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Super Tiere – aber keine Supertiere

Waldnaturschutz-Konzept regelt den Erhalt von Arten

Refugien für Pflanzen und Tiere, Pläne für die Pflege – und eine Philosophie, die abrückt vom artenzentrierten Schützen: das Dußlinger Konzept.

10.07.2012
  • Eike Freese

Dußlingen. Ja, auch er: Auch der gute, alte Juchtenkäfer – wenn er denn vorhätte, sich in Dußlingen anzusiedeln – müsste das Waldnaturschutz-Konzept akzeptieren, das die Gemeinde jetzt verabschiedet hat. „Weg vom Artendenken, das ist der Leitsatz“, sagt Ulrich Höcker, Forst-Chef der Landkreisverwaltung. Das Motto gilt für die kommenden zehn Jahre im Dußlinger Rammert – und setzt im Grunde das fest, was auf dem Gemeindegebiet seit Jahren Praxis ist. Der Wald soll als solcher gesund, munter und vielfältig bleiben – ohne bestimmten Tierarten höhere Priorität einzuräumen. „Genau diese Suche nach dem Supertier und die Konzentration darauf wollen wir nicht“, sagt Revierförster Reinhold Gerster. Tiere brauchten Wohnstätten, Nahrung, Orte zur Fortpflanzung: „Und dabei wollen wir uns auf die Arten konzentrieren, die wir haben – und nicht die, die wir nicht haben“, formuliert Gerster das zweite Artenschutz- Mantra der örtlichen Waldwächter.

Das Konzept betrifft Wald-Wirtschaft und Artenschutz, zwei Felder, die sich durchaus widersprechen können. „Naturnah“ und „nachhaltig“ wollen die Förster arbeiten – doch bestimmte geschützte Arten dürfen sie durchs Wirtschaften nicht nur nicht gefährden, sondern müssen parallel auch erhaltende und fördernde Maßnahmen ergreifen: Schutz von bestimmten Arealen etwa, Artenschutz oder die gezielte Aufklärung von Betroffenen.

So sind im Dußlinger Gemeindegebiet vierzehn so genannte Refugiumsflächen ausgewiesen, etwa am Fahrradweg entlang der Wiesaz, im Schonwald Stelze am Ohnhaldeweg und entlang des Vorbachs. Auf diesen insgesamt 28 Hektar Wald wird in zehn Jahren – höchstens – einmal Hand angelegt. Sie beinhalten seltene Tier- und Pflanzenarten.

Zwei Gebiete von je vier Hektar gibt es mit Bäumen, die mit einem Alter von 180 bis 200 Jahren schützenswert sind. Solche Altbestände sollen künftig aber auch aus wirtschaftlichen Gründen umettiketiert werden können, wenn jüngere Bäume ein entsprechendes Alter erreichen – nach dem Motto „Die Glasglocke kann wandern“.

Außerdem wollen die Förster weiterhin auf den Einsatz von Pestiziden im Gemeindewald verzichten, seltene Bäume und Totholz fördern und erhalten. „Es ist teuer, gegen die Natur zu arbeiten“, sagt Förster Gerster. Besonders wichtig wird zudem, einen Wildtier-Korridor zwischen Dußlingen und Derendingen zu sichern, der Tieren im dicht bebauten Gebiet um die B 27 eine Durchgangsmöglichkeit bietet. „Dabei geht es uns gar nicht so um klassische Hirsche und Wildschweine“, so Gerster. „Unsere Frage muss sein: Wie kommt ein Feuersalamander über die B 27?“

Waldnaturschutz-Konzept regelt den Erhalt von Arten

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10.07.2012, 12:00 Uhr

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