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Sport-Liveübertragungen an Neujahr

Von der Schanze in den Schlaf

Danke ARD, danke Sport 1. Vergnügt pfeifend bin ich gestern zur Arbeit gegangen, ausgeschlafen, vor Ideen sprühend. Trotz Nachtschicht nach dem Tigers-Sieg gegen Trier. Trotz einer ausgelassenen Silvesterfeier mit Schwof und reichlich Alkohol.

03.01.2015
  • Bernhard Schmidt

Wie man an Neujahr am besten den Silvesterkater weg schläft, ist kein Geheimrezept, schon eher Volksbrauch. Auf der Hitliste der schlaffördernden Sport-Liveübertragungen stehen zweifellos die Boliden der Formel 1 mit ihrem tiefenwirksamen Motorengeheul ganz oben. Gefolgt von den Tennismatches mit dem monotonen Plopp-Plopp der Bälle oder den spitzen Schreien der Spitzenspielerinnen. Dann kommt aber schon das Neujahrsspringen im Rahmen der Vierschanzen-Tournee: die letzte Ruhe-Oase im Trubel des Jahreswechsels.

Same procedure as every year: Mehr oder weniger gerade dem Bett entstiegen, folgt nach dem schalen Spätstück der Griff zur Fernbedienung. Und der macht so schön einsam, denn fürs deutsch-österreichische Gehopse interessiert sich eh nur der Familienvater, der Rest der Sippe hat natürlich besseres zu tun. „Lass den Papa in Ruhe, der schaut jetzt Skispringen.“ Die Wohnzimmertür geht zu, der Nachmittag ist gerettet.

In diesem Jahr habe ich übrigens einen Rekord geschafft: Schon nach den Vorspringern war ich entschlafen. Die ersten Gleitschritte auf den Langlauf-Skiern am Vortag hatten wohl den Prozess beschleunigt. Der geübte Neujahrsschläfer jedenfalls wechselt, wenn es wider erwarten spannend werden sollte, in den Halbschlafmodus. Der sensible Träumer erkennt die wenigen Höhepunkte, zumindest die aus schwarz-rot-goldener Sicht, an der Ton-Dramatik. Geht nämlich ein Deutscher in die Anlaufspur, hebt der Kommentator die Stimme, schreit das Fahnen schwenkende Volk „Flieg!“ und schallt ein Alpenjodler übers Außenmikrophon.

Heuer genügte der müde Blick durch ein Auge, um festzustellen, dass die Deutschen nicht viel zu melden hatten. Der echte TV-Sportsmann erwacht erst wieder zum Ende des zweiten Durchgangs. Dann kann er, ganz Fachmann, der Familie erzählen, wie 2015 die Österreicher dominierten und ein Norweger siegte.

Und für jene, die am Neujahrsnachmittag vielleicht zu viel Schäfchen gezählt hatten, und deswegen am gleichen Abend unter Einschlafstörungen litten, hatte der Spartenkanal Sport 1 in diesem Jahr ein besonderes Häppchen auf der Speisekarte: das Viertelfinale der Darts-WM im Londoner Ally-Pally.

Wer dieses sich selbst frech zum Sport adelnde Kneipen-Vergnügen noch nicht kennt, kriegt ob dieser Szenerie zunächst Mund und Augen nicht zu: Eine bierselig grölende Masse von Briten in aberwitzigen Verkleidungen, vorne an der Dartscheibe die verehrten Helden – Männer mittleren und fortgeschrittenen Alters, bevorzugt mit Plauze und gefährlichem Kampfnamen. Doch schnell hat der Laie die Sache durchschaut, weiß, was ein Triple ist oder wo das Bulls Eye sitzt. Dann verdrängt entspannte Ruhe das gespannte Interesse am Neuen. Das Kinn fällt auf die Brust – Zeit ins Bett zu gehen.

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03.01.2015, 12:00 Uhr

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