Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Bauausstellung

Vor der Krise handeln

In diesem Jahr werden die entscheidenden Weichen für die IBA 2027 gelegt. Für den Chefkoordinator Walter Rogg ist es der Beginn „eines großen Abenteuers“.

12.01.2017
  • UWE ROTH

Zehn Jahre. Zehn Jahre. Das klingt nach einer Menge Zeit. 2027 werden die Ergebnisse der Internationalen Bauausstellung (IBA) in der Region Stuttgart präsentiert. In einem Jahrzehnt also wird Bilanz gezogen. Es wird sich zeigen, wie viele Zukunftsideen der Stadt-, Landschafts- und sonstigen Planer am Ende Realität geworden und welche auf der Strecke geblieben sind.

Walter Rogg ist Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Stuttgart (WRS) und von der Regionalversammlung im zurückliegendem Dezember beauftragt worden, die IBA zum Erfolg werden zu lassen, auch wenn seine Aufgabe ungeheuer komplex ist und ihm keiner widerspricht, wenn er diese „ein großes Abenteuer“ nennt. Den Regionalräten dürfte bei der Abstimmung bewusst gewesen sein, dass nach ihrem Startschuss die IBA nicht zum Selbstläufer wird. So hat beispielsweise Berlin seine IBA-Planungen 2010 mit vielen Ideen gestartet, aber nach dreijähriger Diskussion aus Kostengründen wieder eingestellt. Bei der seit 2011 laufenden IBA Thüringen beschäftigt man sich aktuell weniger mit städtebaulichen Visionen als ganz pragmatisch mit Nutzungsmöglichkeiten der vielen leerstehenden Kirchengebäude oder dem Bau einer Tank- und Rastanlage an der A 71.

Milliardeninvestition

Die Mitglieder der Regionalversammlung haben mit der Einwilligung angesichts der Komplexität des Vorhabens ihr politisches Risiko vorerst gering gehalten. Das Budget für 2017 ist auf 850 000 Euro begrenzt, was in diesem Jahr für den Aufbau einer IBA-Geschäftsstelle reichen muss. Im Frühjahr soll damit begonnen werden. Diese wird kostengünstig in den Räumlichkeiten der WRS eingerichtet und soll von einer Persönlichkeit geleitet werden, die „die Qualitäten eines klugen und renommierten Festspielintendanten“ haben müsse. Das hat nach der Erinnerung von Rogg der frühere Stuttgarter Baubürgermeister Matthias Hahn gesagt. Einen solchen Geschäftsstellenleiter gibt es nicht nach Beamtentarif, und so ist für Rogg noch völlig offen, ob es eine haupt- oder ehrenamtliche Stelle in Voll- oder Teilzeit werden wird.

Mindestens fünf Mitarbeiter sollen das Kernteam bilden; im Präsentationsjahr 2027 könnten es „30 bis 40 Leute“ sein. Diese müssten Projekte zum Abschluss bringen, die zusammen mehrere Milliarden Euro gekostet haben werden.

Dies sind gewaltige Summen, die neben staatlicher Förderung und Investitionen von Unternehmen hauptsächlich von den Gemeinderäten in den Kommunen der Region genehmigt werden müssen. Und die halten es gern mit Ex-Bundeskanzler Helmut Schmidt, der bei Visionen Arztbesuche empfohlen hat. Wie schwer sich Kommunalpolitiker tun, sich „auf ein Abenteuer“ einzulassen, zeigen aktuell im Remstal die Planungen der interkommunalen Gartenschau 2019, bei der schon einige Projektideen dem Sparwillen von Gemeinderäten zum Opfer gefallen sind.

Doch gerade am Geld sollte die IBA der Region Stuttgart nicht scheitern, sagt der WRS-Chef. „Wir planen aus der Position der Stärke heraus.“ Die IB-Ausstellungen der vergangenen 100 Jahre seien gemacht worden, um eine Stadt oder Region aus einer Strukturkrise zu bringen. Ein Beispiel dafür ist die IBA Emscher Park in Nordrhein-Westfallen, die 1999 zu Ende gegangen ist und mit Investitionen von 2,5 Milliarden Euro aus dem klassischen Ruhrgebiet einen modernen Wirtschaftsstandort gemacht hat.

Antworten auf Zukunftsfragen

„Diesen Transformationsdruck haben wir nicht. Aber ein Strukturwandel ist absehbar“, sagt Rogg. Nicht in einer Krise zu handeln, sondern rechtzeitig davor, wenn Geld noch ausreichend vorhanden sei, dieser Ansatz sei „eine IBA der neuen Generation“. Als Stichworte für den sich abzeichnenden Wandel nennt Rogg die Elektromobilisierung, Wirtschaft 4.0 oder auch den demografischen Wandel. In den kommenden Jahren werden nach den Worten von Rogg 150 000 in der Region Beschäftigte in Rente gehen, aber nicht wegziehen. Die ihnen auf den Arbeitsplatz folgten, müssten aber auch irgendwo wohnen. „Wie dies zu organisieren ist, wirft einige Fragen auf.“ Antworten müssten sein, Arbeiten und Wohnen wieder mehr in räumliche Nähe zu bringen, aber auch mehr Menschen auf weniger Wohnraum unterzubringen, ohne dass die Lebensqualität verringert werde.

Nicht pragmatisch wie in Thüringen, sondern durchaus visionär, am Ende aber umsetzbar sollen die Vorschläge sein, fasst Rogg die Kernelemente der IBA zusammen. Weil nicht Lösungen gesucht werden, die auf die Region zugeschnitten sind, sondern die Frage allgemein im Raum steht, wie die Menschen in der Zukunft leben wollen, sieht Rogg „diese IBA für ganz Baden-Württemberg“ relevant. So könnten sich bei ihm beispielsweise Unternehmen oder gesellschaftliche Gruppen aus dem ganzen Land, die sich mit solchen Themen beschäftigen, melden und sich an der Gestaltung der IBA beteiligen. „Noch können wir die Zukunft gestalten.“

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

12.01.2017, 06:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball