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Eine Vatersuche über die Stasi-Akte

Während der Spionage-Verdacht schwindet, findet Filmemacher Eric Asch zum eigentlichen Thema

Es war ein anrührender und sehr Tübingerischer Filmabend am Freitagabend im Kino „Museum“: Zum ersten Mal zeigte der Filmemacher Eric Asch den biografischen Dokumentarfilm „Deckname ,Pirat’“ über seinen Vater in der Stadt, in der Robert Asch die längste Zeit seines Lebens verbrachte.

19.10.2014
  • Ulrike Pfeil

Tübingen. Schon der Andrang von fast 400 Besuchern bewies, wie beliebt der 2001 verstorbene „Bob“ Asch war, der in den 1970ern erst das Deutsch-Amerikanische Institut leitete und später das Tübinger Austauschprogramm der Tufts-University Boston. Kurz entschlossen verlegte Kino-Chef Volker Lamm die Aufführung vom viel zu kleinen Studio in den großen Saal. Fatih Akin musste weichen.

„Germanytitis“ diagnostizierten die Vorgesetzten des Army-Nachrichtendienstes ASA (später: NSA) bei dem jungen US-Soldaten Bob Asch, der in Berlin eingesetzt war. Keck fuhr er in seinem knallroten Sportwagen durchs Brandenburger Tor in die Ost-Hälfte der geteilten Stadt. Aber die hübsche Blondine, mit der er eine Liebschaft und eine Tochter hatte, war mit der Stasi verbandelt. Was Asch erst nach der Wende aus seiner 3000 Seiten fetten Stasi-Akte erfuhr. Die enthüllte ihm außerdem, dass die meisten seiner netten „Freunde“ und Kontakte in späteren DDR-Zeiten IM waren, die ihren Führungsoffizier mit beliebigen Details fütterten. Und, wohl um sich und ihren Auftrag wichtig zu machen, den Amerikaner mit dem Interesse am sozialistischen Osten zum „Agenten einer imperialistischen Macht“ hochstilisierten.

Dieser Anfangsverdacht „War mein Vater ein Spion?“ wird für den Sohn Eric Asch zum Ausgangspunkt von Recherchen, die schließlich ein feinsinniges biografisches Porträt des Vaters ergeben. In den Gesprächen mit Dritten wird ein Mann lebendig, der an Menschen interessiert war und an der Wirkung unterschiedlicher politischer Systeme auf Menschen. Der einfache Fragen stellte („Wie leben die dort?“), um die Verhältnisse zu erhellen und ihre absurden Seiten bloßzustellen.

Bei allem Ernst der Aufklärung, die den Regisseur und Erzähler in den Kalten Krieg zurück führt, nach Berlin und Weimar, in des Vaters Heimat New York, in die Wohnzimmer älterer amerikanischer Weggefährten und in die Fremdsprachenschule der Army im kalifornischen Monterey, ist der Film getragen von einem scheinbar naiven Erstaunen, einer sanften Ironie. In diesem Ton, wie man ihn von Bob Asch selbst kannte, führt Eric Asch die Unzugänglichkeit und Geheimniskrämerei der Dienste selbst in trivialen Fragen vor. Höhepunkt der Erheiterung sind die ausgesuchten Floskeln, mit denen ein „Dr. Hatch“ von der NSA jede Antwort verweigert.

Seine entlastende Leichtigkeit erhält der Film auch durch witzige kleine Animations-Sequenzen, in denen sich der Autor etwa ausmalt, wie sein Vater mit Sonnenbrille als cooler Spion agiert. Und durch die einfühlsame Musik, die der Tübinger Brite Rick Newton komponierte.

Am Ende des Films ist aus dem Spionage-Thrill zwar die Luft raus, aber dafür der Sohn seinem Vater (und seiner famos mitspielenden Mutter Chris Asch) sehr viel näher gekommen. Und das ist dann die eigentliche, schöne Geschichte.

„Dein Vater“, sagte nach der Vorführung ein früherer Freund von Bob Asch, „war ein Spion in dem Sinn, dass er ein sehr genauer Beobachter war – und dass er das anderen beibrachte.“

Während der Spionage-Verdacht schwindet, findet Filmemacher Eric Asch zum eigentlichen Thema
Die Sphinx vom NSA: Dr. Hatch (links, mit Interviewer und Filmemacher Eric Asch) lächelt, aber antwortet nicht. Film-Still

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19.10.2014, 12:00 Uhr

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