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Ein seltenes Patrozinium

Vor 250 Jahren wurde St. Anastasia geweiht

Sieben Jahren nach der aufwändigen Renovierung der Baisinger Kirche feiert die Kirchengemeinde dieses Jahr das 250-jährige Weihe-Jubiläum des Gotteshauses.

03.09.2012
  • Hete Henning

Baisingen. Es war am 19. August 1762, als Franz Karl Josef Graf Fugger, Weihbischof des Bistums Konstanz, die zuvor in siebenjähriger Arbeit gebaute Baisinger Kirche weihte. Dass Fugger am Tag danach noch den Baisinger Friedhof weihte und an die hundert Leute firmte, ist bekannt. Auch dass „Seine Hochbischöfliche Gnaden“ hernach ganz allein speiste und gegen 4 Uhr nachmittags nach „Sebrunn“ (vermutlich Seebronn) abreiste, ist überliefert. Warum die Baisinger Kirche jedoch der Heiligen Anastasia gewidmet wurde, einer Märtyrerin, die um 304 im heute serbischen Sirmium verbrannt wurde, nachdem sie sich vorher in Rom der Fürsorge für gefangene Christen widmete, ist völlig ungeklärt.

In Deutschland sind Anastasiakirchen dünn gesät. In der Anastasiakapelle im Kloster Benediktbeuern werden seit 1053 Reliquien der Heiligen aufbewahrt, schon im Mittelalter gab es Wallfahrten dorthin. Eine weitere Anastasia-Kapelle (Baujahr 1932) gibt es auf dem Münchner Waldfriedhof. Das dritte Gotteshaus, das der Märtyrerin gewidmet ist, ist die Baisinger Kirche.

Schon der Vorgängerbau war Anastasia gewidmet

Warum Anastasia? Auch der Rottenburger Stadthistoriker Dieter Manz steht dieser Frage hilflos gegenüber. Verbindungen nach Serbien könne man eigentlich ausschließen, sagt er. Beziehungen nach Bayern und damit eventuell nach Benediktbeuern habe es über die Baisinger Ortsherrschaft der Stauffenbergs zwar gegeben, doch seien sie in der Anastasia-Frage nicht ausschlaggebend. Die Stauffenbergs kamen erst im ausgehenden 17. Jahrhundert nach Baisingen – in der Kirche befindet sich das Grabmal des Johann Albrecht Schenk von Stauffenberg, der von 1655 bis 1727 lebte. Doch schon zwei Jahrhunderte zuvor, in einer Urkunde von 1473, wird eine Baisinger Kapelle mit St. Anastasia und St. Johannes als Nebenpatronen erwähnt. Manz vermutet, dass die Hauptpatronin dieser Kapelle, St. Katharina, bei der Barockisierung des gotischen Bauwerks im 18. Jahrhundert an die zweite Stelle rückte. Die erste urkundliche Erwähnung einer Kapelle in Baisingen stammt von 1258.

Erst Anfang des 19. Jahrhunderts wurde Baisingen – bis dahin von Eutingen abhängig – eine selbständige Pfarrei und bekam 1818 mit Thaddäus Köhler seinen ersten eigenen Pfarrer. Noch bis 1890 stand der gotische Westturm der Vorgängerkapelle. Dann wurde er unter der Leitung des Horber Oberamtsbaumeister Bihler und während der Ägide von Pfarrer Matthias Kögel abgerissen, das Kirchenschiff nach Westen hin verlängert, die Sakristei auf die Südseite verlegt und ein neuromanischer Turm gebaut. Dieser Turm, dessen Helm mit markanten grünen, schwarzen und gelben glasierten Ziegeln gedeckt ist, steht heute noch.

Zu den Schätzen von St. Anastasia gehören unter anderem zwei Figuren im Chor aus der Rottenburger Werkstatt des Bildhauers Heinrich Carl Amrein, die um 1700 entstanden: zum einen St. Jakobus der Ältere mit Pilgerstab, Pilgerhut und goldener Muschel, zum anderen St. Wendelin, der Schutzpatron des Viehs. Um 1500 entstand ein Standbild des heiligen Nikolaus, das Pfarrer Michael Walter 1862 in Börstingen ersteigerte und der Baisinger Pfarrkirche schenkte.

Der Kreuzweg ist ein echter Wohlfart

Ein Kreuzweg, von dem eine Weile vermutet wurde, er stamme von dem Expressionisten Otto Dix, wird inzwischen dem Maler Johannes Wohlfart zugeschrieben, der von 1936 bis 1969 in Rottenburg lebte und dann nach Graz zurückkehrte – „wir haben die Rechnung gefunden“, sagt Kirchenpfleger Adolf Hug. Der aus 14 unsignierten Holztafeln bestehende Kreuzweg war 1946 feierlich eingeweiht worden. Im Zuge einer Kirchenrenovierung im Jahre 1961 musste er 14 Gipsreliefs weichen und bekam nach der Restaurierung durch Josef Steiner aus Weiler vor sieben Jahren wieder seinen Platz im Kirchenschiff.

Letzeres geschah bei der großen Kirchenrenovierung vor sieben Jahren, die mit viel ehrenamtlicher und überkonfessioneller Arbeit der Baisinger und 340 000 Euro vom Bischöflichen Ordinariat bewerkstelligt wurde. Unter anderem wurden die Deckenbalken verkleidet, die alten Holzbänke aufgearbeitet und mit neuen Heizungen darunter versehen, die wertvollen Figuren gereinigt und die Innenwände von ihrer Patina befreit. Auch die Reiser-Orgel von 1968 bekam eine Generalüberholung verpasst, und der Sigmaringer Restaurator Jürgen Schulz-Lorch schuf das große abstrakte Deckengemälde mit dem Titel „Der aufbrechende Himmel“, das der Baisinger Kirche heute einen modernen Akzent verleiht.

Ein neues Gipsrelief zeigt die Patronin

Ein Bildnis der Kirchenpatronin Anastasia suchte man in Baisingen lange vergeblich. Anna-Maria Straub, 2. Vorsitzende des Kirchengemeinderats, weiß zwar von einem Buntglasfenster über dem früheren Haupteingang der Kirche, das die Heilige zeigte. Doch dieses Fenster sei irgendwann zerbrochen und nicht mehr ersetzt worden. Diesem Mangel hat jetzt Straubs Bruder Heinz Eith abgeholfen. Der in der Schweiz lebende Bildhauer und Kunsterzieher hat ein 1,20 Meter hohes Gipsrelief geschaffen, das die Märtyrerin mit langem offenen Haar und gefesselt mit schweren Eisenketten zeigt. Die Figur wird an der Wand der Treppe zur Empore angebracht und beim Festgottesdienst am Sonntag, 9. September, mit Weihbischof Johannes Kreidler feierlich enthüllt und geweiht.

Vor 250 Jahren wurde St. Anastasia geweiht
1762 wurde St. Anastasia geweiht, beim Umbau 1890 bekam die Kirche ihr heutiges Aussehen im neoromanischen Stil. Bild: Henning

Vor 250 Jahren wurde St. Anastasia geweiht
Mit schweren Ketten gefesselt ist die Heilige Anastasia des in der Schweiz lebenden Kunsterziehers und Bildhauers Heinz Eith. Im Festgottesdienst am 9. September wird das 1,20 Meter hohe Gipsrelief enthüllt.Bild: Zabota

Mit einem Festgottesdienst feiert die Baisinger Kirchengemeinde St. Anastasia am Sonntag, 9. September, um 10 Uhr das 250-jährige Bestehen ihrer Kirche. Während des Gottesdienstes, den Weihbischof Johannes Kreidler zelebriert, wird auch ein neues Gipsrelief der Kirchenpatronin St. Anastasia an der Treppenwand zur Empore enthüllt. Nach einem gemeinsamen Mittagessen in der Schloss-Scheuer ist im Schloss-Saal eine Ausstellung zur Geschichte der Kirche zu sehen, in der zum Beispiel alte Taufuntensilien gezeigt werden. Außerdem ist am Festsonntag die katholische Bücherei geöffnet. Auch die Gewinner eines Malwettbewerbs für Kinder werdem bekanntgegeben. Die Aufgabe bestand darin, die schönste Baisinger Kirche beziehungsweise die schönste Anastasia zu malen.

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03.09.2012, 12:00 Uhr

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