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Eine Delegation der CDU-Kreisräte zu Besuch

Vorstoß für Bus in die Stadt

Dass die Abkürzung „K’furt“ verpönt ist, sich die Gemeinde mit dem Baggersee schwertut und zumeist Reutlingen gemeint ist, wenn man von hier aus „in die Stadt“ fährt – das erfuhren CDU-Kreispolitiker bei ihrem Gemeindebesuch in Kirchentellinsfurt.

19.07.2012
  • Stephan Gokeler

Kirchentellinsfurt. Die Kreisräte der CDU haben sich vorgenommen, allen Gemeinden im Landkreis einen Besuch abzustatten. „Wir möchten in der Kreispolitik gerne den Ball haben. Wir wollen aber auch sehen, wo wir ihn dann hinspielen“, begründete der Fraktionsvorsitzende Eugen Höschele die Kreis-Tour. Vor Ort wolle man sich über die Probleme und Bedürfnisse informieren, aber auch die Beispiele gelungener Kommunalpolitik mitnehmen. Am Montag lag Kirchentellinsfurt auf der Reiseroute, und Bürgermeister Bernhard Knauss sowie die drei Gemeinderäte der CDU führten die Besucher durch den Ort.

Unter sich blieb die Reisegruppe auch beim anschließenden angesetzten „Bürgergespräch“ in der Gaststätte AS, die Kirchentellinsfurter ließen sich vollständig von der Lokalpresse vertreten. Trotzdem wurden zunächst artig Komplimente verteilt. Von einem wunderschönen Ortskern und einem tollen Gewerbegebiet zeigte sich Hartmut Dreher begeistert, Andreas Braun lobte die Anstrengungen, öffentliche Gebäude barrierefrei zu gestalten. Eugen Höschele hob besonders die Innenentwicklung der Gemeinde mit vielen „eigentümergeführten Einzelhandelsgeschäften“ hervor.

Investitionen in den See sind problematisch

Zur Sprache kamen aber auch die Problemzonen des Ortes. Knauss erläuterte im Schnelldurchgang die lange und schwierige Beziehung der Gemeinde zum Baggersee und den aktuellen Aufruf zur Bürgerbeteiligung. „Vielleicht schreibe ich mal einen Roman darüber, wenn ich im Ruhestand bin“, seufzte er.

Weil 95 Prozent der Besucher des Sees von außerhalb kämen, tue sich der Gemeinderat mit Investitionen in die Infrastruktur dort schwer. „Das steht immer in Konkurrenz zu Ausgaben, die unseren eigenen Bürgern zugute kommen.“ Von der Kreispolitik ist wenig Unterstützung zu erwarten. „Das Problem ist ein Größeres, wir werden die Entwicklung aufmerksam beobachten“, schloss Höschele das Thema lakonisch ab.

Anders bei der ÖPNV-Anbindung des Orts Richtung Reutlingen: Dass seit einiger Zeit keine direkten Busverbindungen dorthin mehr existieren, sorgt in der Bevölkerung für Unmut, derzeit läuft sogar eine Unterschriftensammlung. „Das ist noch nicht ausgestanden“, ahnte Knauss, der auch einräumte, die Gegenwehr der Bürger in diesem Punkt unterschätzt zu haben.

„Wenn die Kirchentellinsfurter ‚in die Stadt gehen‘, meinen sie immer noch meistens Reutlingen – auch wenn wir froh sind, ein TÜ- und kein RT-Zeichen am Auto zu haben“, berichtete er. „Dieses Thema wäre einen Vorstoß im Kreistag wert“, meinte Höschele. „Es sollte doch heutzutage Stand der Technik sein, von Kirchentellinsfurt nach Reutlingen zu kommen ohne umzusteigen.“ Bernhard Knauss brachte die Möglichkeit einer Anbindung an den Reutlinger Stadtverkehr mit einem Pendelbus nach Degerschlacht ins Spiel.

Vorstoß für Bus in die Stadt
Nur wenige Baggersee-Besucher kommen mit dem Rad. Die meisten fahren mit dem Auto aus der Stuttgarter Umgebung her. Das Land aber will sich finanziell nicht an einer Infrastruktur beteiligen und auch der Kreis unterstützt Kirchentellinsfurt nicht. Die CDU-Kreisräte wollen den See nun immerhin „beobachten“. Archivbild: Metz

Zur demografischen Entwicklung vermeldete Knauss Positives. Die Geburtenrate sei in Kirchentellinsfurt vergleichsweise hoch. Er besuche als Bürgermeister nicht nur die Senioren zu runden Geburtstagen, sondern auch alle Familien mit Neugeborenen. „Mein Gefühl ist, dass die Zahl der Familien mit drei Kindern sogar wieder zunimmt“, meinte Knauss. Das Leben mit Kindern sei eben in einem Haus mit Garten leichter als in der Großstadt. Und auch für das andere Ende des Lebenswegs sei in Kirchentellinsfurt vorgesorgt. Dank der Erweiterung könne die Gemeinde als eine von wenigen den Friedhof mitten im Ort erhalten. Dessen Bedeutung sei ihm schon vor seiner ersten Bewerbung als Bürgermeister von einem erfahrenen Kollegen klargemacht worden mit dem Rat: „Wenn Du wissen willst, wie gut eine Gemeinde aufgestellt ist, musst Du zuerst auf den Friedhof gehen.“

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19.07.2012, 12:00 Uhr

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