Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Eine Schule hilft Flüchtlingen

Von Kontakt-Café bis zu Patenschaften: Heuss-Schule engagiert sich auf vielerlei Art

Die Theodor-Heuss-Schule engagiert sich in der Flüchtlingsarbeit nicht erst, seit die Turnhalle vor kurzem als Notunterkunft bezogen worden ist. Ein anderes Projekt läuft bereits seit einem Jahr mit Erfolg.

03.11.2015
  • Thomas de Marco

Reutlingen. Im Religionsunterricht der 12. Klasse ist 2014 an der Theodor-Heuss-Schule die Idee entstanden, sich alle 14 Tage mit Flüchtlingen aus der Beethovenstraße in einem Asylcafé zu treffen. 25 Asylbewerber sind am Fuß der Achalm untergebracht. 15 von ihnen haben im Schnitt die Besuche der vier bis fünf Schülerinnen und Schüler genutzt. „Ich konnte mir nicht vorstellen, wie Flüchtlinge hier leben. Das hat mich einfach interessiert“, sagt Aline Weber, 17, aus Kolberg. Auch ihre Eltern waren angetan von diesen Kontakten, „meine Mutter ist auch einmal zu einem Treff ins Asylcafé mitgekommen.“

Zum ersten Treffen hatte die Gruppe der Heuss-Schule Kinderspiele zum Deutschlernen mitgenommen – und auch gehörig Skepsis mitgebracht. „Ich habe befürchtet, dass die Flüchtlinge aus Syrien und Afghanistan gar keine Lust auf solche Spiele hätten“, erinnert sich Victoria Stooß, 17, aus Engstingen an den Beginn des Projekts. „Doch dann haben wir fünf Stunden lang gespielt. Sie haben sich alles aufgeschrieben und waren sehr höflich.“

Was den beiden Schülerinnen wichtig ist: Mit den Treffen werde nicht nur guter Wille demonstriert, sondern auch konkrete Hilfe angeboten. So führt die Gruppe die Flüchtlinge auch mal durch Reutlingen und zeigt ihnen die Stadt. Die Klasse selbst profitiert ebenfalls von diesem Engagement. „Im Unterricht kann ich ganz anders Vorbehalte und Vorurteile thematisieren. Ich hoffe, dass wir die abbauen können durch die Begegnungen mit den Flüchtlingen“, sagt Religionslehrerin Nicola Talmon-Kaufmann.

Die Arbeit mit den Flüchtlingen passt zum Profil „Schule ohne Rassismus“, das sich die Heuss-Schule vor zwei Jahren gegeben hat. „Bei den beruflichen Schulen, die eine durchschnittliche Verweildauer der Schüler von drei Jahren hat, sind wir da Vorreiter“, sagt Marion Kramer aus Hirschau, Abteilungsleiterin der Wirtschaftsschule. Dieser Zug der Heuss-Schule hatte dafür die Initiative ergriffen. Über 90 Prozent Zustimmung für „Schule ohne Rassismus“ kamen bei Schülern, Lehrern, Eltern und der Verwaltung in allen sieben Schularten zusammen.

Etwa 40 Prozent der insgesamt 3000 Schülerinnen und Schüler an der Heuss-Schule haben einen Migrationshintergrund. In der Wirtschaftsschule ist der Anteil noch höher und liegt sogar bei etwa 60 Prozent. Im Schuljahr 2014/15 hatte sich die Schule intensiv mit Flüchtlingen in Stadt und Landkreis Reutlingen auseinandergesetzt. Ziel war, Schüler und Lehrerkollegium für die Thematik zu sensibilisieren und eine Willkommenskultur anzuregen.

So richtig in Fahrt gekommen ist dieses Engagement, als vor den Sommerferien klar war, dass die Turnhalle der Heuss-Schule zur Notunterkunft für Flüchtlinge werden würde. „Wir sind dann gleich auf die Schüler zugegangen und waren überrascht, wie groß die Bereitschaft zur Beteiligung ist“, sagt Kramer. „Mittlerweile haben wir gar nicht mehr den Überblick, wie viele mitmachen. Die Zahl liegt jedenfalls im dreistelligen Bereich.“

Zunächst führten die Verantwortlichen ein vorbereitendes Gespräch mit dem Landratsamt. Dann wurden vor vier Wochen regelmäßige Aktivitätsnachmittage aufgenommen, an denen sich Schüler und Flüchtlinge jeweils dienstags und donnerstags von 15 bis 18 Uhr in der Heuss-Turnhalle bei Kaffee oder Tee treffen.

Weitere Aktivitäten zur Unterstützung von Flüchtligen sind bereits angelaufen oder im Entstehen, alle in Zusammenarbeit mit den Sozialarbeitern in der Halle. So wird ein Stadtplan für Flüchtlinge erstellt oder Geld für Bücher gesammelt. Auch Deutschkurse und Dolmetscherdienste gehören dazu, außerdem Exkursionen durch die Stadt oder eine Willkommens-AG.

Als nächstes sind Patenschaften von einzelnen Klassen mit Flüchtlingen angedacht. Vier Klassen diskutieren gerade, ob sie das machen sollen. Das könnte dann so aussehen, dass Flüchtlinge in die Klassen kommen, dass ihnen bei den Hausaufgaben geholfen oder die Freizeit gemeinsam gestaltet wird. „Aber da müssen wir vorher erst noch Erfahrungen sammeln“, sagt Kramer.

gSiehe „Mit Engelszungen“

Von Kontakt-Café bis zu Patenschaften: Heuss-Schule engagiert sich auf vielerlei Art
„Schule ohne Rassismus“ ist für sie keine leere Floskel: Viele Schülerinnen und Schüler der Reutlinger Theodor-Schule engagieren sich für Flüchtlinge.Bild: Haas

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

03.11.2015, 12:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball