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Wohin mit all den Rädern?

Vor der Entscheidung zum Busbahnhofs-Umbau soll die Fahrrad-Frage geklärt werden

Noch in diesem Monat soll sich der Gemeinderat für eine der beiden Busbahnhof-Varianten aussprechen. Dem Planungsausschuss fiel das am Montag schwer. Er will zuerst konkrete Pläne für die Fahrrad-Abstellplätze haben. Das Bauamt arbeitet nun mit Hochdruck daran.

07.07.2015
  • Sabine Lohr

Tübingen. „Uns ging die Zeit aus“, sagte Baubürgermeister Cord Soehlke, nachdem der Planungsausschuss am Montag seine nicht-öffentliche Sitzung bereits um eine Stunde überzogen hatte. In zwei Wochen soll es deshalb noch eine Sondersitzung geben, bei der die strittigen Fragen zum neuen Busbahnhof geklärt werden.

Zur Erinnerung: Es liegen zwei Varianten vor. Bei beiden ist der Busbahnhof vor dem Hauptbahnhof angelegt als langer, schmaler Riegel. In der ersten Variante fahren die Busse um einen Mittelsteig herum. In der zweiten ist eine Straße vorgesehen, auf der die Busse hin- und herfahren. Variante 1 ist eine reine Verkehrsanlage, Variante 2 ist die städtebaulich ansprechendere, weil vor dem Bahnhof mehr Platz ist. Eine TAGBLATT-Umfrage unter den Fraktionsvorsitzenden ergab eine klare Tendenz zu Variante 2.

Beiden Varianten gleich ist ein Problem: Die Fahrradstellplätze sind noch nicht konkret ausgetüftelt. Bisher gibt es lediglich Ideen. Vor dem Bahnhof sollen, so die Vorstellung der Verwaltung, möglichst wenige Räder stehen. Abstellplätze könnten in einer Tiefgarage sein, zu der die Fußgänger-Unterführung umgebaut werden könnte. Oder die Räder kommen in einem Parkhaus am Rand des Anlagenparks unter. Oder in der Expressguthalle.

Ernst Gumrich von der Tübinger Liste plädiert für diese Halle. Die steht zwar auf der Trasse der Regionalstadtbahn, aber, so Gumrich: „Ich fress einen Besen, wenn die Stadtbahn realisiert wird.“ Die Tiefgarage hält er für eine „Mogelpackung“ und keine gute Idee. Frauen würden dort abends bestimmt nicht gerne hineingehen. Außerdem wäre der Umbau der Unterführung in eine Fahrradgarage zu teuer. Und er würde den Baufortschritt blockieren.

Gleis 1 als Fahrradparkplatz

Christoph Joachim von AL/Grünen hat gleich zwei Vorschläge. Er wünscht sich ein Parkhaus für Fahrräder – an der Ecke des Anlagenparks hinter dem neuen Busbahnhof. „Ein Radparkhaus wäre für Tübingen super“, sagt er. Außerdem habe die Stadt bei der Auszeichnung als fahrradfreundliche Kommune eine Hausaufgabe bekommen: das Rad-Abstellproblem am Hauptbahnhof zu lösen. Andernfalls würde Tübingen die Auszeichnung nicht mehr bekommen. Außerdem, so Joachim, müsse geklärt werden, ob die Räder nicht an Gleis 1 im Hauptbahnhof abgestellt werden könnten. Baubürgermeister Cord Soehlke hat bereits zugesagt, darüber mit der Bahn zu sprechen. Außerdem wünscht sich Joachim Fahrradboxen am Bahnhofseingang in der Hegelstraße und eine „zumutbare Rad-Verbindung zwischen Jugendcafé und Epplehaus“.

„Der Bahnhofsvorplatz wird Radabstellplatz bleiben“, befürchtet Rudi Hurlebaus von der CDU-Fraktion. Radfahrer würden sich wie Fußgänger den kürzesten Weg suchen und deshalb Abstellplätze, die zu weit vom Bahnhof weg sind, nicht annehmen. Hurlebaus hält die Expressguthalle für zu klein: „Da passen vielleicht 100 Räder rein – man muss ja auch noch Wege haben, auf denen man ein Rad durchschieben kann.“ Er plädiert deshalb für ein Parkhaus – „ob elektronisch und gebührenpflichtig, muss man noch sehen.“

Auch Dietmar Schöning (FDP) glaubt, dass Fahrradfahrer ihre Räder einfach vor dem Bahnhof abstellen – auch wenn es eine Tiefgarage oder ein Parkhaus gibt. „Das Problem ist, dass man das nicht steuern kann. Das sagen alle einschlägigen Fachleute – außer die von der Stadtverwaltung.“ Auch Pendler, die ihr Rad den ganzen Tag abstellen, würden vermutlich eine Tiefgarage oder ein Parkhaus nicht annehmen – „auch die suchen den kürzesten Weg.“ Schöning spricht sich im Übrigen für Variante 1 aus – „eine Minderheitenmeinung“.

„Viel zu weit weg“ sei die Unterführungs-Tiefgarage für Radfahrer, findet auch Gerlinde Strasdeit (Linke). „Da muss man sich noch andere Lösungen überlegen.“

Martin Sökler (SPD) hält das Rad-Abstellproblem für nicht sehr dringlich. „Das haben wir ja bei beiden Varianten.“ Die SPD plädiere ganz klar für Variante 2, sagt er. „Das ist die städtebaulich bessere – es ist mehr ein Boulevard, mehr Stadtraum. Da ist auch noch Platz für ein Café. In Variante 1 beherrscht der Verkehr alles.“ Gleichwohl wünscht sich auch Sökler konkretere Lösungen für das Fahrradproblem. „Wie soll die Tiefgarage aussehen? Wo soll die Rampe dafür gebaut werden? Wo wird es oberirdische Abstellflächen geben?“

„Wir haben bisher lediglich die Potenziale gezeigt, die die beiden Varianten für Fahrräder haben“, sagte Baubürgermeister Cord Soehlke gegenüber dem TAGBLATT: Weil die Fraktionen es nun aber konkreter haben wollen, bevor sie eine Entscheidung fällen, arbeite die Bauverwaltung jetzt mit Hochdruck daran, die gewünschten Pläne fertigzustellen. Zwei Entwürfe verspricht Soehlke. Er will sie in einer Sondersitzung des Planungsausschusses am 20. Juli einbringen.

Über die Varianten spricht der Gestaltungsbeirat am Freitag, 24. Juli, ebenfalls in einer Sondersitzung zum Europaplatz. Zu dieser Sitzung hat Soehlke den Verkehrsplaner Hartmut Topp eingeladen. Außerdem werden Stadträte dabei sein. Am Ende dieser Sitzung soll, so hofft Soehlke, eine Empfehlung ausgesprochen werden. An die kann sich der Gemeinderat dann halten – oder auch nicht.

Vor der Entscheidung zum Busbahnhofs-Umbau soll die Fahrrad-Frage geklärt werden
800 bis 1000 Fahrräder stehen täglich vor dem Hauptbahnhof. Mit dem Umbau des Busbahnhofs sollen sie von dort verschwinden. Archivbild: ADFC

In beiden Varianten sind bisher keine Bussteige eigens für Fernbusse vorgesehen. Sie könnten, so schlug die Verwaltung vor, in der Hegelstraße halten. Auf Wunsch der CDU wurde eine dritte Variante erarbeitet, in der auf dem Baufeld (wo der Busbahnhof jetzt ist – dort sollen Gebäude entstehen) Haltestellen für Fern- und Touristikbusse vorgesehen sind. Diese Variante scheint – außer für die Linke – vom Tisch zu sein. Laut Cord Soehlke werden in den beiden favorisierten Varianten jeweils zwei Haltestellen für Fernbusse eingezeichnet. Dies war ein Wunsch von CDU, Linken und TÜL. Für Fernbus-Haltestellen in der Hegelstraße plädieren dagegen AL/Grüne, SPD und FDP. Diese drei Fraktionen haben mit zusammen 21 Stimmen die knappe Mehrheit.

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07.07.2015, 12:00 Uhr

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