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Wagner

„Walküre“ in frischer Leichtigkeit

Der israelisch-amerikanische Regisseur Yuval Sharon verwandelt das Drama in ein poppiges Märchen.

14.12.2016
  • NIKE LUBER

Karlsruhe. Am Ende legt der Vater die Tochter auf Eis, zur Sicherheit wird die Eingefrorene von einem magischen Feuerring umgeben. Richard Wagners „Die Walküre“ ist nur der vorläufige Höhepunkt eines Dramas um Macht und das Scheitern an selbst geschaffenen Zwängen.

Das Badische Staatstheater Karlsruhe hat Wagners monumentalen Opern-Zyklus auf vier Regisseure verteilt. Yuval Sharon verwandelt das düstere Drama in ein poppiges Märchen und garniert es mit frechen Gags. Darf er das? Tatsächlich verleiht die unbeschwerte Herangehensweise des israelisch-amerikanischen Regisseurs der „Walküre“ eine erfrischende Leichtigkeit, auch wenn nicht jeder Gag zündet.

Ausgesprochen gelungen ist die optische Umsetzung durch das Bühnenbild von Sebastian Hannak und die Videoprojektionen von Jason H. Thompson. Siegmund und Sieglinde können getrennt voneinander stehen, gleichzeitig bewegen sich ihre Schattenrisse aufeinander zu. Türen öffnen sich, mal in die Vergangenheit, wenn die Geschwister Erinnerungen an die Kindheit austauschen, mal zur Gegenwart.

Das Märchenhafte kommt klar zur Geltung. Von der Götterburg Walhall sieht man dagegen nur eine Rolltreppe; der Machtkampf Wotans mit seiner Göttergattin Fricka bringt mal den einen, mal die andere nach oben. Eis und Schnee prägen den Walkürenfels, die Walküren selbst wurden als Expeditionsteam ausgerüstet und in die Signalfarbe Orange gehüllt.

Die leidenschaftlich agierenden Solisten erwecken Wagners Charaktere zum Leben. Katherine Broderick zeichnet die Sieglinde als traumatisierte Frau, die der schrecklichen Vergangenheit entfliehen will. Vor lauter Ausdruckswillen gibt die Sängerin ihrem schön timbrierten Sopran manchmal zu viel Druck.

Feuer und Eis, Island und Wotan

Peter Wedd singt einen angenehm unangestrengten Siegmund. Heidi Melton mutet ihrer klangschönen Stimme als Brünnhilde einiges zu. Voller Intensität ist ihre Auseinandersetzung mit dem Vater Wotan im dritten Akt. Renatus Meszar verleiht Wotan menschliche Züge.

Feuer und Eis im letzten Akt sind ein Verweis auf Island, von wo viele Elemente stammen, die Wagner in seinen „Ring“ aufgenommen hat. Und ein Symbol für die Erstarrung von Wotans Seele, denn mit Brünnhilde vereist ein Teil von ihm selbst. Glühend, temporeich und aufschäumend erklingt die „Walküre“ der Badischen Staatskapelle. Unter der Leitung von GMD Justin Brown wirkt Wagners Klangsprache ebenso von Traditionen entstaubt und frisch wie Yuval Sharons Inszenierung. Nike Luber

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14.12.2016, 06:00 Uhr

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