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CDU

„Wählt mich, ich kann sonst nichts“

Wie konservative Parteizirkel in Nordrhein-Westfalen gegen Kanzlerin Merkel und deren Unterstützer kämpfen.

10.12.2016
  • JOHANNES NITSCHMANN

Düsseldorf. Im rheinischen Krefeld hat der Bundestagswahlkampf schon begonnen. CDUler entwerfen Plakate – gegen CDU-Kandidaten. Eins zeigt den örtlichen CDU-Bundestagsabgeordneten Ansgar Heveling mit Toiletten-Saugglocke und dem Slogan: „Wählt mich, ich kann sonst nichts“. Was nach Satire-Partei riecht, ist den Aktivisten im „Konservativen Kreis Krefeld“ (K3) bitterernst. Sie verfolgen eine Mission: den Sturz von CDU-Chefin Angela Merkel.

Gefolgsleute der Kanzlerin markiert K3-Initiator Gerald Wagener als „politische Gegner“. „Diese Gegner wollen wir angehen. Wir wollen klarmachen, dass Angsthasen und Karrieristen in unserer Bundestagsfraktion diejenigen sind, auf die Angela Merkel ihre Machtbasis stützt.“ K3 hat 72 CDU-Bundestagskandidaten identifiziert, die sie wegen ihrer Nibelungentreue zu Merkel öffentlich als politische Trottel brandmarken wollen. Heveling gilt K3 als besonders treuer Merkel-Vasall. In seiner Nominierungsrede habe er, die Kanzlerin „unterwürfig in den Rang einer Säulenheiligen erhoben“, heißt es in einem K3-Rundschreiben.

Das Treiben hat die nordrhein-westfälische CDU-Zentrale aufgeschreckt. Schließlich ist Landesparteichef Armin Laschet einer der glühendsten Merkelianer, der schon seit Jahren für eine humane Flüchtlings- und eine liberale Integrationspolitik eintritt. Vor der Bundestagswahl im Herbst 2017 steht Laschet als CDU-Spitzenkandidat im Mai vor der Landtagswahl. Deshalb soll verhindert werden, dass K3 weitere Teile der Landespartei infiziert. Seit der jüngsten Zuwanderungswelle bilden sich in der NRW-CDU immer neue konservative Netzwerke, die etwa „Einwanderung lenken“, „den Wert der Ehe“ stärken und die Wehrpflicht wieder einführen wollen.

Am aggressivsten agiert Wagener. Das „Gewurschtel und Gekraute“ unter CDU-Parteichefin Merkel ist dem Rechtsausleger ein Graus. Der schwerreiche Unternehmer, dem mehrheitlich der Lebensmittel-Hersteller Schneekoppe gehört, will eine sechsstellige Summe gesammelt haben, um im Bundestagswahlkampf Kandidaten mit „konservativen Werten“ unterstützen zu können.

Seiner Partei reicht es nun. Krefelds CDU-Kreisvorsitzender Marc Blondin hat Wagener aufgefordert, binnen 14 Tagen die CDU zu verlassen. Andernfalls müsse er mit einem Parteiausschlussverfahren rechnen. Wagener agiere parteischädigend. Die Führung der NRW-CDU erklärt auf Anfrage, K3 sei „keine offizielle Organisation der CDU“. Soweit sich dort aber CDU-Mitglieder betätigten, unterlägen sie den „satzgemäßen Rechten und Pflichten“ der Partei. Johannes Nitschmann

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10.12.2016, 06:00 Uhr

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