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Erschossener Geiselnehmer kam aus Mannheim – Wollte er sich umbringen?

Waffen waren nur Attrappen

Der Geiselnehmer von Viernheim war ein 19-Jähriger aus Mannheim. Er hatte keine scharfen Waffen bei sich. Jetzt wird über das Motiv gerätselt.

25.06.2016
  • IRA SCHAIBLE, DPA

Viernheim. Der maskierte Geiselnehmer aus dem Kino im hessischen Viernheim hatte keine scharfen Waffen. Der 19-Jährige aus Niedersachsen war mit zwei Schreckschusswaffen, einer Pistole und einem Gewehr, sowie mit Handgranaten-Attrappen bewaffnet, wie die Ermittler mitteilten. Der gebürtige Mannheimer war von der Polizei am Donnerstag in dem Kinokomplex erschossen worden. Die 18 Geiseln – unter ihnen mehrere Kinder – wurden unverletzt befreit. Das Motiv des Täters war weiter unklar. Hinweise auf einen politischen oder terroristischen Hintergrund gebe es aber nicht, hieß es bei den Behörden.

Die Menschen in Viernheim versuchten gestern, zum Alltag zurückzukehren. Kinopolis Deutschland rief seine Kinos zu höherer Sensibilität auf.

Der 19-Jährige war am Donnerstag gegen 14.30 Uhr in das Kinocenter gegangen und hatte sich dort mit einer Sturmhaube maskiert und bewaffnet. Er trug Springerstiefel. Der Kinokomplex liegt neben einem großen Einkaufszentrum am Autobahnkreuz Viernheim – rund zehn Kilometer von Mannheim entfernt, dem Geburtsort des getöteten Täters. Der Heranwachsende nahm 4 Angestellte und 14 Besucher als Geiseln und bedrohte sie.

Die Kriminologin Britta Bannenberg geht davon aus, dass er die Geiselnahme schon länger geplant hat. Der Mann habe die Geiselnahme sicherlich schon Wochen, wenn nicht Jahre im Sinn gehabt. Möglicherweise habe er das auch angedeutet, sagte die Gießener Professorin, die über Amoktaten forscht.

Nach Einschätzung des Kriminalpsychologen Rudolf Egg spricht vieles für einen provozierten oder in Kauf genommenen Suizid – nach dem in den USA verbreiteten Muster „Suicide by cop“ (Selbstmord durch Polizei). „Er hat bei dieser Demonstration von Macht und Gewalt im Stil eines Terroraktes die Tötung durch die Polizei in Kauf genommen oder möglicherweise sogar beabsichtigt“, sagte der ehemalige Leiter der Kriminologischen Zentralstelle des Bundes und der Länder in Wiesbaden.

Der Täter lebte nach Informationen der „Bild“-Zeitung mit seinem Freund in Sassenburg in der Nähe von Gifhorn. Die Staatsanwaltschaft äußerte sich dazu nicht – mit Verweis auf die Ermittlungen und Persönlichkeitsrechte des Täters. Unklar war auch, ob der 19-Jährige noch zur Schule ging, studierte oder schon berufstätig war, und aus welchem Grund er im Raum Mannheim/Viernheim war.

Aus Sicherheitskreisen hatte es geheißen, es handle sich um einen verwirrten Einzeltäter. Dies bestätigte die Staatsanwaltschaft zunächst aber nicht. Ob der junge Mann in psychiatrischer Behandlung gewesen oder schon als Straftäter aufgefallen war, sei auch noch unklar.

Nach Angaben der Polizei hatte der Geiselnehmer im Kino vier Schüsse abgegeben, bevor er getötet wurde. Die genaue Zahl der Schüsse ist nach Angaben der Staatsanwaltschaft dagegen unklar. Da es bei Schreckschusswaffen keine Patronenhülsen gebe, lasse sich dies auch nur schwer feststellen, erklärte eine Sprecherin.

„Das Spezialeinsatzkommando (SEK) konnte die Bedrohungssituation nur durch Schusswaffeneinsatz beenden“, heißt es in der Mitteilung der Staatsanwaltschaft. Dennoch ermittle das Landeskriminalamt – wie bei Schusswaffengebrauch von Polizisten mit Todesfolge üblich – auch gegen den Beamten, der den Geiselnehmer erschossen hat.

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25.06.2016, 06:00 Uhr

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