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„Vor 2030 ist machbar“
Noch ist die Gäubahn, spätestens wenn sie die Landeshauptstadt Stuttgart verlässt, an vielen Stellen ein eingleisiges Nadelöhr. Das soll sich im Zuge der Umsetzung des Bundesverkehrswegeplans 2030 ändern die Umsetzung wird aber noch Jahre dauern. Foto: dpa
Gäubahn

„Vor 2030 ist machbar“

Der Bund gibt für den Streckenausbau 550 Millionen Euro. Politiker und Anrainer erwarten eine schnelle Umsetzung. Doch die wird noch Jahre dauern – und viel hängt von der Bahn ab.

11.01.2017
  • PETRA WALHEIM

Stuttgart. Nun, da der zweigleisige Ausbau der Gäubahn von Stuttgart nach Singen und weiter nach Zürich im Bundesverkehrswegeplan (BVWP) 2030 wieder in den „vordringlichen Bedarf“ hochgestuft wurde, sind die Erwartungen groß, dass die Umsetzung zügig erfolgt. Zurecht, sagen einige Politiker. Anders als in den vorherigen Bundesverkehrswegeplänen sei für die Projekte, die im aktuellen Plan stehen, die Finanzierung gesichert, betont Andreas Jung aus Konstanz. Er ist Vorsitzender der CDU-Landesgruppe Baden-Württemberg im Bundestag und hat sich mit vielen Mitstreitern massiv dafür eingesetzt, dass die Gäubahn wieder in die höchste Prioritätsstufe kommt.

Die könne dem Projekt einen deutlichen Schub geben. Doch nun zu erwarten, dass der Ausbau in den nächsten zwei Jahren fertig gestellt werde, sei unrealistisch. Für machbar hält Jung, dass das Projekt „deutlich vor 2030“ fertig wird. Dazu gehören der zweigleisige Ausbau von drei Streckenabschnitten sowie die Ertüchtigung der Trasse für den Einsatz von Neigetechnik-Zügen. Der Bund hat dafür 550 Millionen Euro bereitgestellt.

Der Ausbau der Gäubahn stand schon im BVWP 2015 im vordringlichen Bedarf, ohne dass das den Planungsprozess deutlich vorangebracht hätte. „Bisher gilt auf deutscher Seite: 20 Jahre diskutiert, 20 Jahre nichts passiert“, sagte Europaminister Guido Wolf, der auch Vorsitzender des Interessenverbands Gäu-Neckar-Bodensee-Bahn ist, im September. Da veröffentlichte das Land ein Gutachten, das nachweist, dass die Fahrzeit „mit moderatem Mitteleinsatz und durch den Einsatz von Neigetechnik-Zügen“ um 20 Minuten verkürzt werden könne. Das Gutachten führte dazu, dass das Verkehrsministerium das Projekt wieder in die höchste Dringlichkeitsstufe hievte.

Nun sei die Bahn am Zug, sagen Politiker und Interessenvertreter. Die Planungen für den zweigleisigen Ausbau des Abschnitts Horb-Neckarhausen sind schon weit gediehen. Jedoch nur deshalb, weil Region und Land die Planungskosten vorfinanziert haben. Nach Auskunft von Rainer Kaufmann, Geschäftsführer des Interessenverbands Gäu-Neckar-Bodenseebahn, liegen die Unterlagen beim Eisenbahn-Bundesamt als Planfeststellungsbehörde. Der nächste Schritt sei, das Projekt in den Investitionsrahmenplan zu bekommen. Der werde 2017 aufgestellt. Sobald das Eisenbahn-Bundesamt die Baugenehmigung erteile, „beim Hausbau ist das der Rote Punkt“, könnten die Ausführungsplanung, die Ausschreibung und die Vergabe erfolgen. In welchem zeitlichen Rahmen sich diese Schritte bewegen, darauf wollte sich Kaufmann nicht festlegen. Dafür gebe es zu viele Unbekannte, sagte er.

Ein weiteres Ziel sei, den Blick zu weiten und auf das Gesamtpaket zu richten. „Wir müssen Druck aufbauen, dass die Planungen für alle vorgesehenen Arbeiten begonnen werden“, sagt Kaufmann. Außer Horb-Neckarhausen sollen auch die Abschnitte Rottweil-Neufra und Rietheim-Wurmlingen im Kreis Tuttlingen zweigleisig ausgebaut werden. Außerdem soll die Singener Kurve so umgebaut werden, dass der Güterverkehr schneller fahren kann. Und die kurvenreiche Trasse soll für die Neigetechnik ertüchtigt werden. „Die Neigetechnik-Züge fahren mit bis zu 160 Stundenkilometern deutlich schneller als herkömmliche Züge“, sagt Andreas Jung. Aber nur so könne die Fahrzeit von aktuell knapp drei Stunden auf künftig zwei Stunden und 15 Minuten verkürzt werden.

Wie steht die DB zum Projekt?

Von verschiedenen Seiten wird die Vermutung geäußert, die Bahn habe wenig Interesse am Ausbau der Strecke und stehe der Neigetechnik distanziert gegenüber. Ihr Einsatz ist im Betrieb offenbar teurer. Zur Neigetechnik äußert sich die Bahn nicht. Auf Anfrage antwortet ein Unternehmenssprecher, „ein mögliches zukünftiges Betriebskonzept unter Einbeziehung von Neigetechnik-Zügen muss zu gegebener Zeit gesondert betrachtet und diskutiert werden“. Die Bahn stehe aber unverändert zum Ausbau der Gäubahn.

Wenn die DB die Neigetechnik nicht einsetzen wolle, tue das ein anderer Anbieter, sagt Andreas Jung. „Das ist eine Frage des Wettbewerbs.“

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11.01.2017, 06:00 Uhr

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