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Freizeit

Von saumäßig bis zuckersüß

Kunstwerke, Dinosaurierknochen und Autos sieht man in Museen zuhauf. Aber einige Häuser in der Region zeigen Dinge, die aus dem Rahmen fallen. Eine Auswahl.

14.03.2019

Von CAROLINE HOLOWIECKI

Im Schweinemuseum sind mehr als 50000 Exponate ausgestellt. Foto: Wolfram Kastl/dpa

Die Region Stuttgart hat in Sachen Kultur einiges zu bieten. Elf große Museen befinden sich allein in der Landeshauptstadt, hinzu kommen 30 kleinere Sammlungen. Das Kunstmuseum, die Staatsgalerie oder das Mercedes-Benz-Museum sind vielen ein Begriff, doch in der Region gibt es auch ein paar skurrile Ausstellungen.

Wer ins Schweinemuseum in Stuttgart kommt, hat sofort die rosarote Brille auf. Im alten Verwaltungsgebäude des Schlachthofs zeigt das nach eigenen Angaben kurioseste Museum Süddeutschlands mehr als 50 000 Exponate aus aller Welt. Gezeigt wird in 29 Themenräumen allerhand Schweinisches – von der Jagd über das Metzgerhandwerk bin hin zur Sau in Literatur und Erotik. Mehr als 30 000 Gäste pro Jahr besuchen das Museum. Wer noch nicht genug hat, kann ins Fleischermuseum nach Böblingen weiterziehen.

Den Gegenpol bildet das Stuttgarter Bibelmuseum „Bibliorama“ . Im noch nicht mal vier Jahre alten Haus gibt es Bücher zu sehen – das älteste ist von 1476. „Wir sind ein Erlebnis- und Mitmachmuseum“, sagt Franziska Stocker-Schwarz, die Direktorin. 14 biblische Figuren lassen den Besucher die Botschaft erleben. „Das ist in Deutschland einzigartig“. Man kann auf der Laserharfe spielen oder auch eine Kirche aus Bausteinen errichten, außerdem werden pro Jahr zwei Sonderschauen gezeigt.

Im Schnapsmuseum in Bönnigheim (Kreis Ludwigsburg) bleibt keine Kehle trocken. Gezeigt wird im urigen Steinhaus die größte Sammlung zur Alkoholgeschichte Deutschlands, betont der Leiter Kurt Sartorius. Höhepunkt der Führungen ist stets die Schnaps- und Likörverkostung. Im 25. Jahr des Bestehens konnte jüngst die 122 222. Besucherin begrüßt werden – eine Schnapszahl.

Zuckersüß geht es im Bonbonmuseum in Vaihingen (Kreis Ludwigsburg) zu. Erzählt wird die Geschichte der Firma Jung, die seit 1828 am Ort produziert. Etwa 30 000 Schleckermäuler pro Jahr werden vom vorderen Orient, wo Bonbons im 8. Jahrhundert erfunden worden sein sollen, bis in die moderne Produktion des 20. Jahrhunderts geführt. Als Highlight gilt die Einrichtung eines über 100 Jahre alten Kolonialwarenladens aus Stuttgart. Wer Appetit bekommt, kann sich im Anschluss im großen Werksverkaufsladen eindecken.

Den Nagel auf den Kopf trifft das Nagelmuseum in Löchgau (Kreis Ludwigsburg). Es wurde vor mehr als 20 Jahren eröffnet, und „es gibt kein weiteres Nagelmuseum in Deutschland“, betont Jens Millow, Hauptamtsleiter im Rathaus. Den Grundstock bildet die mehr als 4500 Nagelarten umfassende Mustersammlung der Firma Röcker, die von 1876 bis 1974 am Ort produzierte. An den zwei Öffnungstagen im Monat plus Führungen kommen 900 Besucher pro Jahr.

Das Spielkartenmuseum in Leinfelden-Echterdingen (Kreis Esslingen) zeigt Europas größte öffentliche Spielkartensammlung – mehr als 20 000 Spiele mit über einer Million Einzelkarten aus sieben Jahrhunderten. Das älteste Spiel ist von 1450. „Unsere Sammlung an Spielkarten ist so wertvoll, dass selbst das berühmte Auktionshaus Sotheby's aus London schon im Jahr 1982 sein Interesse bekundet hat, die Sammlung zu kaufen“, so Annette Köger, die das Museum seit 1996 leitet.

Das Rundfunkmuseum in Backnang (Rems-Murr-Kreis) beherbergt auf etwa 100 Quadratmetern die Sammlung der Familie Burgel und zeigt schon seit Mitte der 70er Jahre Exponate von den frühen 20ern bis in die 50er Jahre – von den ersten Röhrenempfängern über Trichterlautsprecher und Mikrofone bis hin zum Plattenspieler von 1924. Genau in diesem Jahr eröffnete Richard Burgel sein Rundfunkgeschäft, erklärt sein Enkel Ulrich. Namentlich ist das Museum dem Forscher Manfred von Ardenne gewidmet, zu dem der Museumsgründer eine „sehr nette, gute Freundschaft“ pflegte.

Im Rathaus in Wolfschlugen (Kreis Esslingen) gibt es seit 14 Jahren ein kleines Stickereimuseum – und das nicht von ungefähr. Das Handwerk prägte den Ort von Mitte des 19. Jahrhunderts bis in die Anfänge des 20. Jahrhunderts. Eine Schule gab es im Ort, die Ergebnisse wurden über einen Zwischenhandel weiter nach Stuttgart verkauft, erklärt Ellen Gottschalk. Die 79-Jährige betreut das Museum ehrenamtlich – aktuell im Alleingang.

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Erstellt:
14. März 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
14. März 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 14. März 2019, 06:00 Uhr

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