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Kommentar zur SPD-Landtags-Kandidatur

Vorfahrt für den Vorsitzenden?

Nichts Genaues will man nicht wissen. Und es auf keinen Fall sagen. Das war bei der Reutlinger SPD schon so, als durchsickerte, dass ihr Landtagsabgeordneter Rudolf Hausmann 2011 nicht mehr antreten will. Seit sein formaler Rückzug bekannt ist, verbieten sich – wenn es nach dem Willen der Partei geht – Nachfolger-Diskussionen. Der SPD-Kreisvorsitzende und Stadtrat Sebastian Weigle versucht, die Fäden in der Hand zu halten.

02.02.2010

Bei der Pressekonferenz, auf der Hausmann bekanntgab, 2011 auf eine Kandidatur zu verzichten, stellte Weigle zwar eine Findungskommission vor. Er betonte aber auch, dass er als Kreisvorsitzender zusammen mit seiner Tübinger Kollegin Dorothea Kliche-Behnke im Zweifel einen Kandidaten vorschlagen werde. Und dabei machte Weigle, der heute 32 Jahre alt wird (Herzlichen Glückwunsch!), keinen Hehl daraus, dass der Betzinger SPD-Stadtrat und Bezirksbürgermeister Thomas Keck, der sich für das Stuttgarter Mandat interessiert, nicht sein Kandidat Nummer eins ist.

Er versuchte, die Bewerbung seines Gemeinderats-Nebensitzers sogar herunter zu spielen: Keck habe sich aufs Pferd lupfen lassen, sagte er – und: „Ich halte das alles noch nicht für so offiziell, wie es im TAGBLATT steht.“ Außerdem kündigte der Kreisvorsitzende im Zusammenhang mit der Hausmann-Nachfolge eine Überraschung an.

Diese könnte – so wird in Reutlingen seit einigen Tage spekuliert – ein 36-jähriger Parteigenosse Weigles sein. Kein gewöhnlicher Genosse sogar, sondern der SPD-Landesvorsitzende Nils Schmid (Bild). Die SPD im Land sorgt sich schon länger um die Karriere ihres Chefs, weil dessen Wahlkreis Nürtingen wackelt. Der Grund: eine Änderung des Wahlprozederes. Gab bisher die absolute Stimmenzahl den Ausschlag, welcher Bewerber in einem Regierungsbezirk zum Zug kam, so zählt künftig das bessere Prozentergebnis. Da die SPD ihren Landeschef aber auch nach 2011 im Parlament sehen will, ist sie seit geraumer Zeit auf der Suche nach einem sichereren Startplatz in einem Wahlkreis, in dem der amtierende Abgeordnete nicht mehr antritt.

Das sicherste Pflaster unter diesen Voraussetzungen ist Reutlingen. Deshalb geht man inzwischen auch auf Landesebene davon aus, dass sich Schmid, der fürs TAGBLATT gestern nicht zu erreichen war, in Reutlingen bewerben könnte. „Es ist ja bekannt, dass er sucht“, sagte Tübingens Landtagsabgeordnete Rita Haller-Haid gestern auf Anfrage. Und ergänzte: „Und so weit weg wohnt er ja nicht.“

Zur Frage, ob sich bei der Wahlkreisversammlung im März auch Nils Schmid den Reutlinger und Tübinger Genossen vorstellen wird, wollte sich Sebastian Weigle zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht äußern. „Ich kann dazu keine Aussage machen, wir haben uns auf ein Verfahren festgelegt. Und es wird viel spekuliert.“ Letzteres aber offenbar so konkret, dass Thomas Keck sagt: „Die Befürchtung, dass Nils Schmid hier antreten will, habe ich auch.“ Der Betzinger Bezirksbürgermeister, der sein Interesse als erster angemeldet hat, fürchtet, dass in dieser Konstellation für ihn „wenig zu holen“ wäre. „Der Vorsitzende sollte ja schon drin sein“, sagt er. Und: „Aber das wäre schon die Härte.“ Und das nicht nur für ihn, sondern auch für jene Reutlinger Genossen, die dem Vorsitzenden nicht einfach die Vorfahrt gewähren wollen. Die Frage ist: Kann Reutlingen die Nachfolge immer noch aus eigener Kraft und aus den eigenen Reihen regeln – trotz der Personalie. Nichts Genaues weiß man nicht. Matthias Stelzer

Vorfahrt für den Vorsitzenden?
Nils Schmid

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02.02.2010, 12:00 Uhr

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