Kritik an Bahn

Vorwürfe nach IC-Unfall in Stuttgart

Sind die Bauarbeiten für S 21 schuld? Nach der Entgleisung im Hauptbahnhof macht der Verkehrsclub Deutschland der Bahn schwere Vorwürfe.

02.10.2012

Von JULIA GIERTZ, DPA

Stuttgart Der Unfall eines Intercitys bei der Ausfahrt aus dem Stuttgarter Hauptbahnhof hat eine Diskussion über Risiken infolge der Bauarbeiten für Stuttgart 21 entfacht. Der Verkehrsclub Deutschland wirft der Bahn vor, für den Tunnelbahnhof die Sicherheit der Kunden aufs Spiel zu setzen. "Die Pannenserie der vergangenen Monate im Hauptbahnhof legt die Vermutung nah, dass die Bahn kein verantwortlicher Bauherr ist", sagte VCD-Landeschef Matthias Lieb. Seit Beginn der Bauarbeiten 2010 seien im Hauptbahnhof fünfmal Züge entgleist. Die Projektleitung sei offensichtlich völlig überfordert und habe die Baustelle nicht im Griff.

Die Entgleisung des IC am Samstag mit sieben Verletzten hänge mit Bauarbeiten im Gleisvorfeld zusammen, sagte Lieb, der im Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21 ist. Durch den Umbau seien die Gleisradien extrem eng. Der Fahrgastverband Pro Bahn forderte wie schon Landesverkehrsminister Winfried Hermann Aufklärung von der Bahn. Ein Sprecher des Eisenbahnbundesamts sagte, dass Mitarbeiter der Untersuchungsstelle am Ort gewesen seien, um die Unglücks-Ursache herauszufinden und gegebenenfalls Hinweise zur Verbesserung der Sicherheit zu geben.

Weder das Kommunikationsbüro zu S 21 noch die Bahn wollten gestern zu etwaigen Ursachen Stellung nehmen. Ein Sprecher der Bahn sagte, es könne mehrere Wochen dauern, bis das EBA Erkenntnisse über die Ursachen bekanntgibt.

Der Unfall ereignete sich nach Bahn-Angaben in einem Bereich, in dem bereits im Juli dieses Jahres ein IC entgleist war. Für die damals beschädigte Weiche sei eine neue eingebaut worden; an ihr ereignete sich auch der jüngste Unfall.

Nach dem Unfall wurden gestern noch Gleise und Oberleitung repariert. Für den Zugverkehr stehen nur 11 der 16 Gleise zur Verfügung. Der Regionalverkehr ist weiter eingeschränkt, ebenso wie zwei Linien im Fernverkehr, teilte die Bahn mit: Salzburg-Karlsruhe und Klagenfurt-Frankfurt.

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Erstellt:
2. Oktober 2012, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
2. Oktober 2012, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 2. Oktober 2012, 12:00 Uhr

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