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Vorstellungsgespräch

Von kleinen Schwächen und großen Gehältern

Der Arbeitspsychologe Klaus Melchers von der Uni Ulm gibt Tipps für Bewerber. Die Frage nach der Motivation kommt eigentlich immer.

22.11.2016
  • LORENZO ZIMMER

Ulm. Feuchte Hände, die halbe Nacht nicht geschlafen, seit Wochen das passende Outfit bereitgelegt. Für viele ist das persönliche Bewerbungsgespräch die pure Hölle, andere haben gar kein Problem damit. Ob Angst oder nicht – wer vorbereitet ist, gewinnt.

Herr Melchers, was ist Ihre größte Schwäche?

Klaus Melchers: (lacht) Da erwischen sie mich jetzt auf dem falschen Fuß. Wobei das natürlich für das Bewerbungsgespräch keine gute Antwort wäre. Ich finde aber, dass das auch keine gute Frage ist. Und deshalb stelle ich sie auch seit Jahren nicht mehr.

Wieso keine gute Frage?

Weil die typische Antwort eine Schwäche ist, die auch als Stärke durchgeht. Etwa wie pingelig und exakt man ist oder wie ungeduldig gegenüber anderen, wenn es im Team darum geht, eine Frist einzuhalten. Als Arbeitgeber gewinne ich durch solche Frage keine echten Informationen. Kaum jemand würde hier eine echte Schwäche zugeben. Würde ich auch nicht tun, wenn die Frage wirklich kommt. Es bleibt einem eine negativ-positive Antwort.

Gibt es denn eine grundsätzlich richtige Herangehensweise an ein Bewerbungsgespräch?

Man kann sich zumindest ein bisschen vorbereiten. Dazu zählt auch, sich nicht erst beim Gesprächstermin zu überlegen, warum mich die Stelle und das jeweilige Unternehmen besonders reizen. Denn nach der Motivation wird eigentlich immer gefragt und dann ist „Ja also meine Mama hat mich dazu gedrängt, mich zu bewerben“ ganz sicher die falsche Antwort. Das Zweite wäre, sich wirklich zu überlegen, welche Stärken man hat. Kombiniert mit der Überlegung, was man für die gewünschte Stelle in besonderem Maße braucht, fällt es dann leichter meine Eigenschaften, Kenntnisse und Erfahrungen im Gespräch zu platzieren. Und zwar so, dass dem Gegenüber klar wird, warum ich gut zu der Stelle passe.

Wie kann ich unmittelbar vor dem Gespräch ruhig bleiben?

Wenn ich weiß, dass Nervosität für mich ein Thema ist, sollte ich mir dazu im Vorfeld Gedanken machen. Sich im Kopf damit auseinanderzusetzen, ist der erste Schritt. Und dann kann man sich eine Strategie überlegen, damit umzugehen. Für den einen kann das heißen nochmal joggen zu gehen, für den anderen etwas Leckeres zu essen. Außerdem sollte man sich ausmalen, was da auf einen zukommen könnte. Es kann helfen, Kontakt zu anderen zu suchen, die sich dort auch schon beworben haben. Alles in allem würde ich mir aber einfach nicht zu viele Sorgen machen. Eine gewisse Nervosität ist völlig normal, aber wenn man vor Schreck gleich vom Stuhl fällt, ist das nicht so gut.

Wäre Ihnen ein Assessment Center oder ein Gespräch lieber?

Das kann ich so pauschal nicht beantworten. Das Gute ist, dass man vorher weiß, ob es das eine oder das andere ist. Zum jeweiligen Center würde ich mir immer über das Internet Infos einholen. Zu deren Standards gehören meistens praxisbezogene Übungen wie Rollenspiele oder Präsentationen. Im Vertrieb wäre das etwa eine Kundensituation. Im schlimmsten Fall kommen Übungen, die sich nicht auf die Tätigkeit beziehen und die Bewerber ein Stück weit aus der Reserve locken sollen. Das kann verwirrend sein. Man soll etwa zu acht ein Plakat gestalten, bekommt aber nur eine Schere und einen Klebstift. Dann ist das Wichtigste, ruhig zu bleiben.

Und beim klassischen Gespräch?

Da kann auch so ziemlich alles kommen. Hier ist es wie erwähnt wichtig, eine möglichst klare Vorstellung von der Tätigkeit zu haben, auf die ich mich bewerbe. Wenn der Interviewer ungeeignete Fragen stellt, sollte ich gezielt versuchen, ihm die Infos zu geben, die er eigentlich braucht. Das Thema Gehalt birgt zum Beispiel zwei mögliche Fettnäpfchen: Entweder verlange ich viel zu viel oder weniger, als eigentlich üblich wäre. Deswegen würde ich mich vorher informieren.

Wie wichtig ist es, aus der Masse herauszustechen?

Bei Jobangeboten für Berufsanfänger ist das klassischerweise etwas schwieriger. Denn oft kommen hier alle Bewerber frisch von Schule, Ausbildung oder Uni. Ihre Lebensläufe ähneln sich. Dann würde ich mir schon überlegen, ob es etwas in meiner Vita gibt, was mich einzigartig macht. Das können einschlägige Praktika sein, oder spannende Tätigkeiten, die voran gingen.

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22.11.2016, 06:00 Uhr

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