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Das königliche Ausflugsziel

Vor 40 Jahren wurde der Schönbuch zum Naturpark

Dieses Jahr wird der Naturpark Schönbuch 40. Das soll gefeiert werden. Aber großflächig erweitern muss man den kleinsten Naturpark des Landes deshalb nicht. Die „Vision“ von der Erweiterung hatte im Herbst der Böblinger Landrat lanciert – und wurde in Tübingen ausgebremst: „Das hätte nicht gepasst“, heißt es.

09.01.2012
  • Martin Mayer

Tübingen. Dem Böblinger Landrat Roland Bernhard ging es um Fördergelder. Doch sein Vorschlag, das Heckengäu dem Naturpark Schönbuch anzugliedern, gefiel weder dem Tübinger Landrat Joachim Walter, noch überzeugte er die Naturpark-Verwaltung in Bebenhausen. Das Heckengäu mit seinen Streuobstwiesen, Wacholderheiden, Silberdisteln und Dolinen schließt zwar im Westen an Herrenberg an, erstreckt sich aber auf rund 1100 Quadratkilometern bis in den Nordschwarzwald.

Die Tübinger hatten „von Anfang an“, wie Landrat Walter sagt, „große Bedenken, dass der Charakter des Schönbuchs durch eine so massive Erweiterung völlig verändert werden“ würde. Dennoch trafen sich Ende Oktober im Bebenhäuser Schloss die drei Landräte aus Tübingen, Böblingen und Esslingen sowie der Erste Landesbeamte des Kreises Reutlingen zum Schönbuch-Gipfel.

„Gemeinsam wurde über Optionen für eine Erweiterung des mit 15.600 Hektar kleinsten Naturparks in Baden-Württemberg diskutiert“, hieß es danach in einer Erklärung. Statt einer großen Erweiterung kämen nur „kleinere Arrondierungen“ infrage. Der Schönbuch, der von allen Naturparks im Land den höchsten Waldanteil hat, dürfe in seiner Identität „nicht gefährdet“ werden. Für Arrondierungen am Schönbuch-Rand soll die Naturpark-Verwaltung nun Vorschläge erarbeiten.

„Wir prüfen das jetzt mal“, sagt Geschäftsführer Mathias Allgäuer. „Theoretisch denkbar“ sei, dass man den Naturpark Schönbuch „Richtung Siebenmühlental erweitert“ oder dass man auch die Gemeinden der sogenannten Schönbuch-Lichtung in das Naturpark-Gebiet aufnimmt.

Waldenbuch etwa oder Weil im Schönbuch signalisieren schon mit ihren Ortsnamen, dass sie im ehemaligen Jagdrevier der württembergischen Könige liegen. Der Waldenbucher Bürgermeister Michael Lutz ist zurzeit Vorsitzender des Schönbuch-Fördervereins. Doch die auf Waldenbucher Markung liegende und 2008 als Kulturerbe wieder hergerichtete „Neuweiler Viehweide“ (eine historische Waldweide) hatte keine Chance, Fördergelder zu erhalten, weil sie außerhalb des Naturparks liegt. Ein Fall, der dem Böblinger Landrat als Anlass zu seinen Erweiterungsplänen diente.

Wenn das Schutzgebiet am Waldrand endet

Für Mathias Allgäuer ist das ein Beispiel, wo eine Ausweitung des Naturpark-Areals „Sinn macht“. Auch am Südrand des Schönbuchs, entlang der B 28 zwischen Tübingen, Ammerbuch und Herrenberg, verlaufe die Naturparkgrenze „oben am Wald lang“. Wo es die Besitzstrukturen zulassen, seien Arrondierungen möglich, meint Allgäuer.

Er weiß aber auch: Die Sache könnte kompliziert werden. Denn „mit den Gemeinden besprochen“ ist das Ganze noch nicht. Weder im Ammerbucher noch im Dettenhäuser Rathaus kennt man die Pläne. Landrat Walter will erst auf die Gemeinden zugehen, wenn tatsächlich konkrete Vorschläge von der Naturpark-Verwaltung vorliegen. „Aber ob es überhaupt soweit kommt, muss man sehen“, sagt er.

Sicher ist indes, dass der Schönbuch 2012 als ältester Naturpark im Land gefeiert wird. Das vorläufige Programm zu dem 40er-Fest umfasst laut Mathias Allgäuer gut 80 Veranstaltungen. Zwei der größten:

Am 15. Juli steigt das Jubiläums-Fest mit Minister in Herrenberg.

Auf Tübinger Kreisgebiet ist der herausragende Termin der 3. Oktober: Da wird mit einem Publikumsfest in Bebenhausen mahnend an die Dianenjagd von 1812 erinnert, die der „schwäbische Zar“ König Friedrich vor 200 Jahren auf einem eigens hergerichteten Gelände zwischen Bebenhausen und Lustnau ausrichten ließ. Mehr als 800 Tiere wurden damals von den über 200 Hofjägern des dicken Friedrich hingemetzelt. – Da meuterten sogar die 7.000 zur Jagd bestellten Treiber.

Vor 40 Jahren wurde der Schönbuch zum Naturpark
So ein protziges Jagdfest hätte sich König Friedrich im Naturpark Schönbuch nicht erlauben dürfen. An die „Dianenjagd“ vom Herbst vor 200 Jahren wird heuer zur Feier des 40-jährigen Bestehens des Naturparks erinnert. Ein Originaldruck dieser Lithografie von Friedrich Müller hängt im Dettenhäuser Schönbuch-Museum.

Ende der 1960er-Jahre wollten Landespolitiker einen Stuttgarter Groß-Flughafen im Schönbuch hochziehen – geballte Proteste aus dem Kreis Tübingen verhinderten das. Am 27. März 1972 wurde daraufhin der Naturpark Schönbuch per Verwaltungsvereinbarung der Landkreise Böblingen, Tübingen, Reutlingen und Esslingen, der Anrainer-Gemeinden und dem Land Baden-Württemberg gegründet. Das 15 600 Hektar umfassende Gebiet zwischen Herrenberg, Schlaitdorf, Waldenbuch und Tübingen ist der älteste und kleinste Naturpark im Land. Und zugleich mit 86 Prozent Waldanteil auch der waldreichste: Jahrhundertelang diente der Schönbuch den Bauern als Waldweide – und den württembergischen Herzögen und Königen als Jagdrevier. Heute ist der Naturpark das größte zusammenhängende Waldgebiet im Stuttgarter Ballungsraum – Jahr für Jahr gern besucht von Millionen von Wanderern, Radlern und Naturliebhabern. Verwaltet wird der Naturpark von der Forstabteilung des Regierungspräsidiums Tübingen in Bebenhausen (ehedem: Forstdirektion). Seit Mai 1991 gibt es auch einen Förderverein für den Naturpark Schönbuch.

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09.01.2012, 12:00 Uhr

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