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Die Geschichte vergeht wie im Flug

Vorgeschmack auf die Eutinger Flugplatz-Festschrift

EUTINGEN (la). Lust auf noch mehr Flugplatzgeschichte machte Karl Kramer, als er bei der Mitgliederversammlung der Volksbank Einblicke in die zu erwartende Festschrift zur 70-jährigen Geschichte des Eutinger Flugplatzes gab.

22.03.2006

Die Festschrift ist nicht nur eine heimatgeschichtliche Dokumentation des geschichtsträchtigen Geländes, sondern auch eine interessante Sozialstudie früherer Eutinger Lebensumstände. Karl Kramer, der als Moderator der Arbeitsgruppe zur Aufarbeitung der Eutinger Flugplatzgeschichte aktiv ist, gab in seinem Vortrag am Freitag einen Einblick in das reichhaltige Bild- und Datenmaterial, das die Arbeitsgruppe gesammelt hat. Pünktlich zum 50-jährigen Jubiläum des Flugsportvereins Rottenburg-Horb wird die Festschrift aufgelegt.

Zeitzeugen und ihre Nachkommen steuerten Bilder und Erzählungen besonders aus den Jahren 1936 bis 1956 bei. Das bereichert die rein geschichtliche Dokumentation um die Erfahrungen und Lebensumstände der damaligen Bevölkerung. Wie Karl Kramer ausführte, waren weder die Gemeinden noch die betroffenen Grundstücksbesitzer glücklich über die Entscheidung des Deutschen Reiches, auf der bislang landwirtschaftlich genutzten Fläche zwischen Eutingen, Göttelfingen und Ergenzingen einen Militärflugplatz anzulegen. Im Schriftwechsel zwischen dem Reichsnährstand und den betroffenen Gemeinden ist dokumentiert, dass die Entscheidung für den militärischen Flugplatz im Oktober 1936 fiel. Baubeginn war im Januar 1937. Im April 1939 beliefen sich die Baukosten auf 2,23 Millionen Reichsmark.

Im August 1939 ging der Flugplatz in Betrieb. Ein Jagdgeschwader, bestehend aus drei Staffeln und 27 Jagdflugzeugen, wurde nach Eutingen verlegt. Im Juni 1940 traf Adolf Hitler mit seinem Reiseflugzeug auf dem Eutinger Flugplatz ein, um von dort im Autokorso über Horb und Freudenstadt nach Tannenberg ins eigens für den Frankreichfeldzug errichtete Führerquartier weiterzufahren. Kindergartenkinder und ganze Schulklassen begrüßten, wie zu jener Zeit üblich, den damaligen Reichskanzler. Von Juli 1941 bis Juni 1944 wurden auf dem Eutinger Flugplatz Pilotenausbildungen durchgeführt.

Eindrucksvoll schilderte Kramer die Auswirkungen des Militärflugplatzes auf die Eutinger Zivilbevölkerung. Die Nähe des Flugplatzes erschwerte der Bevölkerung das Leben in Kriegszeiten zusätzlich. Bauern mussten hohe Kontingente ihrer landwirtschaftlichen Produktion abliefern. Menschen, die weder Geld noch Landwirtschaft hatten, versuchten sich mit Tauschgeschäften über Wasser zu halten. Es entstand auch in Eutingen ein reger Schwarzmarkthandel. Gegen Kriegsende, so Kramer, hatte die Bevölkerung besonders unter dem Beschuss durch Jagdflugzeuge zu leiden. Von den Piloten seien weder Mensch noch Nutztier geschont worden. Da Nachtangriffe seltener waren, haben man die Feldarbeit vor Tagesanbruch oder nach der Dämmerung erledigt und Beerdigungen auf den Abend verlegt.

Am 18. April 1945 marschierten die Franzosen in Eutingen ein. Auf dem Flugplatz waren zuvor noch von deutschen Soldaten die wichtigsten Einrichtungen und der Munitionsbunker gesprengt worden. Im Herbst 1945 wurde das Flugplatzgelände von der französischen Besatzungsbehörde teilweise freigegeben. Von den ursprünglich 104 Hektar konnten 73 Hektar wieder landwirtschaftlich genutzt werden. Die Franzosen ließen den Flugplatz durch Dienstverpflichtete instand setzen. Anfang der 50er Jahre endete die militärische Nutzung des Flugplatzes. Bis zum Ende der 80er Jahre betrieben die Franzosen dort ein Tanklager. 1985 wurde das Flugplatzbahngleis zurückgebaut.

Heute betreibt die NABU-Ortsgruppe auf der ehemaligen Tanklagerfläche nach deren Sanierung aktiven Naturschutz. Südlich davon wurde das Postfrachtzentrum angesiedelt. Der längste Nutzer einer Teilfläche des ehemaligen Flugplatzes ist der Flugsportverein Rottenburg-Horb, der im Juli sein 50-jähriges Bestehen feiert.

Vorgeschmack auf die Eutinger Flugplatz-Festschrift
Das benachbarte Scheingehöft, in dem auch die Kommandantur untergebracht war, diente zur Tarnung des Militärflughafens. Das Ochsengespann des Bauernhofes wurde auch beim Bau des Flugplatzes eingesetzt. Das Fuhrwerk wurde eigens für den Bau des Flugplatzes angeschafft. Mit dem Holz aus Eutinger Wäldern wurden in den Boden eingelassene Flugabwehrstellungen gebaut.

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22.03.2006, 12:00 Uhr

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