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EM-Auftakt im Zug

Von Schaffnern und Schlaglöchern

Post aus Polen schickt Tobias Zug – unser Sportredakteur berichtet in loser Reihenfolge über seine Eindrücke von der Fußball-Europameisterschaft.

12.06.2012

Oh, die armen Zugschaffner! Haben es in Polen ja ohnehin nicht leicht, da sie für den staatlichen Eisenbahnbetrieb PKP arbeiten – und über kaum etwas wird in Polen lieber geschimpft und geflucht als über den Staat und seine zuverlässig unpünktlichen und zugegeben schon etwas in die Jahre gekommenen PKP-Züge.

Und wie um seinem Ruf gerecht werden zu müssen bleibt der Zug fünf Minuten vor der Endstation Poznan stehen. Den etwa 20 mitreisenden Whisky-konsumierenden Fans aus Irland ist’s egal, nur eine polnische Mitreisende schimpft ausdauernd. Geschätzt in jedem vierten Satz fällt das Wort „kurwa“, was nicht übersetzt werden muss, außer, man kennt sich in Rotlichtbezirken gut aus. Doch das Geschimpfe bringt nicht viel: Die zwei Schaffner wissen ja auch nicht so recht, warum der Zug lahm liegt.

Polnischer Alltag: In Bussen oder Zügen wird man von offizieller Seite nie erfahren, welche Station als nächstes angefahren wird, geschweige denn, warum dieser Zug gerade jetzt lahm liegt. Was aber auch nicht sooo wichtig ist, denn Polen kickt grad gegen Griechenland. Und das gucken die beiden Schaffner in aller Gemütsruhe in ihrem Abteil auf einem Laptop an.

Polen im Bann der Europameisterschaft: Jedes dritte Auto fährt mit rot-weißen Nationalflaggen am Fenster rum, an fast allen Häusern hängen „Polska“-Flaggen aus den Fenstern. Eine Restaurantkette im Einkaufszentrum von Poznan – dem schönsten Einkaufszentrum mittlerer Größe weltweit, wie eine internationale Jury 2005 mal kundtat – bietet extra zur EM von jedem Teilnehmerland eine Spezialität an. Warum sie “Fish and chips” Italien zuordnet, bleibt ein Geheimnis.

Wer dem Schienenverkehr nicht traut, der kann’s ja mit dem Auto versuchen: Der Unterjesinger Oliver Möllers fuhr beispielsweise mit einem alten Volvo, Baujahr irgendwann in den 80ern, und zwei Freunden nach Polen zu Bekannten. Und von dort weiter nach Lviv in die Ukraine (deutsch: Lemberg, polnisch: Lvuv) zum Auftaktspiel der Deutschen gegen Portugal.

Was eine Tortur für den Volvo gewesen sei: „Da gab’s Schlaglöcher, so was habe ich noch nie gesehen”, sagte Möllers. Doch die Menschen seien alle superfreundlich gewesen. Besser als das Hotel, in dem sie uebernachtet haben. Via ebay bestellt, seien sie in einem zehnstöckigen Betonbunker untergebracht gewesen, in dem wohl Breschnew noch gefrühstückt hatte und wo seitdem auch nichts mehr verändert wurde. Möllers: „Für eine Nacht ist es gegangen, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass außerhalb der EM da jemand übernachtet – das Ding wird wahrscheinlich danach abgerissen.”

Von Schaffnern und Schlaglöchern
Ammertal-Fraktion in Lwiw: David Dessecker (Entringen), Oliver Möllers vom SV Unterjesingen und Marcel Belser (Entringen, von links) waren beim 1:0 der DFB-Elf gegen Portugal dabei. Bild: Ulmer

Von Schaffnern und Schlaglöchern

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12.06.2012, 12:00 Uhr

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