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Kumpels abgezockt

Vor Strafe schützt auch das Bewahren vor einem Drogenrausch nicht

Obwohl er seine Kumpels vor einem Drogenrausch bewahrt hatte, stand ein Zwanzigjähriger in Horb vor Gericht. Ihn wurde Betrug in drei Fällen und dazu noch ein Diebstahl zur Last gelegt. Alle Fälle sollen sich von Februar bis April 2014 abgespielt haben, doch so ganz genau wussten das alle Beteiligten nicht mehr –sofern sie überhaupt im Gerichtssaal erschienen waren.

10.06.2015
  • Hans-Michael Greiss

Horb. Bei den geringeren Beträgen von 20 und 30 Euro gab der Angeklagte seine Taten umfassend zu; bei einem größeren Handel mit Marihuana wand er sich und stritt den ihm vorgeworfenen Diebstahl rundweg ab. Nach seiner Darstellung habe ihn ein Freund nach Marihuana gefragt, das er ihm zu beschaffen versprach. Als Vorkasse bekam er dafür 20 Euro, jedoch lieferte er nicht, da er beabsichtigt hatte, seinem Kunden weder Geld noch Ware auszuhändigen. Kurze Zeit später bat derselbe Freund den Angeklagten, für einen anderen Kumpel Rauschgift zu beschaffen. Er hinterlegte in einer Zigarettenschachtel unter der Mülltonne hinter dem Haus den Kaufpreis von 30 Euro. Als die beiden jedoch merkten dass sie „abgezockt“ worden waren, erstatteten sie Anzeige.

Als abenteuerliche Landkreis-Reise beschrieb der Zwanzigjährige die dritte Beschaffungstour, als er ohne Geld etwa 50 Gramm Marihuana kaufen wollte, aber nur 17 bekam, die er, wie er sagte, nicht bezahlte, sondern vielmehr dem Händler androhte, ihm Schmerzen zufügen zu wollen. Zu klaren Aussagen darüber konnte er sich nicht äußern, Richter Christian Ketterer gelang es nicht, eindeutig zu erfahren, wer denn nun wem gedroht haben wollte.

Zur selben Zeit der ihm vorgeworfenen Betrügereien übernachtete er mit seiner Freundin bei einem Bekannten, als dessen Mutter abwesend war. Nach deren Rückkehr fand diese ihr Sparschwein geleert vor und verband den Verlust mit dem Aufenthalt des Angeklagten in ihrem Haus. Nach dieser Tat befragt, brachte der Angeklagte alle Taten durcheinander und bejahte alle Fragen, bis Richter Ketterer ihn belehrte: „Sie können jetzt jede Frage mit Ja beantworten und jede schließt die andere aus.“

Einen größeren Geldbetrag, den der Angeklagte zu jener Zeit bei sich führte, und dem der Bestohlenen entsprach, erklärte er, an einem Glücksspielautomaten gewonnen zu haben. Woher indes der Betrag für den Spieleinsatz kam, wusste er nicht zu beschreiben.

Einer der „abgezockten“ Kunden, ein siebzehnjähriger Schüler, verwies auf seine Erinnerungslücken, dass alles „schon eine Weile her“ sei. Sein gleichaltriger Kumpel erzählte von SMS-Kommandos und Geld, aber eine Linie der Aussage war nicht zu verfolgen.

Die bestohlene Sparschweinfütterin konnte zwar Material und Farbe ihres Plastik-Haustieres genau zu Protokoll geben, verwickelte sich aber derart in Widersprüche über die Höhe des Betrages und Zeitpunkte der Leerung, dass Richter Ketterer diesen Anklagepunkt fallen ließ und das Verfahren einstellte.

Die Vertreterin der Jugendgerichtshilfe zeichnete das Bild eines orientierungslosen unreifen Jugendlichen, der sich gegen vorgegebene Strukturen wehre und dem es an Anpassungsfähigkeit mangele. Da ihm aber eine Probearbeit bevorstehe, bat sie, von einer Arreststrafe abzusehen. Sie verwies auf die Gespräche der Suchtberatung, die Begründung zur Hoffnung zeigten.

Dieser Argumentation zeigte sich Richter Ketterer aufgeschlossen und bot mit seinem Urteil die helfende Beratung in weiteren Gesprächen; dazu verlangte er den Nachweis einer dauerhaften Beschäftigung während der nächsten sechs Monate – ansonsten werde die Strafe in 60 Sozialarbeitsstunden umgewandelt.

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10.06.2015, 12:00 Uhr

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