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Von der Wartezone
zur neuen Stelle
Warten auf ein Vermittlungsgespräch: Kunden in einer Filiale der Agentur für Arbeit. Foto: dpa
Agentur für Arbeit

Von der Wartezone zur neuen Stelle

Für viele ist es ein schwerer Schritt, sich arbeitslos melden zu müssen. Deshalb sollte man wissen, was dabei auf einen zukommt.

10.01.2017
  • NADINE RAU

Ulm. Es ist Freitagmorgen, draußen ist es eisig kalt, drinnen wird die Schlange langsam etwas länger. Der Reihe nach sprechen die Empfangsdamen mit den Kunden, von denen manche links abbiegen und sich im Warteraum auf einen Stuhl setzen. Solange, bis ihr Name aufgerufen wird und sie sich arbeitslos melden müssen.

Die Arbeitslosigkeit zu akzeptieren und sie bei der Agentur für Arbeit offiziell zu machen, fällt vielen Menschen schwer. Deshalb soll beim ersten Besuch alles problemlos funktionieren. Martina Christ ist die Leiterin der Eingangszone der Agentur für Arbeit in Ulm und genau dafür zuständig. In ihrem Büro hängt ein buntes Schaubild an der Wand, das den Kundenbesuch erklärt.

Dieser ist bundesweit gleich geregelt: Ein Kunde spricht zuerst mit einem Mitarbeiter am Empfang. Der nimmt erste persönliche Daten des Kunden auf oder prüft, ob der Besucher diese vorab über die Onlineplattform eingetragen hat. Im Gespräch beurteilt der Agenturmitarbeiter, ob der Kunde ein Gespräch braucht oder die ersten Schritte selbst am Computer erledigen kann.

Für die mit Gesprächsbedarf heißt es erstmal Warten: „Meistens beträgt unsere Wartezeit nur wenige Minuten, das ist nicht wie beim Arzt“, sagt Christ. Ihre Kunden seien oft angespannt und traurig, auch das ein oder andere Taschentuch komme zum Einsatz. Im Gespräch falle die Nervosität langsam ab.

Was brauche ich vor Ort?

„Wir haben die Aufgabe, den Kunden zu zeigen, dass es weitergeht“, erklärt Michael Wägerle, Pressesprecher der Agentur für Arbeit in Ulm. Dafür ist zunächst ein vollständiger Lebenslauf nötig. Die Kunden sollten diesen am besten schriftlich vorlegen und außerdem ihren Ausweis, die Rentenversicherungsnummer sowie die Steuer-Identifikationsnummer parat haben.

Nach dem ersten Termin beginnen die Folgearbeiten im Amt: Mitarbeiter arrangieren einen Beratungstermin und besprechen die Meldung, die vorausgesetzt wird, um Arbeitslosengeld zu erhalten. Wer sich arbeitslos melden möchte, muss das persönlich tun – frühestens drei Monate im Vorlauf und spätestens am ersten Tag ohne Job. Sonst gibt es nachwirkend kein Geld für die versäumten Tage.

Gleichzeitig verpasst man die Frist, in der man melden muss, auf Arbeitssuche zu sein. Dann kann die Agentur eine einwöchige Sperrzeit verhängen, in der der Kunde kein Geld bekommt. Das passiert auch dann, wenn jemand während der Betreuung ohne Abmeldung nicht zum Beratungsgespräch kommt. Grundsätzlich gelte Wägerle zufolge beim Arbeitsamt aber die Devise, dass man Kunden nicht bestrafen wolle. Sollte also jemand ohne abzusagen nicht zu seinem Termin erscheinen, darf er sich erst erklären. „Fehlverhalten hat bei zwischenmenschlichen Angelegenheiten auch mal Platz, aber man darf das gemeinsame Ziel, den neuen Job, nicht aus den Augen verlieren“, sagt Wägerle.

Für dieses Ziel sind die Gespräche mit den Beratern wichtig. Wer Glück hat, bekommt gleich beim ersten Gang aufs Arbeitsamt Jobangebote bei der Sofortvermittlung unterbreitet. Während der Gespräche erstellt der Berater ein Profil seines Gegenüber. „Wir wollen wissen, was für einen Menschen wir vor uns haben, was er schon erlebt hat und wofür er geeignet ist“, so Wägerle. Bei der Jobsuche werden die individuellen Bedürfnisse berücksichtigt, die Kunden müssen aber auch für Alternativen offen sein. Sich beraten zu lassen, gehört zu den Pflichten eines Arbeitslosen. Wenn er den Antrag auf Arbeitslosengeld einreicht, erklärt er sich dazu bereit.

Online als Angebot

Das Profil des Kunden wird nicht nur auf dem Papier, sondern auch online angelegt. Jeder bekommt nach seinem ersten Besuch Zugangsdaten für sein Konto. Dort kann er seine Angaben überprüfen und Stellengesuche herausgeben. Zudem ist es möglich, seinen Antrag auf Arbeitslosengeld nach dem Besuch im Amt online zu stellen.

Über welchen Zeitraum man das Geld bekommt, hängt davon ab, wie lange man in den fünf Jahren vor seiner Arbeitslosigkeit bei der Bundesagentur für Arbeit versicherungspflichtig war. Voraussetzung ist allerdings, dass man während der vorangegangenen zwei Jahre mindestens zwölf Monate gearbeitet hat.

Weil die Regelungen nicht immer einfach zu verstehen sind, bitten die Agenturen darum, dass ein Kunde das Gespräch gleich unterbricht, wenn er etwas nicht richtig versteht. „Ich glaube, dass manche Leute auch nicken, obwohl noch etwas unklar ist“, erzählt Wägerle. Deshalb ein Tipp für den ersten Besuch beim Arbeitsamt: Aufmerksam sein und nachhaken.

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10.01.2017, 06:00 Uhr

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