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Knecht Mittelstadt

Von der Schlosserei zum Marktführer für Betriebseinrichtungen

Die Mittelstädter Knecht GmbH wurde nach dem zweiten Weltkrieg als Ein-Mann-Betrieb gegründet. Heute macht das Familienunternehmen mit seinen 48 Mitarbeitern über zehn Millionen Euro Umsatz – und hat sich ein modernes Produktionszentrum geleistet.

03.09.2010
  • Bernd Ulrich Steinhilber

Mittelstadt. Flache Hierarchien, EDV-gestützte Produktionsprozesse: Der Hersteller von Betriebseinrichtungen, Stahlmöbeln und Blechschränken hat eine stürmische Entwicklung hinter sich. Das 1946 aus einer Schlosserei entstandene Mittelstädter Familienunternehmen ist in den letzten Jahren stetig gewachsen, hat 2009 ein zwei Hektar großes Gelände im Gewann „Schießwieslen“ erworben und 14 Millionen Euro in die neue Produktionsstätte investiert.

Von der Schlosserei zum Marktführer für Betriebseinrichtungen
Ein wichtiger Teil in der Produktionskette ist das außerhalb der Anlage geruchsfreie Beschichten der Teile. Bild:Haas

„Wir mussten irgendetwas tun“, sagte der geschäftsführende Gesellschafter Dirk Glück, 41, im Gespräch mit dem TAGBLATT. „Der Umsatz hat sich ständig ausgeweitet“ – auf zehn Millionen Euro im vergangenen Jahr bei einem Volumen von 70 000 Schränken. Und es gehe weiter bergauf: „Wir wachsen schneller als der Markt und haben sogar in der Krise Anteile dazugewonnen.“

Mit Schneiden, Formen, Fügen, Punktschweißen und Beschichten sind die Techniken umschrieben, mit denen die Knecht GmbH ihre Bauteile fertigt, die in ganz Europa verkauft werden – Produkte für andere Marken, hauptsächlich für die Hoffmann-Group, den größten Werkzeug-Händler. Ein wichtiger Kunde für die Knecht GmbH, denn dessen 1400 Seiten starker Katalog liegt in einer Auflage von 320 000 Exemplaren in 15 Sprachen vor. „Und da sind wir exklusiv als Betriebseinrichter drin“, sagt der Diplomkaufmann, Informatiker und gelernte Metallmeister.

Der Erfolg stellte sich allerdings nicht von selbst ein. Tatsächlich handelt es sich bei Knecht um ein „Fertigungskonzept ohne Meister und Vorarbeiter“, das auf flexible und über die Unternehmens-Kennzahlen informierte Mitarbeiter angewiesen ist. Jede(r) muss in der Lage sein, Stückzahlen, Zeiten und Fertigungsdaten direkt in das SAP-System einzugeben. Denn alles läuft in dieser Halle computergesteuert – von der Auftragsannahme bis zur Endfertigung. „Das erste und einzige Papier ist der Versandaufkleber.“

Netzwerke statt Hierarchien, umfassende Informationsstruktur statt Insellösungen betrachtet Glück als entscheidende Voraussetzung für die sich selbst verantwortende Belegschaft – die auch für die Einteilung des Urlaub und der Arbeitszeit zuständig ist. Erst dadurch sei „eine sich selbst organisierende Unternehmensstruktur“ mit hoher Flexibilität entstanden.

Dank dieser Flexibilität können 350 Bauteile für 1024 Schränke hergestellt werden, „anonym“, wie sich Glück ausdrückt – und was er als „Gleichteilestrategie“ bezeichnet. Erst beim Zusammenbau habe man den Kundenauftrag im Blick. Und „wenn dann ein Schrank montiert ist, bleibt er nur noch einen Tag im Haus.“ – Bevor die Knecht GmbH die 13 000 Quadratmeter große Halle und den 1000 Quadratmeter großen Bürotrakt bezog, waren die Produktionsstätten über vier Standorte im Gewerbegebiet „Lachenhau“ verteilt – wovon drei Hallen auch noch angemietet waren. Bei dem Grundstück auf „Schießwieslen“ handelt es sich um jenes, das die Stadt von Still-Wagner zurückgekauft hat. Für die Knecht GmbH eröffnete sich damit die Chance zur ortsnahen Expansion. Überhaupt ist man voller Lob, wenn vom Reutlinger Rathaus die Rede ist. „Vorbildlich“ habe es sich eingesetzt: „Innerhalb von vier Wochen war die Baugenehmigung da“ – für Glück „ein Meisterstück.“

Als „Meisterstück“ betrachtet er auch die neue Halle. „Das Architekturbüro hat die Vorgaben unseres Fertigungskonzeptes bekommen, und die Architekten haben die Hülle darüber gemacht.“ Man habe Wert darauf gelegt, dass sich die Belegschaft darin wohlfühle, dass die Halle hell sei und man von jedem Punkt aus durchs Fenster ins Freie blicken könne. – Auch habe man darauf geachtet, Geruchsbelästigung durch Paraffin auszuschließen.

Beim Einzug sei man zwar „von der Wirtschaftskrise erwischt“ worden, gebeutelt habe sie das Unternehmen nicht. Immerhin sei es gelungen, in dieser Zeit neue Produkte zu entwickeln, die jetzt auf den Mark kommen: Büroausstattungen für Meisterbüros und Planungsbüros sowie elektronische Schlösser für die Schränke.

Knecht blicke zuversichtlich in die Zukunft. Und es sei durchaus noch Raum für weitere Expansion vorhanden. Aber es gebe auch Grenzen. Schränke und Büroausstattungen werden von Russland bis Spanien verkauft. Allerdings sei man außerhalb von Europa wegen der hohen Transportkosten nicht konkurrenzfähig.

Info: Das Unternehmen wurde1946 von Otto Knecht gegründet. Achim Knecht, Catrin Reißner und Dirk Glück sind die drei Gesellschafter des als GmbH geführten Familienbetriebs.

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03.09.2010, 12:00 Uhr

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