vor allem im Weihnachtsgeschäft schnell geht, werden die Mitarbeiter geschult. „Wir haben deshalb auch immer beidseitig bedrucktes Geschenkpapier, schlägt man davon einen Streifen um, sieht es aus wie Geschenkband.“ Außerdem stehen im Dezember Einpackhilfen neben jedem Verkäufer. „Das geht dann flott und alle sind begeistert“, sagt Riethmüller.

Um Schnelligkeit geht es bei Verpackungskünstler Nils Fredersdorff aus Berlin nicht unbedingt. Nach Trends gefragt, will er sich nicht festlegen. Natürlich gebe es auch Papiere mit Retromotiven wie Autos oder Kassetten. Die werden auch gewünscht. Aber die Klassiker seien nun mal Verpackungen in Silber oder Gold. „Es muss einfach glänzen“, sagt Fredersdorff, der den Laden „Verpackungszauber“ im KaDeWe in Berlin betreibt. Dort verkauft er Zubehör und packt mit seinen Mitarbeitern Geschenke ein. Viele Kunden wünschen schlichtes Design, verrät er. Manche begeistern sich für Deko wie Obst oder Weihnachtskugeln auf dem Päckchen. Andere wollen ihr Geschenk in einem Luftballon verpackt haben. Viel ist möglich – für Hochzeiten, die Einschulung, den Geburtstag. Oder eben Weihnachten.

Mit Fingerspitzengefühl

Aber wie sieht ein perfektes Geschenk aus? „Na, es muss auf jeden Fall sauber gefaltet und geklebt sein“, sagt er. Alles sollte zusammen passen. Gegen ein bisschen Deko wie Engelshaar und Tannenzapfen hat er auch nichts. Man müsse das Ganze thematisch aufbauen, da sei Fantasie und Fingerspitzengefühl gefragt. „Manchmal kommen Leute mit einem Geschenk, das 4 EUR gekostet hat und suchen eine Verpackung aus, die 20 EUR kostet“, erzählt er. Andersrum sei das auch oft so. Sein typischer Kunde ist männlich. „In den letzten drei Tagen vor Weihnachten sehe ich keine Frauen mehr im Laden“, sagt er. Warum? „Ach, Männer können das einfach nicht so gut.“ Sie müssten außerdem ihre Frauen mit einem schönen Geschenk glücklich machen, „sonst kriegen sie zuhause nichts mehr zu essen.“

Den Service gibt es ab 6,50 EUR. Das ist dann eine Folie mit einer schönen Stoffschleife. Eine CD liegt bei 8,50 EUR, ein Schuhkarton bei 12 bis 13 EUR, je nachdem, wieviel drauf und drumherum soll. Weihnachten ist laut Fredersdorff inzwischen die einzige Hochphase für das Verpackungsgeschäft, sagt er. Früher seien zu Muttertag und Ostern noch mehr gekommen.

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16.12.2016, 06:00 Uhr

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