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Über den Fußball

Von Macht und Magie

Es gibt akademische Abhandlungen über den Fußball, an denen sich die Geister scheiden: Den Fans sind sie zu abgehoben, den Intellektuellen zu bodennah.

19.04.2016
  • GUNTHER HARTWIG

Gunter Gebauer, dem Berliner Sportphilosophen, gelingt das Kunststück, beide Seiten zufriedenzustellen - oder mit den Worten des fußballbegeisterten Schriftstellers Thomas Brussig: "Er kann den Fußball entschlüsseln, ohne ihn zu entzaubern."

Auch für Gebauer liegt "die Wahrheit auf dem Platz", klar doch. Denn selbst die philosophische Annäherung an ein Spiel, das weltweit Milliarden Menschen in seinen Bann zieht, kommt nicht an der Tatsache vorbei, dass die Faszination des Fußballs den physischen Fähigkeiten der Akteure entspringt, den körperlichen Verrichtungen von Feldspielern und Torhütern, dem schweißtreibenden Traktieren des Lederballs. Und dass auch das Publikum ziemlich handfest auf das reagiert, was sich vor seinen Augen auf dem Rasen abspielt - mit Jubelchören oder Schmähgesängen, mit fiebriger Erregung oder blutleerer Schockstarre.

Der Autor beschreibt Macht und Mythen, Rituale und Magie des Fußballs auf ebenso kluge wie verständliche Weise, er interpretiert die gesellschaftliche Bedeutung dieses Sports, die Rolle von Charismatikern und "Fußballgöttern" praxisorientiert, ernsthaft und zugleich unterhaltsam.

Der Leser merkt, dass Gebauer mehr als Interesse für den Fußball hegt, wahrscheinlich liebt er ihn sogar. Deshalb folgt man dem Versuch, den Antrieb der Spieler, die Finessen der Trainer und die Leidenschaften der Fans besser zu verstehen, gern und mit großem Gewinn.

"Fußball ist unser Leben", sang die deutsche Nationalmannschaft vor der WM 1974 im eigenen Land. Wohl wahr, mindestens für den eingefleischten Anhänger. Bill Shankly, der legendäre Teammanager des FC Liverpool, hat sogar einmal behauptet, Fußball sei bedeutender als eine Angelegenheit von Leben und Tod. So weit würde Gunter Gebauer gewiss nicht gehen. Aber dass der Fußball als Kulturgut unser Denken, Sprechen und Handeln prägt, unterliegt für den Philosophen keinem Zweifel.

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19.04.2016, 06:00 Uhr

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