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Von Mondpreisen und falschen Jubiläen
In Möbelhäusern geht es bei Sonderverkäufen nicht immer mit rechten Dingen zu. Die Wettberwerbszentrale hat bei insgesamt 244 geprüften Werbemaßnahmen 266 einzelne Rechtsverstöße verschiedenster Art gefunden. Foto: Getty Images
Konkurrenz

Von Mondpreisen und falschen Jubiläen

Die Wettbewerbszentrale mahnt mehrere große Möbelhäuser wegen irreführender Werbung ab. Die Kunden werden übers Ohr gehauen.

23.01.2017
  • CAROLINE STRANG

Stuttgart. Das Steakmesser ist nur ein kleines Beispiel, aber es verdeutlicht das Problem. 9,95 EUR kostete das gute Stück. Ein Sonderpreis, wie ein Möbelhaus in Mannheim warb. Denn die unverbindliche Preisempfehlung des Herstellers lag laut Auszeichnung bei 16,95 EUR. Das war falsch. Als die Kundin zuhause im Internet recherchierte, fand sie das Messer beim Hersteller für regulär 9,95 EUR. Der Möbelhändler hatte einen so genannten Mondpreis einfach erfunden, damit der Kunde glaubt, er erwerbe ein Schnäppchen. Die Verbraucherzentrale mahnte das Möbelhaus ab, das unterschrieb eine Unterlassungserklärung.

Ein Einzelfall? In dieser Branche bei weitem nicht. Die Wettbewerbszentrale hat im vergangenen Sommer genauer hingeschaut und drei Monate lang die Werbung von 20 führenden Anbietern ausgewertet. Das Ergebnis: Bei insgesamt 244 geprüften Werbemaßnahmen lagen 266 einzelne Rechtsverstöße verschiedenster Art vor. Als Folge mahnte die Selbstkontrollinstanz der Unternehmen, die fairen Wettbewerb sicherstellen soll, erst vor wenigen Wochen acht große Möbelhäuser wegen irreführender und intransparenter Werbung ab.

„Irreführend ist eine Werbung immer dann, wenn sie dazu geeignet ist, den Verbraucher zu einer Handlung zu veranlassen, die er sonst nicht vorgenommen hätte“, erklärt Dunja Richter, Juristin bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Vier der Möbelhäuser gaben inzwischen eine Unterlassungserklärung ab. Die vier anderen Ketten, Poco Finke, Dänisches Bettenlager und Segmüller, haben bisher nicht reagiert. Gegen sie wird nun geklagt. Nur zwei der 20 geprüften Möbelhäuser haben in ihren Prospekten laut Tester nicht getäuscht – der Balinger Anbieter Rogg und Ikea.

Täuschungsmöglichkeiten finden sich viele. Laut Wettbewerbszentrale wurden aktuelle Reduzierungen beworben, obwohl das Produkt schon länger zu diesem Preis zu haben war.

Außerdem wurden falsche Gesamtpreise, versteckte Zusatzkosten oder falsche unverbindliche Preisempfehlungen gefunden. Auch Mondpreise sind der Wettbewerbszentrale aufgefallen.

Wichtig ist, auf das Kleingedruckte zu achten. Besonders dreist war ein Fall, in dem ein Möbelanbieter in einem Prospekt mit „Elefantastische Geburtstagsangebote und 20% auf fast alles!“ geworben hatte. In einer kleinen Fußnote war dann der Hinweis versteckt, dass die Reduzierung gerade für alle im Prospekt beworbenen Produkte nicht gilt. Außerdem hat die Wettbewerbszentrale Aktionswerbung in 58 Fällen als irreführend bewertet. So wird teilweise eine kurze Aktionsdauer vorgegaukelt – wie ein Neueröffnungsrabatt –, um Kaufdruck zu erzeugen. Die Aktion wird aber tatsächlich immer wieder verlängert und teilweise nur umbenannt.

Was Verbraucher beachten sollten, um nicht in Rabattfallen zu tappen, erklärt Dunja Richter: „Sie sollten sich von Rabattaktionen nicht zum Kauf verleiten lassen, sich genau informieren, Preise vergleichen und überprüfen, welche Positionen im Preis genau inbegriffen sind.“ Beobachtet ein Verbraucher zum Beispiel, dass ein Möbelstück, für das er sich schon länger interessiert, zum gleichen Preis wie vorher als nun angeblich reduziert angeboten wird, kann er sich an die Verbraucherzentrale wenden.

Doch warum täuschen viele Möbelhändler ihre Kunden? Weil eine Preisschlacht entbrannt ist. „Wir sehen hier einen Verdrängungswettbewerb, der in erster Linie über den Preis geführt wird.“, sagt Reiner Münker, Geschäftsführendes Präsidiumsmitglied der Wettbewerbszentrale. „Hier wird mit Tricks versucht, der Konkurrenz die Kunden auszuspannen und der Wettbewerb verzerrt.“ Die Branche zeichnet sich durch eine zunehmende Konzentration aus, vor allem die Top-Ten der Möbelhändler gewinnt durch Übernahmen immer mehr Marktanteile hinzu. Die Rabattschlachten wiederum drücken die Margen der Hersteller. Einige davon wiederum wehrten sich und übten Druck auf die Preise im Handel aus, drohten sogar mit Lieferstopp. Eine illegale Praxis, wie das Bundeskartellamt feststellte. Es verhängte insgesamt rund 4,4 Mio. EUR Bußgeld gegen fünf Möbelhersteller.

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23.01.2017, 06:00 Uhr

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