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Von wegen Happy Hippo
Wohl bekomm’s! Zum 50. Geburtstag gab's für Zwergflusspferd Hannibal einen Gemüsekuchen. Foto: dpa
Hannibal wird 50

Von wegen Happy Hippo

Hannibal, das wahrscheinlich älteste Zwergflusspferd der Welt, feiert seinen 50. Geburtstag. Ein Besuch beim bruddeligsten aller Eigenbrötler.

20.10.2016
  • TILMAN BAUR

Stuttgart. Minutenlang macht Hannibal gar nichts. An seinem 50. Geburtstag liegt das Zwergflusspferd im warmen Becken, den Kopf unter Wasser, und beäugt missmutig die versammelten Medienvertreter. Die stehen dicht gedrängt an der Absperrung zum kleinen, stickigen Innengehege und warten darauf, dass das älteste Flusspferd der Welt – zumindest kennt man in der Wilhelma kein älteres – sich regt. Kurz taucht Hannibal auf, schlackert mit seinen kleinen Ohren und taucht wieder unter.

Ein paar Augenblicke später setzt sich der Jubilar doch in Bewegung: Als zwei Pflegerinnen den Geburtstagskuchen ins Gehege tragen, tapst Hannibal die Stufen ins Trockene hoch und isst genüsslich einen Happen. Brot, Karotten, Weizenkleie und – ausnahmsweise – Melone sind die Zutaten des Festmahls. Dass Hannibal überhaupt etwas frisst, ist nicht selbstverständlich. „Ob und wann Hannibal die Torte verspeisen wird, können wir nicht sagen“, hatte Marianne Holtkötter, die Vize-Direktorin der Wilhelma, vorher angekündigt. So viel Trubel ist Hannibal nämlich nicht gewöhnt.

3000 Tiere in freier Wildbahn

Doch zum Glück: Hannibal hat sich einen gesunden Appetit bewahrt, auch wenn er ein biblisches Alter erreicht hat: 50 Jahre als Flusspferd entsprechen etwa 140 Menschenjahren. „Flusspferde werden im Normalfall zwischen 35 und 47 Jahre alt“, sagt Holtkötter. Das Verbreitungsgebiet reicht von Guinea bis zur Elfenbeinküste. In freier Wildbahn leben nach Schätzungen nur noch 3000 Exemplare.

Im Oktober 1966 kam Hannibal in Kopenhagen auf die Welt, 1967 zog er mit Flusspferd-Partnerin Nelli nach Stuttgart. Sechs Kinder hat das Zwergflusspferd in all den Jahren mit zwei Weibchen gezeugt. Diese Kinder und viele seiner zahlreichen Enkelkinder hat Methusalem Hannibal bereits überlebt.

Seit Partnerin Nelli 1995 starb, hat sich sein Hang zum Einsiedlertum verstärkt. „Früher war er noch angriffslustig, hat den Pflegern öfters die Zähne gezeigt“, erzählt Tierpflegerin Christin Zeltner. Zwergflusspferde seien im Gegensatz zu Großflusspferden zwar von Natur aus Einzelgänger, so Zeltner. Hannibal habe sich im Alter jedoch zu einem besonders bruddeligen Eigenbrötler entwickelt. „Er will keine Weibchen mehr um sich herum, keine Veränderung, und ist insgesamt ziemlich stur“, so die 24-jährige.

Körperlich ist das einzige Zwergflusspferd des Stuttgarter Zoos noch erstaunlich fit. Zwar seien die Sinneskanäle altersbedingt eingeschränkt, und ins Futter mische man morgens und abends kreislaufanregende Medikamente, wie Zeltner erklärt. Trotzdem, so Marianne Holtkötter, sei Hannibal ein erfreuliches Beispiel dafür, wie fit auch ältere Zootiere noch sein könnten. Mit 250 Kilo bewegt sich Hannibal am oberen Rand des Idealgewichts.

Nur vor einigen Wochen habe der Senior etwas geschwächelt, als sich ein langfaseriger Heu-Halm um einen Zahn gewickelt und für Komplikationen beim Kauen geführt habe. Seither prüfen die Pfleger Hannibals Kost noch penibler. Ob Karotten oder Bananen, alles wird durch den Wolf gedreht. Zwei Kilo Obst und Gemüse werden so täglich auf die Größe von Zwei-Euro-Münzen gehäckselt, um die abgenutzten Backenzähne zu schonen.

Nilpferde viermal so groß

Seine Beliebtheit beim Wilhelma-Publikum verdankt Hannibal übrigens einer Verwechslung. Viele Besucher hielten ihn aufgrund seiner Statur für ein Baby-Nilpferd, so Holtkötter. Verständlich: Die Nilpferde im Gehege nebenan sind viermal so groß.

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20.10.2016, 06:00 Uhr

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