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Ausstellung

Von Mannheim in die Welt: Die Karriere des Fahrrads

Vor 200 Jahren trat Karl von Drais zu seiner ersten Fahrt auf einem Zweirad an. Das Technoseum würdigt jetzt die Geschichte des Drahtesels.

08.11.2016
  • WOLFGANG RISCH

Mannheim. Das Fahrrad war auch ein Beitrag zur Emanzipation. Um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert warfen Damen, die sich eines leisten konnten, Konventionen und ungeeignete Kleidung über Bord und bewegten sich fortan auf zwei Rädern fort. Zu dieser Zeit, 80 Jahre nach der Erfindung der Laufmaschine durch Karl Drais, hatte das Fahrrad weitgehend seine heutige Form gefunden, „die sich kaum verbessern lässt“, sagt der Kurator der Landesausstellung „2 Räder – 200 Jahre“ im Mannheimer Technoseum, Thomas Kosche. „Freiherr von Drais und die Geschichte des Fahrrades“ ist der Untertitel der Ausstellung, die am Freitag, 11. November, eröffnet wird und bis 25. Juni 2017 dauert. Fast genau zwei Jahrhunderte zuvor, am 12. Juni 1817, hatte der in Karlsruhe geborene Karl Freiherr von Drais auf seinem Laufrad eine sieben Kilometer lange Tour durch Mannheim angetreten.

Für die Strecke von seinem Wohnhaus inmitten der Mannheimer Quadrate in den heutigen Stadtteil Rheinau brauchte Drais eine knappe Stunde. Weit rasanter schritt die Weiterentwicklung seiner Erfindung voran, „und niemals war eine Idee so modern wie die des Fahrrades“, sagte der Mannheimer Verkehrsbürgermeister Lothar Quast (SPD) am Montag bei einer Vorabbesichtigung der Ausstellung. Quast verweist auf den Beitrag Drais‘ zur mobilen Gesellschaft und dessen politische Relevanz. Im Jubiläumsjahr 2017 werde auch ein verkehrspolitischer Diskurs im Rahmen der 100 Einzelveranstaltungen angestoßen. Karlsruhe beteilige sich daran, so Quast, der vor allem dem Land dankt, das 800 000 Euro zu den Kosten von rund einer Million beisteuert, wie der Direktor des Technoseum, Hartwig Lüdtke, bekanntgab. Mobilitätskonzepte der Zukunft müssen eine Balance zwischen Auto und Fahrrad finden, sagt Lüdtke. Dieses Thema sei bedeutsam für die Stadtplaner.

Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) weist in einer Mitteilung auf die Bedeutung des Fahrrades hin. „Wir stehen in Anbetracht des Klimawandels vor der Herausforderung, eine neue Mobilität zu gestalten.“ Quast beschreibt als Ziel der Jubiläumsmonate, man wolle „das Drais‘sche Vermächtnis im öffentlichen Bewusstsein verankern“.

Sofern das noch nötig ist. „Überall in halbwegs bewohnten Gebieten“, sagt Kurator Kosche, kann das Fahrrad eingesetzt werden. „Das Fahrrad wird auch dann noch ein wichtiges Fortbewegungsmittel sein, wenn das Auto mit Verbrennungsmotor längst ausgedient hat.“

Über Drais ist wenig bekannt

Über den Freiherrn Karl von Drais ist wenig bekannt. Wahrscheinlich hatte er mit seiner Erfindung wirtschaftlich keinen großen Erfolg. Es ist keine Zahl der von ihm verkauften Laufräder überliefert. Doch es waren wenige, Drais vergab Lizenzen in Form von Plaketten zum Nachbau, und eines dieser Geräte gelangte in den Besitz des niederländischen Königshauses. Erst ein halbes Jahrhundert später, mit der Erfindung des „Tretkurbel-Velociped“ gewann das Fahrrad an Bedeutung. Es nahm Fahrt auf und wurde durch die Pariser Weltausstellung 1867 zum Verkaufsschlager. Zur weiteren Steigerung des Tempos wurde der Durchmesser bis zu den eineinhalb Metern des legendären Hochrades vergrößert. Dieses freilich barg einige Gefahren, schon ein kleines Hindernis konnte zum Kopfsprung nach vorn führen, der nicht selten tödlich endete, wie Kurator Kosche erzählt.

Das „Sicherheitsniederrad“ war die Konsequenz daraus, der Schwerpunkt lag tiefer und weiter hinten. Das Konzept des modernen Fahrrads war gefunden. Anfänglich noch vom Adel und gehobenen Bürgertum als „Spielzeug“ benutzt, wurde es zu Beginn des 20. Jahrhunderts das Fortbewegungsmittel der Arbeiter, geriet in den 1950ern gegenüber den Autos und Motorrädern aber ins Hintertreffen. In diesen Jahren stieg auch die Firma Miele als Produzent aus und konzentrierte sich auf Waschmaschinen. Marken wie Herkules und NSU sind noch bekannt, auch wenn heute andere Hersteller dominieren in einer Zeit, da das Fahrrad nicht nur Transportgerät ist, sondern auch Ausdruck eines Lebensgefühls und modisches Accessoire.

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08.11.2016, 06:00 Uhr

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