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Kommentar

Von Natur aus radioaktiv

„Feldspat, Quarz und Glimmer, die drei vergess‘ ich nimmer“ – mit diesem Spruch merken sich Hobby-Geologen und angehende Gesteinswissenschaftler im ersten Semester die Zusammensetzung von Granit. Vergessen wird bei dieser Eselsbrücke aber geflissentlich, dass dieses Tiefengestein eine natürliche Radioaktivität aufweist, da es Spuren von Uran, Rubidium und anderen radioaktiven Elementen enthalten kann.

16.10.2012
  • Thomas de Marco

Vor kurzem ist in Reutlingen in der unteren Wilhelmstraße aber flächendeckend Flossenbürger Granit verlegt worden. Hat die Stadt deshalb nun nicht nur eine schöne, sondern auch eine strahlende Fußgängerzone? Schließlich haben Messungen in Stuttgart ergeben, dass der neu verlegte Granit aus Flossenbürg in der Königstraße „nicht unerheblich“ radioaktiv strahle. Muss gar die Verfüllung des Reutlinger Frankonenstollens sofort gestoppt werden, damit in dem Luftschutz-Gangsystem aus dem Zweiten Weltkrieg ein Endlager für Atomsteine eingerichtet werden kann?

Gemach, gemach, sagt dazu Manfred Martin, als Mineraloge des Landesamts für Geologie, Rohstoffe und Bergbau im Regierungspräsidium Freiburg ausgewiesener Experte für Gesteine aller Art. Grundsätzlich sei es eine vernünftige Denkweise, jede zusätzliche Bestrahlung zu vermeiden. Allerdings halte er die Radioaktivität, die etwa der in Reutlingen und Stuttgart verbaute Granit abgebe, für völlig unbedenklich. „Sie müssten auf Granit wohnen, um ein bisschen mehr Radioaktivität als normal zu akkumulieren“, betont Martin.

Bevor die entsprechenden Steine einer Fußgängerzone wieder herausgerissen würden, müssten viel eher weite Teile des Schwarzwalds oder des Bayerischen Walds evakuiert werden. „Der Granit begleitet die Menschheit schon lange. Im Schwarzwald leben die Menschen auf großen Granitgebieten, deren Gesteinszusammensetzung sich nicht groß von dem Granit aus Flossenbürg unterscheidet“, erklärt der Mineraloge. Gleichwohl kann er die Sorgen der Bürger in Bezug auf Radioaktivität nachvollziehen: „Die Strahlung sieht und riecht man nicht – und gleichzeitig gibt es sehr feinfühlige Geräte, die immer einen Ausschlag erzeugen können“, sagt Martin. Er wird auch immer mal wieder von vorsichtigen Menschen gefragt, ob etwa von der Granitplatte in der Küche eine erhöhte Gefährdung ausgehe. „Die Befindlichkeit ist groß, was Radioaktivität betrifft“, betont er.

Deshalb ist Martin dafür, dass in Stuttgart nun die Strahlung in der Königstraße noch einmal genau ermittelt wird: „Das ist leicht zu messen, warum also nicht? Da hat niemand etwas zu verbergen.“ Diese Messungen würden zur Versachlichung der Debatte beitragen – und vor allem zur Beruhigung der Menschen.

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16.10.2012, 12:00 Uhr

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