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Studie

Vulkan Eldgjá vertreibt die alten Geister

Eine Eruption auf Island soll im frühen Mittelalter dazu beigetragen haben, dass die dortigen Wikinger zum Christentum konvertierten.

24.03.2018
  • André Anwar

Stockholm. Der Vulkans Eldgjá auf Island hat von 939 bis 940 Rauch und Asche gespuckt. Die Katastrophe ist eine Ursache dafür, dass die Isländer sich zum Christentum bekannt haben. Das hat ein Team von Naturwissenschaftlern und Mittelalterhistorikern mithilfe der Untersuchung von Eisbohrkernen und Baumringen herausgefunden.

Der Ausbruch soll im Frühling 939 nach Christi begonnen und bis zum Herbst 940 gedauert haben. Eldgjá spie so gewaltige Mengen Lava aus, dass große Teile Islands verwüstetet wurden. Ein dunkler Ascheschleier und übelriechende Schwefelgase zogen über den Himmel. Der Lavastrom mit einem geschätzten Volumen von 20 Kubikkilometern hätte ausgereicht, um „ganz England bis zu den Knöcheln“ mit der heißen Glut zu füllen, schreiben die Wissenschaftler.

Bemerkenswert an der Studie ist neben der genauen Datierung des Ausbruches die Verbindung zu einer bahnbrechenden religiösen Wende auf der Vulkaninsel. Der Ausbruch muss den ersten Siedlern, die kurz zuvor angekommen waren, wie der Weltuntergang vorgekommen sein.

Das Team wurde von der Universität Cambridge geleitet, beteiligt waren unter anderem Forscher der Universitäten Oxford und Genf. Sie haben festgestellt, der Ausbruch müsse „verheerende Folgen für die junge Kolonie gehabt haben“, sagte der Studienkoautor Andy Orchard von der Uni Oxford. „Sehr wahrscheinlich musste Land verlassen werden, umfangreiche Hungersnöte brachen aus.“

Eine apokalyptische Welt

Laut den Forschern haben die ersten christlichen Missionare auf Island die Katastrophenstimmung bewusst genutzt. Sie machten den Isländern den Wechsel zum trostspendenden Christentum schmackhaft.

Islands bekanntestes mittelalterliches Gedicht, das „Völuspá“, ist laut historischen Quellen kurz nach dem Vulkanausbruch aufgetaucht. In dem als „Prophezeiung der Seherin“ bezeichneten Stück werden das Ende der Heidengötter und die Ankunft eines einzigen Gottes vorhergesagt. Untermalt wird das mit Beschreibungen einer apokalyptischen Welt, die der des Vulkanausbruchs verblüffend ähnelt: „Die Sonne färbt sich schwarz, das Land sinkt ins Meer, die strahlenden Sterne fallen vom Himmel, Dampf steigt auf, Flammen züngeln gegen den Himmel selbst.“

Die Wissenschaftler nehmen nun an, dass die „Völuspá“ nicht nur aus Fiktion bestand. Sie habe „den massiven religiösen und kulturellen Wandel“ hin zum Christentum „stimulieren“ wollen.

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24.03.2018, 06:00 Uhr

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