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BAP-Frontmann Wolfgang Niedecken bei „Schoog im Dialog“

Von der Magie guter Songs

Der Musiker und Maler Wolfgang Niedecken erzählte im Sparkassen-Carré „Schoog im Dialog“ der SWR-Moderatorin Bernadette Schoog über Gott und die Welt. Zu erleben war ein in sich ruhender Künstler, der zufrieden auf sein Lebenswerk blickt.

04.08.2012
  • Stephan Gokeler

Tübingen. Es gibt keine Kampfzugaben mehr, wenn BAP auftritt. „Dem Publikum beweisen, wir können länger als ihr, das müssen wir nicht mehr machen“, findet Wolfgang Niedecken. Ans Aufhören denkt er deswegen noch lange nicht. Angesprochen auf den Echo-Preis für sein Lebenswerk zitiert er Udo Lindenberg: „Hinterm Lebenswerk geht’s weiter.“

Wobei er sein Alter nicht erst seit dem Schlaganfall, der ihn im vergangenen November ereilte, durchaus zur Kenntnis nimmt und ihm mit Würde zu begegnen versucht. „Ich wollte nie als Berufsjugendlicher enden und wäre meinen Kindern nur sehr ungern peinlich“, bekannte Niedecken.

In der Reihe „Schoog im Dialog“ ließ sich Niedecken am Donnerstag vor 400 Zuhörern von SWR-Moderatorin Bernadette Schoog interviewen. Tiefenentspannt und mit sich im Reinen plauderte er munter über seine Kindheit, die Anfänge und die Erfolgsgeschichte von BAP, sein soziales Engagement und die Zugabe, als die er sein Leben nach dem Schlaganfall empfindet. Zur Krankheitsgeschichte beließ Bernadette Schoog es dankenswerter Weise bei einigen wenigen Fragen, schließlich gab es diesbezüglich in den vergangenen Monaten genügend Niedecken-Auftritte in Fernseh-Talkshows.

Allerdings outete sich die Interviewerin gleich zu Beginn als großer Fan von BAP und Niedecken. Noch heute müsse sie beim einen oder anderen Lied der Kölschrocker weinen, bekannte sie, die Lieder seien der Soundtrack ihrer Jugend.

Und so begnügte sie sich mit der Rolle als Stichwortgeberin, spielte auf Passagen aus dem 2011 erschienenen ersten Teil von Niedeckens Autobiografie oder Aussagen an, die er in anderen Interviews gemacht hatte. Neues war so nicht zu erfahren. Leider auch nichts über Niedeckens Erinnerungen an Tübingen. Dabei war der vom Club Voltaire veranstaltete Auftritt von BAP im Juli 1984 vor rund 10 000 Fans im TSG-Stadion eines der größten Konzerte, das Tübingen je erlebt hat.

Seine Arbeit beschrieb Niedecken als die eines Geschichtenerzählers. Ob in einem Lied oder in einem Bild, stets gehe es darum, etwas zu schaffen, das vom Publikum mit eigenen Bedeutungsinhalten aufgeladen werden könne. „Das ist die Magie eines wirklich guten Songs – was glauben Sie, was sich die Leute alles zu ‚Verdamp lang her‘ vorstellen“, meinte er. Wenn es ihm gelinge, seine Gefühle so in ein Werk zu verpacken, dass ein Zuhörer oder Betrachter diese nachvollziehen könne, sei er zufrieden. „Montags den ‚Spiegel‘ zu kaufen und die Titelgeschichte zu vertonen“ bringe hingegen gar nichts.

Womöglich hat ihn die Kunst auch davor bewahrt, an seinen Erlebnissen mit Gewalt und Missbrauch als Schüler eines katholischen Internats zu zerbrechen, wie er es bei einigen Mitschülern erlebt habe. Als „unbarmherzig und verlogen“ erlebte er die Institution katholische Kirche. Für ihn selbst sei es mit dem Auftauchen der Beatles möglich geworden, Musik als neue Form der eigenen Identitätsbildung zu nutzen. Wie eine Rüstung habe fortan die Musik ihn gerade in schwierigen Phasen umgeben: „Jukeboxen sind Lebensrettungsmaschinen“, zitierte Niedecken einen Ausspruch seines Freundes Wim Wenders.

Von der Magie guter Songs
SWR-Moderatorin Bernadette Schoog befragt Wolfgang Niedecken im Sparkassen-Carré. Bild: Sommer

BAP, 1976 von Wolfgang Niedecken in Köln gegründet, ist eine der erfolgreichsten Rockbands deutscher Sprache. Genauer gesagt: Die (meist) sozialkritischen Texte sind auf Kölsch. Die aktuelle Besetzung: Wolfgang Niedecken (Gesang, Gitarre), Helmut Krumminga (Gitarre), Werner Kopal (Bass), Jürgen Zöller (Schlagzeug), Michael Nass (Keyboard).

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04.08.2012, 12:00 Uhr

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