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Hannover Messe

„Vorreiter bei der Digitalisierung“

Die Maschinenbauer aus dem Land sind Trendsetter in Sachen Industrie 4.0, sagt Dietrich Birk, der Geschäftsführer des Branchenverbandes VDMA.

22.04.2017
  • KAREN EMLER

Stuttgart. Die Hannover Messe, die weltweit größte Industrieschau, geht am Montag los. Mit dabei sind natürlich auch Maschinen- und Anlagenbauer aus dem Land. Dietrich Birk, der Geschäftsführer des Branchenverbands VDMA, weiß, was sich die Unternehmen davon erwarten.

Mit welcher Stimmung gehen die Maschinen- und Anlagenbauer aus Baden-Württemberg auf die Hannover Messe?

Dietrich Birk: Die rund 500 Aussteller aus dem Südwesten sind in guter Stimmung. Zahlreiche Betriebe und Maschinenbauer aus Baden-Württemberg sind Vorreiter bei den Top-Themen der Hannover Messe 2017, also bei Digitalisierung und Robotik. Sie gestalten die Industrie der Zukunft somit aktiv mit.

Der Auftragseingang zum Jahresbeginn war recht gut, rechnen die Unternehmen damit, dass es so weiter laufen wird?

Aus dem gelungenen Jahresauftakt bei den Auftragseingängen kann man noch nicht auf das Gesamtjahr 2017 schließen. Dazu ist das politische Umfeld auf wichtigen Märkten zu instabil. Politische Unsicherheiten wie der Kurs der neuen US-Regierung, die Konsequenzen des Brexit und der künftige Weg Europas zwingen uns zu einem Fragezeichen, wenn es um die konjunkturelle Erholung geht. Dennoch bin ich vorsichtig optimistisch.

Wieso?

Weil führende Wirtschaftsinstitute eine leichte Beschleunigung des Weltwirtschaftswachstums sehen. Auf wichtigen Märkten in Europa und in einigen Schwellenländern erleben wir derzeit eine Stabilisierung und Verbesserung der Nachfrage. In Baden-Württemberg kommt noch ein günstiger Branchenmix hinzu, der uns stark vom Trend zur Automatisierung profitieren lässt. Diese Entwicklungen lassen zumindest hoffen, dass der Maschinenbau im Südwesten auch 2017 auf der Erfolgsspur bleibt.

Was macht am meisten Sorgen zurzeit? Die Trump-Ära und die damit verbundene Abschottung? Der Brexit und zunehmende antieuropäische Tendenzen?

Von Sorgen würde ich noch nicht sprechen. Jedoch treibt uns als weltoffene Industriebranche, deren Arbeitsplätze stark vom Export abhängen, das Erstarken politischer Strömungen gegen ein gemeinsames Europa und gegen den freien Welthandel um. Wenn das Vertrauen unserer Kunden aufgrund instabiler Rahmenbedingungen einfach nicht da ist, spürt das der Maschinenbau empfindlich.

Wo sitzen denn zurzeit die Wachstumstreiber?

Derzeit sind es vor allem die Euro-Partnerländer, die die Nachfrage ankurbeln. Der weitere Verlauf könnte also stark mit den richtungsweisenden Wahlen im Euro-Raum zusammenhängen und mit der Frage, wie Europa mit den Ergebnissen umgehen wird. Wir setzen mehr denn je auf die politische und ökonomische Vernunft für ein gemeinsames Europa.

Freie Märkte waren Ihrer Branche immer wichtig. Die sind inzwischen keine Selbstverständlichkeit mehr.

Sie sind aber weiterhin ein hohes Gut, für das wir mutig eintreten müssen. Die globale Arbeitsteilung ist so weit fortgeschritten, dass sich kein Land auf Dauer abschotten kann. Durch einen möglichst freien Warenverkehr profitieren gerade die USA stark von deutschen Unternehmen.

Können Sie das in Zahlen ausdrücken?

Der aktuelle Wert deutscher Investitionen in den USA beträgt beachtliche 270 Mrd. EUR. Über 670 000 Arbeitsplätze wurden dort dank deutscher Unternehmen geschaffen, mehr als 80 000 allein durch den deutschen Maschinenbau. Wir müssen in der politischen Diskussion um freie Märkte diese gewichtigen Argumente und Fakten noch viel stärker in die Waagschale werfen.

Abseits der politischen Fragen geht es auf der Hannover Messe wieder um Industrie 4.0. Können Sie ein Beispiel nennen, was die Unternehmen vor Ort zeigen werden?

Für die Maschinenbauindustrie in Deutschland ist alles rund um das Thema Vorausschauende Wartung zu einer Kernaufgabe geworden, die sich nahtlos in die vielfältigen Geschäftsstrategien zu Industrie 4.0 einpassen lässt. Ausfallzeiten kosten Geld und Nerven – deshalb spielt die Instandhaltung mittels intelligenter Datenanalysen für viele Maschinennutzer eine immer wichtigere Rolle. Damit können unvorhergesehene Ausfälle vermieden und Produktionsengpässe reduziert oder ganz ausgeschlossen werden. Möglich wird dies durch moderne Sensortechnik, digitale Vernetzung und Kommunikation der Maschinen, der Werkstücke und der Komponenten in der Industrie-4.0-Umgebung.

Das diesjährige Partnerland ist Polen. Wie stark ist die Verbindung?

Polen ist längst mehr als eine verlängerte Werkbank des Westens. In der Exportrangliste des deutschen Maschinenbaus lag das Land 2016 erneut auf Platz 8. Insgesamt wurden Maschinen und Anlagen aus Deutschland für 5,7 Mrd. EUR in das Nachbarland im Osten geliefert. Deutschland ist damit seit Jahren der wichtigste Maschinenlieferant Polens. Baden-Württemberg exportierte 2016 Maschinen und Anlagen im Wert von 1,1 Mrd. EUR in das Land. Das entspricht 2,9 Prozent der Gesamtausfuhren an Maschinen in 2016 und damit Platz 10 in der Länderrangfolge der wichtigsten Auslandsmärkte.

Wie attraktiv ist Polen als Standort?

Die Zeit, in der viele der besten Köpfe Polen verlassen haben, scheint vorüber. Viele Unternehmen bauen auf die Stärke des osteuropäischen Landes in der IT und auch in der Produktion. Solide Wachstumsraten des polnischen Bruttoinlandsprodukts, räumliche Nähe zu Deutschland, die Qualität der Zulieferer sowie gut ausgebildete Arbeitskräfte überzeugen auch deutsche Maschinenbauer. Deshalb ist der Schwerpunkt Polen bei der diesjährigen Hannover Messe genau richtig, um die Stärken von Europas Industrien im internationalen Vergleich aufzeigen zu können.

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22.04.2017, 06:00 Uhr

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