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Ein zweiter Miniatur-Bastler

Von neuen und langjährigen Anbietern auf dem Weihnachtsmarkt

Die erste Kundschaft kam schon um 10 Uhr früh. Doch so richtig voll wurde es erst im Laufe des Spätnachmittags: Der Tübinger Weihnachtsmarkt lädt seit Freitag wieder zum Bummeln, Geschenke kaufen, Freunde treffen und Glühwein trinken ein.

12.12.2014
  • Christiane Hoyer

Tübingen. Weihnachtliche Stimmung verbreitete am Freitag weniger das milde, regnerische Wetter als die liebevoll und äußerst kreativ feilgebotene Ware an den 370 Ständen. Wegen Sturmwarnung durften die Marktbeschicker am Donnerstagabend weder Planen noch Wände an ihren Ständen aufbauen, berichtet Ordnungsamtsleiter Rainer Kaltenmark. Er tigerte wie immer durch die Gassen und schaute, ob die Stromanschlüsse funktionieren und niemand die Gassen zuparkt.

Während aus dem Haus in der Langen Gasse 12 die künstlichen Schneeflocken auf die Flaneure herabwirbelten, war Angelika Loewert an ihrem Stand vor Osiander froh über die milden Temperaturen. Die 61-jährige Kunsthandwerkerin kommt aus Überlingen und verkauft seit 28 Jahren ihre selbst geschreinerten Sachen aus 100 Jahre altem Holz auf dem Tübinger Weihnachtsmarkt. Sie kann sich noch gut an einen Winter erinnern, wo ihr bei minus 17 Grad die Kälte schon nach kurzer Zeit in den Knochen saß und ihr Dieselauto nicht mehr fuhr. Auch an den damaligen Marktmeister Hans Vollmer, der einen Bekannten von ihr mit seinen Töpferwaren wieder heimschickte, weil er kein Tübinger Anbieter war.

Diese Zeiten sind längst passé. Auch jene, als Loewert anthroposophische Holzpuppenküchen anbot: Jetzt hat sie sich auf Vogelhäuschen, Tabletts und Holzrahmen zur eigenen Gestaltung spezialisiert. Die Farben mischt sie selber, und jedes Stück ist anders. Loewert hat sich das Schreinern autodidaktisch beigebracht, ist gelernte Erzieherin und hat die Überlinger Künstlergemeinschaft „Eigenart“ mitgegründet. Für sie ist Tübingen „der schönste Weihnachtsmarkt in ganz Süddeutschland“. Das Publikum, freut sie sich, „ist offen und kauffreudig, das Angebot, auch an Essen, vielseitig“.

Von neuen und langjährigen Anbietern auf dem Weihnachtsmarkt
Modelleisenbahnen im ausgebeinten Radio oder im ausgedienten Brotkasten bietet Norbert Hammerschmidt aus Bodelshausen am Nonnenhaus an. Seine Schwester Silvia Riekert bastelt mit Stoff und Holz.Bilder: Sommer

Unter all den Marktbeschickern, für die der Weihnachtsmarkt seit Jahren ein fixer Termin im Kalender ist, gehören Norbert Hammerschmidt und seine Schwester Silvia Riekert zu den Neulingen. Am Nonnenhaus bietet der 46-Jährige kleine Eisenbahnlandschaften in alten Brotkästen an. Sein großes Vorbild war sein Freund Reinhard Schmid. Schmid hat seine Kreationen jahrelang in Tübingen verkauft – bis er vor zwei Jahren starb. Erst jetzt traute sich Hammerschmidt erstmals mit seinen selbst gebastelten Miniaturen nach Tübingen. Schon nach vier Stunden hatte der Bodelshäuser bereits zwei Exemplare verkauft – für 260 Euro das Stück. Der Verwaltungsangestellte an der Uni Tübingen hat das Basteln schon als Kind gerne gemacht – genau wie seine Schwester Silvia, die im Mössinger Bastelladen arbeitet. Für Hammerschmidt ist das ein schöner Ausgleich zum Beruf. Während seine Schwester genähte Bäume, Futterstationen und ausgesägte Holztannen verkauft, „bin ich eher fürs Hochwertige zuständig“, witzelt er.

Von neuen und langjährigen Anbietern auf dem Weihnachtsmarkt
Der Rahmen macht‘s: Deko-Holzrahmen von Angelika Loewert.

Auf stolze 34 Jahre Weihnachtsmarkt bringt es Marion Kracht. Die Rottenburger Stadträtin und Tübinger Kreisrätin der Grünen bekam von ihrem Mann zur Promotion in Biologie eine Töpferscheibe geschenkt. Als ihre Tochter ein Jahr alt war, bot sie das erste Mal ihre Töpfersachen auf dem Tübinger Weihnachtsmarkt an. Seither, so Kracht, „ist der Markt immer ein Familienvergnügen“, wo alle mithelfen. Die zwei Kinder profitierten als Jugendliche auch von den Markteinnahmen. Die Familie finanzierte ihnen damit manche Extras wie eine Reise in die USA. Das Töpfern, so Kracht, hat sie von ihrer Mutter gelernt, die das Handwerk bis zum Meisterbrief perfektionierte. Für Kracht ist es ein kontemplativer Ausgleich zum Lehrauftrag an der Rottenburger Forst-Fachhochschule und zu den vielen Sitzungsterminen am Abend.

Weit gereist ist Dana Kruisdykova. Sie bringt seit 15 Jahren traditionellen Christbaumschmuck aus Tschechien nach Tübingen mit, dazu Kristallgläser von Flohmärkten. In Tübingen, sagt sie, hat sie treue Stammkunden, und: Sie sieht nach drei Wochen der Trennung ihren Mann wieder, der einen Monat lang auf dem Stuttgarter Weihnachtsmarkt verkauft und aus Dußlingen stammt.

Der Weihnachtsmarkt geht am Samstag von 10 bis 21 Uhr, Sonntag von 11 bis 19 Uhr.

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12.12.2014, 12:00 Uhr

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