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Fleißige Müllzwerge sind unterwegs

Waldkindergarten startet mehrwöchiges Projekt / Auch Eltern lernen noch was dazu

Re-cy-cling. „Nicht alle Kinder können’s richtig aussprechen, aber sie wissen ganz genau, was es bedeutet“, sagt Kindergärtnerin Kerstin Urbat. Ein kleiner Bub kräht spontan den Beweis dazwischen „Aus alten Sachen neue machen“. Genauso ist es. Mit dem Thema Recycling beschäftigen sich die „Müllzwerge“ im Waldkindergarten noch eine ganze Weile.

17.03.2015
  • Hannes Kuhnert

Freudenstadt. Immer wieder, so erzählen die Erzieherinnen des Waldkindergartens, sehen die Kinder voller Entsetzen und Empörung, was doofe Erwachsene alles in den Wald geschmissen haben. Flaschen und Büchsen, Getränkekartons und Schrott, Papier und Gartenabfälle, Haushaltsmüll. „Wir haben einen alten Toaster gefunden“, erzählt eine Fünfjährige und eine Erzieherin erinnert daran, dass kürzlich jemand sein altes Auto im Stadtwald entsorgt hat. Erst gestern, bei einem Waldspaziergang, entdeckte man einen neuen Müllberg aus blauen Säcken mit Styropor und Büromüll. „Viele Kinder haben schon Müllsäcke und Gummihandschuhe in ihren Rucksäckchen und nehmen dann, wenn es denn geht, den Müll mit nach Haus oder in die Hütte des Waldkindergartens. Von dort entsorgt es die Stadt“, sagt Urbat dankbar.

Also machte der Kindergarten den Müll zu einem mehrwöchigen Projekt. So schlimm es ist, dass Kindergartenkinder den Dreck von Erwachsenen aufräumen müssen: Jetzt beschäftigen sich 40 Buben und Mädchen im Alter von drei bis sechs Jahren über mehrere Wochen mit dem Thema Müll und Abfall.

Mit Hilfe von Stadt und Landkreis haben sie das Recyclingcenter, die Mülldeponie und die Biovergärung besucht und ein Müll-Lied einstudiert. Das begleiten sie aus Trommeln, die sie sich aus Plastikblumentöpfen und Zeitungspapier, mit Klanghölzern aus trockenen Zweigen und Rasseln aus Astgabeln mit auf Draht aufgezogenen Kronkorken begleiten.

Wie man denn aus altem Zeitungspapier so tolle Trommelfelle machen könne, fragt der Zeitungsmann naiv. „Ha, aus Kleischter!“ wird er vielstimmig belehrt. Die Kleinen malen Bilder zum Thema Müll, verwandeln Styropor-Fundstücke zu einem Roboter, bekleben Marmeladengläser mit altem Geschenkpapier oder falten kleine Taschen und Geldbeutel aus alten Getränkekartons. Vor allem tragen sie ihr erlerntes Wissen über die richtige Mülltrennung nach Hause. Da sei mitunter doch noch so manche Nachhilfestunde bei den Eltern notwendig, erzählen Mütter teils amüsiert, teils beeindruckt anderntags.

Immer wieder überraschen die fleißigen Müllzwerge zu Freudenstadt ihre Erzieherinnen und Eltern mit ihrem Erfindungsreichtum und ihrer Kreativität. Da haben sich gruppenübergreifend zwei Buben zusammengefunden, die einen alten Regenschirm-Griff im Wald gefunden haben. Daraus und aus weiteren Fundstücken wollen sie nun einen neuen Regenschirm basteln. Ein trockener Ast gibt den Stock und ein gefundener Drahtkleiderbügel wird sicherlich auch noch gute Dienste leisten, meinen die Erfinder zuversichtlich.

„Wir haben unendlich viel Zeit“, sagt Kerstin Urbat. Und die Kinder haben noch viel vor. Aus Schrott in Wald und Wiese wollen sie im Stadtwald ein Mahnmal gestalten und haben dafür schon allerhand Material zusammengetragen. Es soll daran gemahnen, dass Abfall nicht in den Wald gehört, sondern dass man aus alten Sachen neue machen kann.

Waldkindergarten startet mehrwöchiges Projekt / Auch Eltern lernen noch was dazu
Abmarsch der Kleinen in den Wald. So traurig es auch ist, dort finden sie immer wieder neuen Müll. Vorsichtshalber nehmen sie schon mal gelbe Abfallsäcke mit. Sie haben sogar ein Müll-Lied einstudiert: „Eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs, sieben – wo ist denn der Müll geblieben.“Bilder: rt

Waldkindergarten startet mehrwöchiges Projekt / Auch Eltern lernen noch was dazu
Aus einer Astgabel und gefundenen Kronkorken habe sich Kinder eine prima Rassel gebastelt.

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17.03.2015, 12:00 Uhr

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